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Internetkonzerne : Die Rückkehr des Feudalismus

  • -Aktualisiert am

Wer gibt hier wem eine Audienz? Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit Barak Obama im Juni. Bild: Bloomberg

Weil sie allein Zugang zu unseren Daten haben, können große Technologiekonzerne jedem ihre Bedingungen diktieren - sogar dem Staat.

          Alle Internetunternehmen verärgern gelegentlich, das ist kaum zu vermeiden, zumindest einige ihrer Nutzer. Facebook allerdings ist eine Klasse für sich: Neulich ist es dem Dienst gelungen, sich ganz Norwegen zum Feind zu machen. Zuerst verbot er Tom Egeland, einem norwegischen Schriftsteller, ein weltberühmtes Foto aus dem Vietnamkrieg zu posten; es zeigte für Facebooks Geschmack ein zu nacktes Kind. Daraufhin eskalierte der Konflikt ziemlich schnell, als sowohl „Aftenposten“, die größte Zeitung des Landes, als auch Erna Solberg, die Premierministerin, die das Foto aus Solidarität erneut posteten, das gleiche Schicksal ereilte.

          So konnte das nicht stehenbleiben: Facebook sah sich schließlich gezwungen, sich zu entschuldigen. Geschäftsführerin Sheryl Sandberg schrieb einen Brief an die norwegische Premierministerin, in dem sie allerdings nicht zugab, dass die häufigen Fehlinterpretationen irgendetwas mit Facebooks Unternehmenskultur oder seiner Grundhaltung zu tun haben; stattdessen machte Sandberg es sich leicht und gab dem enormen redaktionellen Aufwand die Schuld.

          Technologiekonzerne legen die Bedingungen der Zukunft fest

          Der Streit zwischen Facebook und Norwegen wirft ein paar beunruhigende Fragen auf: über die Meinungsfreiheit, die Unverantwortlichkeit der Gatekeeper der Neuen Medien und das Fehlen rechtsstaatlicher Prinzipien im „vernetzten öffentlichen Raum“, wie einige Technologie-Enthusiasten das nennen. Das alles sind wichtige Themen, aber wir sollten dabei ein viel gefährlicheres Problem nicht aus den Augen verlieren: die rapide schrumpfende Fähigkeit des Staates, ein Minimum an technologischer Unabhängigkeit zu wahren - jene besondere Art der Souveränität, ohne die alle anderen Arten der Souveränität, seien sie ökonomische oder politische, ihre Bedeutung verlieren.

          Sicher, wir müssen alle kulturellen Faktoren hinter diesem Chaos berücksichtigen: den sozialen Autismus, den Technologieunternehmen vortäuschen, ihre unerträgliche Arroganz, die sich mit kurzsichtiger und libertärer Politik mischt, ihr freiwilliges Exil ins Land, in dem die Geschichte zu Ende ist (wenn sie jemals begonnen hat). Aber wir müssen uns auch der Frage widmen, welche Art von politischer, ökonomischer und sozialer Zukunft in einer Welt möglich ist, in der die Bedingungen dieser Zukunft nicht mehr von Nationalstaaten, sondern von Technologiekonzernen festgelegt werden.

          Die fatalen Folgen unserer zunehmenden medialen Abhängigkeit von Facebook sind inzwischen offensichtlich: Als profitorientiertes Unternehmen, das es ausdrücklich von sich weist, Teil der Medienindustrie zu sein, will sich Facebook nicht damit aufhalten, Konflikte über Inhalte mit zweifelhaftem Wert für die Öffentlichkeit zu klären - nicht zuletzt deshalb, weil das zu viel kosten würde. Stattdessen geht es, wie Norwegen herausfinden musste, mit einem Satz strikter Regeln vor, die es auf ziemlich lineare Weise anwendet - vor allem weil es mit den lächerlichsten (und kostensparendsten) Interpretationen dieser Regeln davonkommt.

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