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Die neue Chefin der Rai : Fast alle wählen Marinella Soldi

Beim Treffen des Rai-Vorstandes: Marinella Soldi Bild: Picture Alliance

Italiens öffentlich-recht­licher Rundfunk steht unter neuer Führung: In Rom wurde die Medienmanagerin Marinella Solid zur Intendantin der Rai gewählt.

          2 Min.

          Die neue Führung des öffentlich-recht­lichen Rundfunks in Italien für die kommenden drei Jahre steht. Der zuständige Ausschuss des Parlaments in Rom bestätigte am Mittwoch die gegenwärtige Vorsitzende der Vodafone-Stiftung und erfahrene Medienmanagerin Marinella Soldi als Intendantin der Rai. Neuer Vorstandsvorsitzender mit Verantwortung für das operative Geschäft wird Carlo Fuortes, zurzeit Intendant der Oper von Rom.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Soldi, 1966 in Valdarno bei Florenz geboren, wuchs in London auf, wohin sie im Alter von acht Jahren mit ihren Eltern gezogen war. An der London School of Economics und später in Frankreich studierte sie Wirtschaftswissenschaften. Ihre Karriere begann sie beim Beratungsunternehmen McKinsey. Später war sie als Managerin bei MTV und auch bei Discovery Channel tätig. Unter Soldis Führung als Verantwortliche für Südeuropa entwickelte sich Discovery zum drittgrößten Fernsehsender Italiens. 2018 zog sie sich aus dem Tagesgeschäft zurück und übernahm die Führung der Vodafone Stiftung.

          Fuortes, Jahrgang 1959, stammt aus Rom, wo er an der Universität „La Sapienza“ Wirtschaftswissenschaften studierte und sich später als Manager öffentlicher und privater Kultureinrichtungen, von Museen über Theater bis Film und Fernsehen, einen Namen machte. 2013 übernahm Fuortes die Intendanz der Oper von Rom. Sein Vertrag war zuletzt 2020 um weitere fünf Jahre verlängert worden.

          Unabhängige Fachleute statt Parteifunktionäre

          Soldi und Fuortes waren vom parteilosen Ministerpräsidenten Mario Draghi für die Führungsposten bei Rai nominiert worden. Ähnlich wie bei Schlüsselposten im Kabinett sind die wichtigen Personalien für Italiens Medienlandschaft ein Zeichen für das Bemühen des ehemaligen EZB-Chefs, unabhängige Fachleute statt Parteifunktionäre mit Führungsaufgaben zu betrauen.

          Gegen die Ernennung Soldis hatte es heftigen Widerstand von der postfaschistischen Partei „Brüder Italiens“ unter ­Giorgia Meloni gegeben. Melonis Partei ist die einzige Oppositionspartei von nennenswerter Größe im Parlament, alle anderen maßgeblichen Parteien unterstützen Draghis Koalition. Meloni fühlte sich von Draghi beim Nominierungsprozess übergangen. Obwohl die Abgeordneten und Senatoren der „Brüder Italiens“ die Abstimmung im gemischten Kontrollausschuss des Parlaments boykottierten, erhielt Soldi auf Anhieb die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Stimmen.

          Mit knapp 13 000 Angestellten und einem Anteil von fast 34 Prozent bei den täglichen Einschaltquoten ist die 1954 gegründete Rai bis heute ein politisch und wirtschaftlich bestimmender Faktor auf dem italienischen Radio- und Fernsehmarkt. Sie betreibt anderthalb Dutzend Fernseh- und zehn Radiosender, darunter Nachrichtensender, Sportkanäle und Kulturprogramme. Das Jahresbudget beträgt knapp 2,7 Milliarden Euro. Die Rundfunkgebühren von jährlich neunzig Euro pro Haushalt werden mit der Stromrechnung eingezogen und decken etwa 64 Prozent der Einnahmen, 25 Prozent kommen aus Werbeeinnahmen.

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