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Kultur im Fernsehen : Oberhirten

  • -Aktualisiert am

Er liest, verteilt Noten und verreißt: Denis Scheck, der „Literaturpapst“ der ARD, hier bei der Aufzeichnung seiner Sendung „druckfrisch“ auf der digital verkürzten Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr. Bild: Frank Röth

Die Päpste des Kulturfernsehens verlieren an Deutungsmacht, auch wenn sie laut sind. Wie man es richtig macht, zeigt ausgerechnet das Kinderprogramm.

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          „Wir sind an einem toten Punkt angekommen.“ Mit diesem Satz begründete Kardinal Marx sein Rücktrittsgesuch. Es ist der wichtigste Satz des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts. Aber der Papst sagt einfach: Nehme ich nicht an.

          Es ist allerdings so eine Sache mit den Päpsten. In der Kultur hatten wir einen sogenannten Literaturpapst. Von vielen hochgeschätzt, hochverehrt und doch zugleich immer mal wieder beschimpft. Längst hat eine Frau die von ihm erfundene Fernsehsendung übernommen.

          Aber es ist eben so eine Sache mit den Päpsten und Päpstinnen. Da Kultur im Fernsehen jedoch nur noch zu später, sehr später Stunde für die Schlaflosen stattfindet, muss man sich mit diesen Büchertalks nicht beschäftigen. Nur dem Herrn, der sich, wenn schon nicht als Papst, so doch zumindest als Oberhirte der Literatur geriert, möchte man einen Rat geben: wenn schon die von ihm nicht geschätzten druckfrischen Bücher übers Band in eine Müll- oder Papiertonne exportiert werden, dann wäre es doch das viel eindrucksvollere Fernsehbild, wenn schön lodernde Flammen diesen Mist vernichteten.

          Was die Kultur betrifft, so verdient aber das Kinderfernsehen „Check Eins“ ein Lob. Da wird den Kindern Natur und Kultur gleichermaßen vermittelt. Denn welches Kind vergisst den Namen „Hölderlin“, wenn ein entzückendes Wildschwein bei diesem Namen gerufen wird. Hölderlin!, da schaut man nach und entdeckt einen Dichter, den man zwar nicht versteht, aber dessen Namen sich für immer einprägt. Und wir wissen, wie wichtig diese frühen Prägungen für unser Leben sind. Selbstredend ist fürderhin darauf zu achten, dass die Benamsung geschlechtergerecht erfolgt (zum Beispiel „Hölderline“). Das wenigstens muss auch der Papst befürworten.

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