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Die Machenschaften des IOC : Eine sehr wichtige Lektion für alle

Der ungarische Schwimmer Milak zeigt, was er von seinem Favoritensieg bei den Olympischen Spielen von Tokio hält. Bild: Reuters

Das IOC kontrolliert sein Image auch durch Bildproduktion. Man muss wissen, was man sieht, um in den Bildern von den Spielen in Tokio die olympischen Machenschaften dahinter zu erkennen.

          6 Min.

          Wer wissen will, wie es mit Olympia weitergeht, muss das Bild kennen. Nicht die Bilder. Das eine Bild. Das Selbstbild Olympias, das die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees von sich haben. Es ist kaum zu entdecken in dem Bilderteppich, den sie seit dem 23. Juli über den Planeten gelegt haben. Hier und da gibt es mal eine Facette zu sehen. Am Mittwoch, beispielsweise, war der Ungar Kristof Milak über 200 Meter Schmetterling geschwommen, wie es alle erwartet hatten. Favoritensiege mögen Mitglieder des IOC unheimlich gerne, weil man so schön planen kann, wer sich wann zur Siegerehrung schicken lässt.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Die Produzenten des Bilderteppichs, die IOC-Tochter Olympic Broadcasting Services, mag Siege wie den von Milak nicht ganz so gerne. Grund: zu wenige Emotionen. Milak verzog kaum eine Miene, als er am Beckenrand angekommen war, und wenn, gingen die Mundwinkel eher nach unten. Weltrekord verpasst. Davon haben dann die Fernsehteppichproduzenten nichts, das ist nicht so gut für das eigene Produkt. Zumal die Leute fehlen. Keine Zuschauer, keine Stimmung.

          Und auch wenn IOC-Präsident Thomas Bach zwei Tage vor der Eröffnung noch von digitalen Applaus-Wettbewerben über Kontinente hinweg und betreuter Videotelefonie mit den Liebsten daheim für die Sportler erzählt hat – sein oberster Bildteppichproduzent, OBS Chief Executive Yiannis Excharchos, sagt am Tag, an dem Milak sein Favoritensieg zur Regungslosigkeit rührt: „Menschliche Nähe lässt sich nicht digital reproduzieren. Ich denke, wir müssen ehrlich sein. Ich liebe Technologie, aber Technologie kann nicht alles.“ Technologie kann zum Beispiel nicht Emotionen herbeizaubern bei Siegern, die Emotionen verstecken.

          Aber, immerhin: Kristof Milak, Favoritensieg. IOC-protokollarisch einwandfrei. Da kann man sich nicht mehr wünschen.

          Genau deshalb hatte Pál Schmitt gewartet. Dass Pál Schmitt seinen Landsmann Milak im Tokyo Aquatics Center nun ehren sollte – oder sollte Kristof Milak sich von Schmitt ehren lassen? –, rechtfertigt einen Blick auf dessen Vita. Auch die ergänzt das Selbstbild des IOC um eine Facette, vielleicht sogar um eine aufschlussreiche. Schmitt war mal ungarischer Staatspräsident, auch weil er zuvor erfolgreicher Fechter war.

          Also, Highlight Reel: zweimal Gold, Degen-Mannschaft, Mexiko-Stadt 68, München 72. Danach Funktionärslaufbahn, ab 83 IOC-Mitglied, Generalsekretär des ungarischen Olympischen Komitees ab 86. Wende. Präsident des NOK ab 90, Verfasser einer Doktorarbeit, die er zu wesentlichen Teilen abschreibt, was erst mal kein Problem ist, Protokollchef des IOC, vergeblicher Anlauf auf die IOC-Präsidentschaft, Politikerkarriere in der Orbán-Partei Fidesz, Aufstieg vom NOK-Präsidenten zum Staatspräsidenten 2010. 2012 ist das Plagiat ein Problem, Skandal, Aberkennung der Doktorwürde, Rücktritt. Als Staatspräsident. Nicht als IOC-Mitglied.

          Deshalb sitzt Pál Schmitt, eine Woche bevor sich Kristof Milak von ihm ehren lässt, im Saal des Hotels The Okura, in dem die IOC-Mitglieder während der Spiele, anders lässt es sich nicht sagen, residieren. Wer es nicht glaubt, vergewissere sich in der Mitteilung „Notice of Change in Business Structure in Conjunction with the Tokyo 2020 Olympic Games“ auf der Website des Okura. Im Saal läuft die IOC-Vollversammlung. Brisbane hat soeben seine Präsentation gehalten, Bewerbung um die Sommerspiele 2032, Gegenkandidaten: keine.

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