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Besuch beim Kölner Domradio : Die Sendungsbewussten

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Ausbauen ließe sich das Angebot durchaus. Und technisch ist man fit für die Zukunft, hat gerade wieder aufgerüstet. Auf dem Flur liegen noch die Reste der Vorgängertechnologie herum. Bei aller Traditionsverbundenheit der katholischen Kirche setzt man wie alle Sender auf eine Multimedia-Strategie, und tatsächlich ist die Domradio-Website mit ihren Videos, den Hintergrund-Informationen und vor allem dem Livestream (Dom-Gottesdienste werden mit Bild übertragen) mit 6000 bis 10 000 Klicks pro Tag eines der beliebtesten katholischen Digitalangebote. Aber es ist weniger das nervöse Twitter- und Facebook-Internet als das geruhsame Mediathek- und Livestream-Internet, von dem Brüggenjürgen schwärmt.

Nach Köln ist der Ostwestfale zeitgleich mit Kardinal Meisner im Jahre 1989 gekommen. Nach dem Studium der Publizistik und Theologie in Münster arbeitete er unter anderem fünf Jahre lang als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz bei - festhalten! - RTL. „Das war die Zeit von Helmut Thoma“, sagt Brüggenjürgen, „da lernte man, dass der Köder nicht dem Angler, sondern dem Fisch schmecken muss. Wobei ich sage: Auf das Bild vom ,Menschenfischer‘ haben eigentlich wir die Urheberrechte.“ Quote sei beim Domradio zwar nicht relevant im existentiellen Sinne, und die Nonnen strippen lassen werde man dafür auch nicht, aber von möglichst vielen Menschen gehört werden möchte man doch. Auch deshalb habe man den Sender so positioniert, wie er heute dasteht: mitten im Leben, katholisch durchaus, aber keinesfalls päpstlicher als der Papst.

Für die Frohe Botschaft

Den mächtigen Nachbarn macht man hinter vorgehaltener Hand für die etwas kümmerliche Dreißig-Watt-UKW-Frequenz verantwortlich, die dem Domradio zugestanden wurde. Der WDR hatte befürchtet, sonst werde sein Aachener Lokalprogramm gestört. Doch sind die Scharmützel längst beigelegt, die man kurz nach dem Sendestart mit der ARD-Anstalt austrug. Der WDR soll seinen Moderatoren anfangs verboten haben,

im Domradio aufzutauchen. Inzwischen gebe es Amtshilfe auf allen Ebenen, sagt Brüggenjürgen, Freie arbeiteten hier wie dort, selbst die Techniker gingen zusammen zum Mittagessen. Und man profitiert in Sachen Studiogäste deutlich von der Nähe: Da schaut mancher Schriftsteller oder Politiker, der beim WDR einen Auftritt hat, schnell noch im Nebengebäude vorbei. An diesem Nachmittag ist es der niederländische Autor und Tausendsassa Arnon Grünberg.

Direkte Konkurrenz muss das Domradio nicht fürchten, denn diese existiert nicht. Der evangelische Sender „Radio Paradiso“ aus Berlin ist ein eher kirchenfernes Wohlfühlprogramm, dem zwischenzeitlich sogar die UKW-Frequenz entzogen werden sollte (an dem sich zuletzt aber auch Kardinal Woelkis Berliner Erzbistum mit einer Sendung beteiligte). Erzkatholische Angebote wie Radio Maria und Radio Horeb richten sich wiederum in frommer Weise an die Frommen: Missionierung durch die Luft. Darüber grinst man in Köln. Sendungsbewusst ist man hier jedoch durchaus: „Für uns Christen ist die Frohe Botschaft ja eine Heilsbotschaft“, sagt Brüggenjürgen. „Ich wünsche mir, dass alle, die unser Programm hören, ein wenig fröhlicher werden, nicht gaga-fröhlich, sondern vom Herzen her froh.“ Und welcher Hörfunkchef wünscht sich denn bitte so etwas heute noch.

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