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NYT streicht Karikaturen : Da zeichnet sich was ab

  • Aktualisiert am

Gezeichneter Zeichner: Der Schweizer Karikaturist Patrick Chappatte spricht während einer Sitzung im Rahmen des Weltwirtschaftsforums. Bild: dpa

Nachdem die amerikanische Ausgabe der „New York Times“ sich nach einem Skandal bereits von ihren Karikaturen verabschiedet hatte, streicht die Tageszeitung sie nun auch aus ihrer internationalen Ausgabe. Ihre Zeichner sind enttäuscht.

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          Vom 1. Juli an will die „New York Times“ (NYT) auch in ihrer internationalen Ausgabe keine politischen Karikaturen mehr veröffentlichen. Schon zwei Monate zuvor hatte man bei der amerikanischen Ausgabe der Zeitung beschlossen, keine politischen Zeichnungen mehr abzudrucken – zumindest nicht solche, die an weitere Medien verkauft werden. Anlass der Streichung war eine Karikatur des Zeichners António Moreira Antunes, die am 19. April zuerst bei der Lissabonner Wochenzeitung „Expresso“ erschienen war und sich hernach auf der Meinungsseite der NYT wiederfand. Sie zeigte den amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit Kippa, der den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu als Dackel an der Leine führt. Für den Abdruck geriet vor allem die „New York Times“ in die Kritik. Es entbrannte ein Streit darüber, ob die Bildsprache antisemitisch sei und wie man Israel heutzutage kritisieren dürfe. In diesem Streit geht es jedoch um mehr. Im Hintergrund schwebt die Frage, was es heißt, wenn eine Zeitung wie die NYT sich eines ihrer populärsten blattmacherischen Instrumente entledigt – wenngleich man in den Anfängen des Blattes Vorbehalte gegen „Cartoons“ hatte.

          Vor zwei Monaten hatte sich die NYT für die Veröffentlichung entschuldigt. Obwohl die Karikatur aus dem Portfolio eines überregionalen Verbreiters stamme, sei die Veröffentlichung eines so „offensichtlich bigotten Cartoons“ Beleg für eine „grundlegende Gefahr – nicht nur des Antisemitismus, sondern einer Abgestumpftheit, die zum Fürchten“ sei. Dass für die Zeitung damit nun die Frage einhergeht, wie zeitgemäß die Karikatur heute noch ist, zeigt sich in der Erklärung, die der Chef der Meinungsseiten, James Bennet, am Montag auf Twitter veröffentlichen ließ. Über ein Jahr habe man überlegt, die internationale Ausgabe mit der amerikanischen in Einklang zu bringen. Nachdem die Entscheidung gefallen sei, wolle man in neue Formen des Meinungsjournalismus investieren. Das beinhalte auch visuellen Journalismus, „der Nuancen, Komplexität und eine starke Stimme von vielen verschiedenen Standpunkten aus“ auszudrücken vermag. Als Beispiel führt Bennet „Welcome to the New World“ an, die mit dem Pulitzer-Preis für politische Karikaturen ausgezeichnete Comic-Reportage über eine syrische Familie von Jake Halpern und Michael Sloan.

          Öffentlich wurde der Schritt der NYT jedoch erst durch Patrick Chappatte, neben Heng Kim Song langjähriger Karikaturist des Blattes. Er hatte auf Twitter geschrieben, er habe erfahren, dass die NYT „alle politischen Karikaturen abschaffe“. Es sei „das Ende eines Abenteuers, das vor zwanzig Jahren begonnen“ habe. Auf seinem Blog schrieb er: „Während meines gesamten Berufslebens wurde ich von der Überzeugung geleitet, dass die einzigartige Freiheit der Karikatur einen großen Sinn für Verantwortung voraussetzt.“ Er lege den Stift mit einem Seufzer nieder: „Es ist die Arbeit vieler Jahre, die nun von einem einzigen Cartoon – nicht mal meinem – vernichtet wird.“ Doch sei es, schreibt Chappatte, nicht nur die Schuld einer Karikatur. „Moralische Mobs“, die sich über die sozialen Medien formierten, verlangten nach sofortigen Maßnahmen, „ohne Raum zum Nachdenken oder sinnvolle Diskussionen“ zuzulassen. Karikaturen seien das erste Ziel der Kritik, weil sie eine verpackte Meinung transportierten, „eine visuelle Abkürzung“ mit einer unerreichten Fähigkeit, „den Geist zu berühren“. Das sei ihre „Stärke und ihr Schwachpunkt“. Und dennoch: „In einer verrückten Welt, in der wir leben, wird die Kunst, des visuellen Kommentars mehr gebraucht denn je. Und ebenso der Humor.“

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