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TV-Serie „Unter Verdacht“ : Wo die Mafia baut

Der einzige Zeuge: Eva Maria Prohacek (Senta Berger) mit dem kleinen Ilian (Ilian Kiskinov). Bild: ZDF und Barbara Bauriedl

Ein Mann fällt vom Dach. Das kann kein Unfall sein. Es ist ein Fall für Senta Berger als Ermittlerin Eva Maria Prohacek. Wir wissen allerdings viel zu früh, wie es in diesem Krimi ausgeht.

          Es ist Abend, das große Haus beleuchtet, der Garten samt Swimmingpool prachtvoll: Vater, Mutter und Kind präsentieren sich in einer Bilderbuch-Harmonie, die jedoch rasch gestört wird. Zwei Vermummte schleichen durchs Gebüsch und stecken die Kinderschaukel der offenkundig schwervermögenden Familie in Brand. Mehr passiert in der Folge „Betongold“ aus der Krimireihe „Unter Verdacht“ zunächst nicht, doch liegt der Verdacht nahe: Die Mafia steht vor der Tür. Und so ist es dann auch.

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Während eines Richtfestes für das neue Münchner Polizeigebäude stürzt ein Mann vom Baugerüst und bereitet der Festrede von Dr. Claus Reiter (Gerd Anthoff), dem Leiter des Kommissariats, ein jähes Ende. Die Kollegen von der Abteilung für Amtsdelikte sind auch zugegen, als das Unglück geschieht. Ein Selbstmord? Kriminalrätin Dr. Eva Prohacek (Senta Berger) und ihr Kollege André Langner (Rudolf Krause) bezweifeln das. Bei dem Toten handelt es sich um den stellvertretenden Bauamtsleiter Viersen, der in einer verdächtigen Beziehung zu seiner wenig mitfühlenden Chefin Monika Weisshaupt (Saskia Vester) stand. Auch der Hausbesitzer, der ungebetenen Besuch bekam, hängt irgendwie mit drin. Doch kommen sie als Täter in Frage?

          Korruption und bulgarische Mafia

          Schnell geraten Prohacek und Langner in ein Dickicht aus Korruption, dubiosen Bauunternehmen, Briefkastenfirmen und bulgarischer Mafia. Die Zuschauer wissen stets mehr als die Ermittler, was die Spannung nicht unbedingt steigert. Ein siebenjähriger Junge aus Bulgarien befand sich mit seinem Vater auf dem gegenüberliegenden Dach, als Viersen stürzte. Es dauert lange, bis Kriminalrätin Prohacek entdeckt, was den Zuschauern längst klar ist (freilich ohne den Täter zu Gesicht zu bekommen): Der Junge hat den Tathergang mit seinem Handy gefilmt.

          Was hat die Folge unter der Regie von Ulrich Zrenner (Drehbuch Michael Gantenberg) sonst zu bieten? Claus Reiter tritt wie stets mit gekonnter Ironie als schillernder Vorgesetzter auf, der in erster Linie an seiner Karriere interessiert ist, vor Leuten mit Macht und Einfluss kuscht und Seilschaften nutzt. Genauso oft dreht er den Spieß allerdings um, steht plötzlich auf Seiten der Guten, und sei es nur, um seinem Gegenüber eins auszuwischen. Langner und Prohacek verstehen sich blind, wie der Kommissar einmal bemerkt, und zeigen sich mit bewährt trockenem Humor.

          Samuel Finzi nimmt man die Rolle des bulgarischen Mafiabosses durchaus ab, insgesamt aber wirkt die Mafia in dem Film eher harmlos. Der Handlungsrahmen ist nicht neu: Die Baubranche stinkt zum Himmel, alle sind korrupt, der Kampf gegen die Mafia bleibt immer nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Herausragend ist die schauspielerische Präsenz des Jungen Ilian (Ilian Kiskinov). Die Idee der Krimireihe „Unter Verdacht“ war einmal gut, die Besetzung ist stark, es gab viele erstklassige, hochpolitische und bewegende Folgen, aber vielleicht ist das ewig gleiche Muster, dem die Serie folgt, langsam ausgereizt. Das ZDF indes ist optimistisch. Anfang des nächsten Jahres läuft eine neue Doppelfolge, weitere Episoden seien geplant.

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