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„Agatha Raisin“ bei ZDFneo : Traue niemals einem alten Gemäuer

  • -Aktualisiert am

Agatha Raisin (Ashley Jensen) und Partner James (Jamie Glover) im Geisterhaus. Bild: ZDF und Free@Last TV and Company

Die Serie „Agatha Raisin“ ist ein Wohlfühlkrimi erster Ordnung, mit albernem Humor und Ashley Jensen als bezaubernder Heldin. Bei ZDFneo kann man ihre Abenteuer in einem großen Rutsch sehen.

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          Die schottische Schriftstellerin Marion Chesney Gibbons, die im vergangenen Winter im Alter von 83 Jahren verstarb, publizierte unter vielerlei Namen, aber bekannt machte sie vor allem das Pseudonym M.C. Beaton, unter dem Gibbons die Krimis um den Ermittler Hamish Macbeth in Lochdubh schrieb – von der BBC in den neunziger Jahren verfilmt.

          Sky One und Acorn TV wiederum hoben seit 2014 Gibbons Reihe um die PR-Frau Agatha Raisin ins Fernsehen, die von London in die Cotswolds zog und dort zur gefürchteten Amateur-Detektivin wurde. Mit ihrem freundlich-entspannten Stil wendet sich die Verfilmung an ein ähnliches Publikum, wie es sich auch an den Fällen von „Inspector Barnaby“ oder auch der deutschen Serie „Mord mit Aussicht“ erfreut; „Miss Marple“ und „Jessica Fletcher“ grüßen von Wolke sieben.

          Zum Auftakt der dritten Staffel von „Agatha Raisin“, die auf ZDFneo leider ohne Möglichkeit anläuft, auf die ungleich charmantere Originalfassung umzuschalten, fühlt sich Agatha (Ashley Jensen) am Steuer eines funkelnagelneuen Coupés „wie Brigitte Bardot, die gerade an der Côte d’Azur entlangfährt“, um ihrem Partner James (Jamie Glover) ein zum Büro umgebautes britisches Kirchlein zu präsentieren: Sie hat endlich Prüfungen bestanden, dank derer sie eine Detektei eröffnen kann.

          Kuriose Einrichtungsgegenstände wie ein Meditationsrasen, ein Indianerzelt, diverse E-Gitarren an der Wand oder eine Spielkonsole mit 3D-Brille weisen das Ganze als waschechte, wenn auch verrumpelte Start-up-Bude aus. Fehlt nur noch die Initialzündung, um in aller Munde zu sein. Und die schneit, just als sich trotz virtueller Ablenkung Langeweile einstellt, per Zeitungsmeldung ins Haus: In einem Gutshaus soll zum Leidwesen der amtlich schrulligen Eigentümerin Oliva Witherspoon (Richenda Carey) das Gespenst eines Toten umgehen, den vor fast vierhundert Jahren eine Musketenkugel traf.

          Bei einer Übernachtung im Dienste der Wahrheitsfindung – „verzweifelte Zeiten erfordern verzweifelte Ideen“ – sind schreckliche Laute zu hören. Entscheidender für den Whodunnit-Krimi, der die Zuschauer erwartet, ist der Tod der ungeliebten Greisin kurze Zeit später. Als Verdächtige kommen Witherspoons zerstrittene Kinder Carol (Claire Cox) und Harry (James Dreyfus) in Frage, aber auch der nerdige Himbeerkeksfreund Percy (David Newman), der Gerüchte um einen versteckten Schatz kennt und das Anwesen bereits vergeblich zu kaufen versuchte. Zugegen sind außerdem der Fernsehhistoriker Florian Devere (Mark Aiken) sowie diverse Rollenspieler von der Vereinigung „Die gekreuzten Schwerter“, die eine historische Schlacht nachstellen und sogar Detective Chief Inspector Wilkes (Jason Barnett) in ein Kostüm springen lassen.

          Mehr ist nicht – und das reicht auch, weil das Format nicht mehr will und dabei augenzwinkernd über sich grinst. „Agatha Raisin und das Geisterhaus“, unauffällig gefilmt, darf unverkrampft schauen, wer noch Wäsche zu falten, ein Herz für Wohlfühlkrimis und ein Faible für albern-schlichten, zuweilen zotigen Humor hat. Trumpf der Serie ist die bezaubernde Ashley Jensen („Extras“, „Catastrophe“, „After Life“), die unsere Heldin, etwas jünger als in den Büchern, dezent überzeichnet, ohne sie zur Witzfigur werden zu lassen.

          Die Auftaktepisode, die im Anschluss an alle übrigen Folgen der neuen Staffel gezeigt wird, ist allerdings kein guter Einstieg in eine Serie, deren Liebenswürdigkeit sich erst so richtig auf der Langstrecke zeigt. Umso schöner, dass ZDFneo auch die vorherigen Folgen im Programm hat – irgendwie, denn man braucht schon einen Bachelor in Fernsehkonsumplanung, um die komplizierte Verzahnung von Sendezeiten und Mediathek-Angeboten auf diesem Kanal zu verstehen. In der Mediathek stehen von „Agatha Raisin“ aktuell, wenn wir es richtig verstanden haben, die kompletten Staffeln zwei und (ab Samstag dann) drei. Staffel eins hingegen, die gerade aus der Mediathek verschwand, kehrt erst demnächst wieder, nach der nächtlichen Ausstrahlung, dorthin zurück.

          Agatha Raisin, um 21.45 Uhr bei ZDFneo

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