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Die letzte Staffel von „Türkisch für Anfänger“ : Eine preisgekrönte Serie ohne Erfolg

  • -Aktualisiert am

Ein Kritikererfolg: das deutsch-türkische Familienintegrationsexperiment im Ersten läuft in die letzte Staffel Bild: ARD/Richard HŸbner

Die Serie „Türkisch für Anfänger“ wird von den Kritikern geliebt, die Zuschauer sind zurückhaltend. Trotzdem könnte es nach der letzten Staffel sogar einen Kinofilm geben.

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          Es ist selten, dass Fernsehmacher live erleben, was sie mit ihren Serien oder Filmen beim Publikum anrichten. Ihr Erfolg wird morgens um zehn Uhr im stillen Kämmerlein ermittelt, wenn die Gesellschaft für Konsumforschung die Einschaltquoten vom Vortag ausgibt. Diese Quoten waren für Bettina Reitz, Film- und Serienchefin des BR und damit zuständig für die Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“, eher frustrierend. Die intelligent und witzig erzählten Geschichten der Berliner Patchworkfamilie Ötztürk-Schneider waren „kein Erfolg im klassischen Sinn“ ,wie der ARD-Medienforscher Stefan Gee- se vorsichtig sagt, doch habe „die ARD selten so viele junge Zuschauer“.

          „Ich habe für diese Serie gekämpft“

          Im Klartext: Die zweite Staffel im Frühjahr 2007 wollten nur 6,9 Prozent aller Zuschauer sehen, dafür aber 11,8 Prozent der Vierzehn- bis Neunundzwanzigjährigen. Zu wenig für eine Fortsetzung und doch gibt es eine dritte Staffel, die von heute an läuft. Es wird die letzte Staffel sein. Wenn, dann denke man an einen Kinofilm als Schlusspunkt.

          Wie sich das anfühlt, wenn das Publikum die Ötztürk-Schneiders im Kino beklatscht, konnte Bettina Reitz am Rande der Frankfurter Buchmesse erleben. Dort zeigte sie drei Folgen am Stück – und das Publikum wollte nicht gehen: „In solchen Augenblicken weiß ich, warum ich für diese Serie gekämpft habe.“

          Es gab Fernsehpreise haufenweise

          Wahrscheinlich wäre der Kampf erfolglos geblieben, hätten nicht die Fernsehkritiker Schützenhilfe geleistet. 2006 gab es den Deutschen Fernsehpreis für die Beste Serie, die Nymphe d’Or in Monte Carlo, den Prix Italia, dazu 2007 den Grimme-Preis und den Civis-Medienpreis. Dieses Jahr kam der Rockie Award im kanadischen Banff hinzu. Die von Bora Dagtekin entwickelte und von Hofmann & Voges produzierte Serie ist wohl die höchstdekorierte erfolglose Serie, die das deutsche Fernsehen je hatte.

          Dabei sind auch seine Protagonisten erwachsen geworden. Aus der in der ersten Staffel pubertierenden Lena (Josefine Preuß), die demonstrativ ihre „Bibi Blocksberg“-Bettwäsche in die Mülltonne stopfte, ist eine Abiturientin geworden, die Maschinenbau studiert, ihr türkischer Freund Cem (Elyas M’Barek) wäre gern ein cooler Rapper in den Straßen von Berlin. Die Redaktion brütet unterdessen, wie die neue tägliche Serie aussehen soll, die der ARD endlich Erfolg auf dem intern „U3“ genannten Unglückssendeplatz um 18.50 Uhr bringt. Der Arbeitstitel „Biggy – Made in Germany“ klingt nicht nach Grimme-Preis, vielleicht aber nach einem Erfolg beim Publikum.

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