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„Scott & Huutsch“ bei Disney : Auf sie mit Gebell

  • -Aktualisiert am

Dreimal darf man raten, wer hier wem die Schau stiehlt: Josh Peck mit Vierbeiner Bild: Disney

Pfoten hoch: Disney+ legt die Polizeihund-Komödie „Scott & Huutsch“ als Serie neu auf. Tempo, Humor und eine entfesselte Kameraführung machen sie zur gelungenen Familienunterhaltung.

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          Auch im befellten Paralleluniversum ist 1989 ein Wendejahr. Waren im öffentlichen Hundfunk wie im wuscheligen Hollywood-Kyno bis dahin (und auch später wieder) zum Fressen niedliche Mischlinge („Benji“), gepflegt langhaarige Collies („Lassie“), edle Bernhardiner („Barry“, „George“) oder, sofern im Polizeidienst, stramme Deutsche Schäferhunde („The Pursuers“, „Harras, der Polizeihund“, bald auch „Kommissar Rex“) gefragt, so hatte es Touchstone Pictures damals gewagt, dem bis zu diesem Zeitpunkt auf Flapskomödien abonnierten Tom Hanks in der Rolle des sauberkeitsfanatischen Polizisten Scott Turner eine Kreatur an die Seite zu stellen, die nicht nur aussah (und sich bewegte) wie eine Kreuzung aus Nilpferd, Hooligan und verunfalltem Kleinlaster, sondern auch noch dermaßen sabberte, dass der halbe Film allein aus in Hundespeichel getauchten, mit lustigen Grimassen ausgespielten Ekelszenen bestand.

          Inhaltlich passierte dabei das, was in allen Hunde-Polizeifilmen passiert (parallel etwa auch in „Mein Partner mit der kalten Schnauze“): Bulle und Köter machen einander das Leben schwer, wachsen aber zu treuen Gefährten zusammen, zumal der Hund jeden menschlichen Partner darin übertrifft, Schurken aufzuspüren und zu apportieren.

          Natürlich wieder eine mordsschlaue Bordeauxdogge

          Tatsächlich führen Bordeauxdoggen die Sabberrangliste an, weshalb in Hundeforen wie „dogaktuell“ Freunden dieser als besonders stoisch geltenden Fellnasenvariante mit zerknautschtem Gesicht und undichtem Lippenschluss – was eben so passiert, wenn man vom perfekten Prototypen (Wolf) aus abwärts züchtet – geraten wird, gar nicht erst zu versuchen, die unzähligen Speichelpfützen zu beseitigen, sondern lieber rutschfestes Schuhwerk und Regenkleidung zu tragen.

          Die jetzt startende Disney-Neuauflage von „Scott & Huutsch“, gleich wieder einmal als Serienformat, schließt nicht nur inhaltlich an den Film von 1989 an – der so ehrgeizige und ordnungsliebende wie verklemmte und im Job übergangene U.S. Marshal Scott Turner junior (Josh Peck), dessen Schlafzimmer deckungsgleich aussieht wie das, in dem Tom Hanks schlief (tiefenpsychologisch vielleicht bedenklich), erbt von seinem jüngst verstorbenen Vater einen neuen Huutsch, der natürlich wieder eine mordsschlaue Bordeauxdogge ist; einige Altdarsteller wie Reginald VelJohnson treten in Gastrollen auf –, sondern teilt auch dessen feuchten Lefzenhumor. Es gibt kaum eine Szene, in der der quadrupede Star der Serie, ein Dickkopf in jedem Sinne, nicht Speichelmassen über Hände, Gesichter, Donuts und Einrichtungsgegenstände verteilte („a fountain of spit“, nennt das Scotts Neffe begeistert), was sein neues Herrchen nach kurzer Eingewöhnungszeit aber gar nicht mehr sonderlich stört.

          Löst alle Fälle mehr oder weniger im Alleingang

          Genervt ist Scott allerdings davon, dass sein neuer Kollege (Huutsch wird tatsächlich Polizeihund; die beiden bilden eine „K-9“-Einheit) es darauf angelegt zu haben scheint, ihn zu blamieren, denn ein ums andere Mal führt eine erschnüffelte Spur scheinbar ins Leere, während der tapsige Koloss ansonsten die halbe Dienststelle zerlegt und dem Vorgesetzten, ein Running Gag, die Hose zerkaut – das alles sehr zum Amüsement des breitbrüstigen Klischee-Marshals Trent (Matt Hamilton) und seines sonnenbebrillten Checker-Teams, um dessen Anerkennung Scott buhlt.

          Meist bleibt er jedoch mit der schwangeren, scharfzüngigen Kollegin Jessica (Carra Patterson) und einem verstrahlten Sonderling (Brandon Jay McLaren) zurück. Natürlich löst er dank Huutsch dennoch alle Fälle mehr oder weniger im Alleingang, was den Ego-Shooter Trent zwar eigentlich düpiert dastehen lässt, von diesem aber so wenig bemerkt wird wie die Annäherungsversuche der niedlichen Hundetrainerin (Vanessa Lengies) von Scott, der stattdessen einer bald auftauchenden Ex-Freundin nachtrauert.

          Tempo, Timing, Humor und entfesselte Kameraführung

          Matt Nix hat sich diese durchweg knuffig gespielte Komödienadaption ausgedacht, wechselnde Regisseure verleihen ihr eine mondäne, farbintensive Los-Angeles-Aura, wobei beeindruckende Stadtaufnahmen (gern aus der Luft) mit aufwendigen Verfolgungs- und Actionszenen wechseln. Selbst größte Hundefans werden zugeben, dass sich die Varianz der Huutsch-Szenen (trotz fünf halbwegs identisch aussehender Darsteller) in Grenzen hält: immer wieder Zeitlupenaufnahmen des im Dinosauriergalopp heranstürmenden Brockens, der aufschreiende Erzganoven, die gern wie früher mit russischem Akzent sprechen, anspringt, umwirft und den Besiegten das Gesicht ableckt. Auf sie mit Gebell! Viel größer ist die Varianz vieler „Tatort“-Handlungen freilich auch nicht.

          Hier und da hat man zudem versucht, für etwas Abwechslung zu sorgen, so in der Folge, in der Huutsch, der das Ablenkungsmanöver einer Juwelendiebin offenbar gleich durchschaut hat, unter Trents Gelächter in einem Tierbedarfsladen ein Hundespielzeug entwendet: einen roten Hering, auf dem er Tag und Nacht herumquietscht, bis auch dem begriffsstutzigen Scott aufgeht, dass das etwas zu bedeuten hat. Parallel zu den Episodenhandlungen nimmt Scott gemeinsam mit seiner Schwester Laura (Lyndsy Fonseca) Privatermittlungen im Zusammenhang mit hinterlassenen Unterlagen des Vaters auf. Der habe zwar nach seiner Meisterleistung von 1989 nur noch Kleinstdelikte verfolgt, heißt es frech, war aber insgeheim wohl doch einer großen Verschwörung auf der Spur. Auch wenn einem dieser Plot eher ein „Wuff“ als ein „Wow“ entlockt, machen Tempo, Timing, Humor und entfesselte Kameraführung aus der Serie gelungene Familienunterhaltung.

          Scott & Huutsch ist ab heute, wöchentlich eine neue Folge, bei Disney+ zu sehen.

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