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Serie „The Rookie“ auf Sky : Verfolgungsjagden gegen die Midlife Crisis

Blechschaden inklusive: John Nolan (Nathan Fillion) versucht als Polizist zu schlichten. Bild: ABC

Der amerikanische Traum auf Streife: In „The Rookie“ spielt Nathan Fillion einen Polizei-Azubi vorgerückten Alters.

          3 Min.

          Nathan Fillion hat es wieder getan. Oder man könnte auch sagen: Der Produzent Alexi Hawley ist ein Wiederholungstäter. Die beiden stecken jedenfalls hinter einer Serie, deren Konstellation an die Ausgangslage einer anderen erinnert, die acht Jahre lang beim amerikanischen Sender ABC auf der Erfolgsspur unterwegs war: Auf „Castle“ folgt „The Rookie“, auf den Krimischriftsteller, der bei der Polizei in New York als Berater beginnt, folgt der Spätberufene, der mit vierzig Jahren bei der Polizei von Los Angeles als Streifenbeamter von vorn anfängt. „Fish out of Water“ nennt man das Genre, das Nathan Fillion als Weltenwechsler nun in besonderer Weise bespielt – als Kombination mit einer Midlife Crisis, die ihn vor haufenweise Probleme stellt, die nach allen Regeln der Erzählkunst ausgeschlachtet werden. Das birgt Drama ebenso wie Komödie.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          John Nolan ist vierzig, frisch geschieden, seine Baufirma ist pleite. Ihm reicht’s, er hat die Nase von allem voll. Als er in einen Banküberfall gerät, bei dem er sich ebenso todesmutig wie leichtsinnig verhält, kommt die Eingebung. Polizist will er werden, am anderen Ende des Landes, beim Police Department von Los Angeles. Dass die Übrigen in seinem Ausbildungsjahrgang halb so alt sind wie er, schreckt den „Rookie“ nicht. Er will, er muss es allen beweisen, vor allem Sergeant Wade Grey (Richard T. Jones), der ihm mit Ansage das Leben schwermacht, fürchtet er doch, dass sein Revier zum Rückzugsort für schwer vermittelbare Sinnsucher und selbstbezogene Trantüten wird, die Probleme mitbringen, statt welche zu lösen, und die er im Dienst nun wirklich nicht gebrauchen kann. Also geht jeder Gag auf Kosten von John Nolan. Der meldet sich in der morgendlichen Besprechung freiwillig für die miesesten Jobs – sie werden ihm ohnehin aufgebrummt.

          Der älteste Rookie in der Geschichte der Polizei

          Dass er an seinem ersten Einsatztag zwei Polizeifahrzeuge zerstört, verbessert sein Ansehen beim Chef auch nicht gerade. Der Sergeant sieht Nolans Tage beim LAPD von Beginn an gezählt. Einer von drei Rookies überstehe das erste Jahr nicht, sagt der Sergeant und meint zu wissen, dass die hartnäckige Lucy Chen (Melissa O’Neil) und der strebsame Jackson West (Titus Makin) sich durchsetzen werden. Glück hat Nolan indes wenigstens mit seiner Ausbilderin Talia Bishop (Afton Williamson). Die verdreht zwar die Augen, als das Los, den ältesten Rookie in der Geschichte der Polizei von Los Angeles unter die Fittiche zu nehmen, auf sie fällt. Doch es dauert nicht lange, bis die beiden merken, dass sie sich aufeinander verlassen können. An Bewährungsproben herrscht kein Mangel, ohne größere Verfolgungsjagd und Schießerei geht kaum eine Schicht vorbei.

          So vollzieht sich der American Dream im Streifendienst, in dem Nathan Fillion ganz ähnlich auftritt wie in seiner Rolle als Krimibestsellerautor Richard Castle. Der musste in der gleichnamigen Serie, die von 2009 bis 2016 lief, feststellen, dass jemand nach der Vorlage seiner Bücher Morde beging, und drängte sich dem Morddezernat der Polizei von New York als Nervensäge vom Dienst auf.

          Eine Liaison, die sich im Dienst nicht als Vorteil erweist

          Am wenigsten begeistert schien Detective Kate Beckett (Stana Katic), gleichwohl war von Folge eins an klar, dass es in der Serie auch, wenn nicht vor allem, um die Frage ging, wann die beiden sich kriegen. Das wiederum gestaltet sich in „The Rookie“ etwas anders: John Nolan und Lucy Chen sind schon heimlich miteinander liiert, was sich im Dienstalltag nicht gerade als Vorteil erweist. Eine gewisse Ernsthaftigkeit, auf die es „Castle“ erst im Laufe der Zeit abgesehen hatte, zeichnet „The Rookie“ nicht nur in diesem Punkt von Beginn an aus – stets getragen von der Selbstironie, mit welcher Nathan Fillion seine Rollen prägt. Die Drehbücher sind darauf ausgelegt, im Fall von „The Rookie“ sogar angeblich nach einem realen Vorbild.

          Die Serie „Castle“ fand nach acht Staffeln und 173 Folgen ein überstürztes Ende. Weil der ausstrahlende Sender lange mit dem Gedanken gespielt hatte, trotz sinkender Quoten eine neunte zu drehen – allerdings ohne die Hauptdarstellerin Stana Katic –, gab es erst einen blutigen Showdown mit Cliffhanger-Effekt und dann ein Happy End der eher unwahrscheinlichen Art.

          „The Rookie“, das bei uns seit Anfang des Monats auf dem Abokanal Fox läuft, schlägt sich in Amerika zumindest so leidlich, dass eine zwei Staffel in Auftrag gegeben wurde. Nathan Fillion indes hat schon seit seiner Rolle als Weltraumschmuggler Malcolm Reynolds in Joss Whedons abgefahrener Space-Westernserie „Firefly“ (Glühwurm, 2002) eine ansehnliche Fangemeinde. Im Augenblick wird auf der Petitionsplattform change.org dafür getrommelt, in Fillions Heimatstadt Edmonton, Alberta (Kanada), ein Gebäude in einem neuen Park nach ihm zu benennen – den „Nathan Fillion Civilian Pavilion“.

          The Rookie läuft dienstags um 21 Uhr bei Fox, zu empfangen über Sky.

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