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TV-Serie „Stranger Things“ : So sahen die bösen Achtziger aus

Na warte, Freundchen: Joyce Byers (Winona Ryder) ist im Alien-Abwehrmodus. Bild: Netflix

Ein Junge verschwindet, und in einem Kaff in Indiana tut sich das Tor zur Hölle auf: Bei Netflix startet die Serie „Stranger Things“. Sie hat einen düsteren Retro-Look – und eine großartige Winona Ryder.

          Der junge Will macht sich allein auf den Weg nach Hause. Auf seinem Rad mit dem Bananensattel fährt er durch den Wald und sieht sich einer furchterregenden Gestalt gegenüber. Ihr Erscheinen im Nebel hat sich durch ein unangenehmes Geräusch angekündigt, wie wir es seit Ridley Scotts „Alien“ kennen. Und genau danach ist Wills Begegnung der dritten Art. Es ergeht ihm wie dem Wissenschaftler, den wir zuvor in einem Kellerlabor in wilder Panik vor einem gefährlichen Etwa haben flüchten sehen. Will Byers verschwindet spurlos.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dass der Junge, nachdem er bis zum Abend mit seinen Freunden Mike, Dustin und Lucas „Dungeons & Dragons“ gespielt hat, nicht einfach ausgebüxt ist, mag Polizeichef Hopper (David Harbour) Wills aufgelöster Mutter Joyce (Winona Ryder) zunächst nicht abnehmen. In neunundneunzig von hundert Fällen gebe es für so etwas einen banalen Grund. „Was ist mit dem einen Prozent“, fragt Joyce. Von dem einen Prozent hat in diesem speziellen Fall in dem verschlafenen Örtchen Hawkins in Indiana noch niemand eine Vorstellung. Wie sollten sie? Über die bunkerartige Regierungseinrichtung im Wald hat sich auch keiner Gedanken gemacht. Doch spätestens als das mit übernatürlichen Gedankenkräften ausgestattete Mädchen Eleven (Millie Brown) auftaucht, das aus dem Regierungs-Verließ geflohen ist, wissen wir: Hier nimmt das Böse seinen Anfang, hier ist das Tor zur Hölle respektive zu einer Unterwelt, die alles, was in Hawkings geschieht, spiegelt.

          Auch im sprachgeschädigten Deutschland ein Hit: Netflix-Serie Stranger Things.

          Das verstehen die Kinder als erste. Also machen sich Mike, Dustin und Lucas auf, ihren Freund Will zu suchen. Als nächste bekommen es die Jugendlichen mit - Wills älterer Bruder Jonathan (Charlie Heaton), der sich Vorwürfe macht, weil er am Abend von Wills Verschwinden nicht zu Hause war, und Mikes Schwester Nancy (Natalia Dyer). Chief Harbour indes, der zum Frühstück Whiskey und Zigaretten nimmt, schaltet zwar schnell, als er begreift, dass es hier um ein Verbrechen geht, mit dem Übernatürlichen aber hat er es nicht. Das Auftauchen des seltsamen Dr. Brenner (Matthew Modine) und seiner Schergen freilich macht jedem klar, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht.

          Das klingt nach einem Buch von Stephen King, verfilmt von Steven Spielberg oder John Carpenter. Und genauso ist die Serie „Stranger Things“ der Zwillingsbrüder Matt und Ross Duffer auch gemeint - als Hommage. Sie haben sich eine Geschichte im Geiste ihrer Vorbilder ausgedacht und siedeln sie zu einer Zeit an, die sie aus eigener Anschauung nicht kennen, die ihnen aber allen Raum gibt, Fantasy mit Horror und Nostalgie zu verbinden. „Stranger Things“ spielt im Jahr 1983, und typisch Achtziger ist hier alles: das Verhalten der Figuren, Etikette (es wird permanent geraucht), Mode, Farben, Möbel, Autos, der psychedelische Pop-Sound, der aus dem Autoradio oder dem Kassettenrecorder dringt. Für den Szenenbildner Chris Trujillo war das ein Fest und auch Shawn Levy, der neben Matt und Ross Duffer Regie führt, hat die Vorstellungswelt der Brüder gleich gepackt, obwohl er, wie er sagt, zunächst nicht mehr als ein popbuntes Skizzenbuch in Händen hielt. Dieses hat auch gereicht, den Onlinedienst Netflix davon zu überzeugen, die Serie in Auftrag zu geben.

          Das Ergebnis ist für Genre-Fans und Achtziger-Jahre-Schwärmer ein Hochgenuss. Wen das dann doch übersichtliche und bis ins Letzte berechenbare Setting nicht gleich in Ekstase versetzt, den mag das Wiedersehen mit Winona Ryder überzeugen. Sie allein ist das Eintrittsgeld wert. Furchtlos sei sie, sagt ihr Filmpartner David Harbour, und spiele eine Frau, die förmlich unter Strom stehe. Den leitet Harbour als Chief Hopper freilich kongenial ab, und in puncto Intensität stehen die Kinder-Darsteller Noah Schnapp, Finn Wolfhard, Gaten Matazarro und Caleb McLaughlin den Erwachsenen in nichts nach. So ist „Strangers Things“ eine der fulminanten Serien, von denen hiesige Sender häufig reden, die sie aber nicht so häufig haben. Mit einer zweiten Staffel ist nach dem furiosen Finale in Folge acht unbedingt zu rechnen.

          Zunächst ist er ratlos: Chief Hopper (David Harbour).

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