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Neue „Muppets“-Serie : Der Frosch hat Schwein

  • -Aktualisiert am

Sind kein Paar mehr: Kermit der Frosch und Miss Piggy. Bild: Pro Sieben

Die „Muppets“ sind wieder da. Pro Sieben zeigt die neue Serie, die angeblich nicht jugendfrei ist. Doch was heißt das schon?

          Zehn Minuten sollen angeblich gereicht haben, um den amerikanischen Sender ABC, der zu Walt Disney gehört, 2015 zur Rückkehr der „Muppets“ auf den Fernsehbildschirm zu bewegen. Zumindest wird das so erzählt. Und auch die Besucher der Messe „Comic-Con“ in San Diego, auf der die Produzenten für ihr Vorhaben warben, waren nach dem zehnminütigen Test-Filmchen ganz aus dem Häuschen.

          Entsprechend groß waren die Erwartungen. Dass sie nicht erfüllt würden, vermutete allein die ultrakonservative Website „One Million Moms“. Sie fand es bedenklich, dass Kermit der Frosch von „einer Art ,Muppet Show’ für Erwachsene“ gesprochen hatte, und verrannte sich in der Vorstellung, Jim Hensons Muppets der Siebziger seien unschuldiges Familienfernsehen gewesen.

          Das ist nichts für Kinder

          In einer verschärften Variante des anti-liberalen Furors, mit dem Amerikas Rechte 2011 schon den Kinofilm „Die Muppets“ überzogen hatte, erinnert die Website daran, dass sich Miss Piggy in einem Interview auf die Seite der Feministinnen und Abtreibungsbefürworter schlug („I am pro – I am pro everything“): Man möge protestieren, sich auf Themen wie Drogen, Sex und Promiskuität einstellen und die Kinder rechtzeitig vorm Fernseher wegreißen.

          Und das sind die Autoren der Show in der Show: Gonzo und Fozzie Bär.

          Die sechzehn neuen Folgen der „Muppets“, die bei Pro Sieben laufen, richten sich zwar tatsächlich eher an Erwachsene denn an Kinder. Aber das Ganze ist harmlos, so harmlos sogar, dass der fehlende Biss womöglich die Absetzung der Serie nach der ersten Staffel erklärt.

          Die Grundidee hat ihren Charme: Ganz im Stil einer fiktionalen Dokumentation, der komödiantische Serien wie „The Office“ oder „Stromberg“ groß gemacht hat, erzählen die neuen Muppets vom Innenleben einer Late-Night-Show namens „Up Late with Miss Piggy“, die das zeitgemäße Pendant zum Varieté der Siebziger ist. Produziert wird diese Show von Kermit dem Frosch, geschrieben wird sie von Gonzo, Rizzo und Pepe, „The Electric Mayhem“ besorgt die Musik, und wenn es knallt, steckt Dr. Honigtau Bunsenbrenner dahinte. Alle sind da, die man sucht. Als Piggys Gäste treten Stars in Erscheinung wie Reese Witherspoon, Willie Nelson oder Jack White, den Anfang macht Elizabeth Banks aus „Die Tribute von Panem“.

          Die erste Episode entwickelt nur wenig von der Wärme, die den 120 Folgen der klassischen „Muppet Show“ und den besseren Muppet-Kinofilmen wie der „Weihnachtsgeschichte“ aus dem Jahr 1992 oder der „Schatzinsel“ von 1996 zu eigen war. Die betont realistische Hollywood-Kulisse, in der sich die Puppen bewegen, ist daran nicht schuld, sondern ein misslungener Schachzug der Story: Die Auftaktfolge (die im Original „Pig Girls don’t cry“ heißt, im Deutschen geht der Wortwitz verloren: „Der verhasste Gast“) handelt von der Trennung von Kermit und Piggy. Da ist der Ofen gleich aus, die Grundstimmung ist niedergeschlagen und müde statt fröhlich und frech, und das brünette Marketing-Schweinchen Denise, das sich Kermit angelacht hat, ist im Vergleich mit anderen Figuren des Muppet-Universums ein Witz, nur eben kein guter.

          Ob die Serie, die in Amerika überraschend geringe Einschaltquoten erreichte, trotzdem in Schwung kommt? Als Branchenparodie sind die Muppets ganz nett, mehr aber auch nicht. Doch geben die Muppet-Fans in den Vereinigten Staaten die Hoffnung nicht auf, ein anderer Sender oder Streaming-Dienst könne die „Muppets“ fortsetzen.

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