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„Leichtmatrosen“ in der ARD : Schöner kentern

  • -Aktualisiert am

„Arrr“ - alles klar zum Entern: Werner (Michael Gaedt, stehend im Schlauchboot) holt zum entscheidenden Schlag gegen Henner (Stephan Szasz, auf dem Hausboot links), Finke (Golo Euler, rechts) und vor allem Simon (Gabriel Merz, auf dem Hausboot Mitte) aus. Bild: SWR/Flare Film/Hardy Spitz

Im ARD-Film „Leichtmatrosen“ schippert ein Männertrio über die Müritz. Die Komödie nach dem gleichnamigen Roman von Tom Liehr läuft trotz aller Leichtigkeit auf Grund.

          Die Müritz im Nordosten der Republik, die mancher als größten See Deutschlands bezeichnet, weil an den Bodensee im Süden nun einmal auch die Schweiz und Österreich grenzen, ist nicht sonderlich tief. Aber die sechs Meter Tiefe, die sie im Durchschnitt aufweist, sind sowohl zum Segeln wie zum Kentern genug – je nachdem, wie man es anstellt.

          Der Film „Drei Mann in einem Boot“, der sich an Tom Liehrs Roman „Leichtmatrosen“ anlehnt und auf der Müritz gedreht wurde (Regie Stefan Hering, Buch Silja Clemens), läuft in seichten Gewässern allerdings auf Grund.

          Seine Handlung folgt einem milchbübigen, aber durchaus erziehungsberechtigen Schwaben namens Patrick (Golo Euler), den eine unerwartete Nachricht ereilt: Seine Freundin, die Sängerin Cora, bringt von einem Arztbesuch eine verheißungsvolle Ultraschall-Aufnahme mit. Sie ist schwanger. Das durchkreuzt Patricks Lebenspläne und die Urlaubsplanung für die kommende Woche. Patrick reagiert dumpfdämlich. Er pocht auf die vereinbarte Kinderlosigkeit und hält offenbar eine Abtreibung für eine Option. Cora (Susanne Bormann), mit der er eine „romantische Hausbootreise“ auf der Müritz unternehmen wollte, sucht das Weite. Allein ihre Goldfische bleiben zurück.

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          Auf die Reise will Patrick nicht verzichten. Er überredet er zwei Bekannte, ihn zu begleiten: Der übervorsichtige Henner (Stephan Szász), ist Familienvater und Pfarrer, was sich mit Blick auf Patricks inneren Konflikt trotz der Glaubenskrise Henners noch als nützlich erweist. Der andere ist der Fliesenleger Simon (Gabriel Merz), ein bis zur Unverständlichkeit Schwäbisch brabbelnder Aufreißer, der widerwillig einen Familienbetrieb übernahm, ein Handy-Orchester besitzt und von finster dreinblickenden Motorrad-Rockern verfolgt wird.

          Die drei sind keine Freunde und haben keine Erfahrung als Bootsführer. Sie haben nur eine beachtliche Kleidersammlung mit Marinemotiven und, wenn es hochkommt, ihren Melville gelesen. „Den Kahn hat noch keiner versenkt“, sagt die Bootsverleiherin. Aber das kann ja noch werden.

          Die Männer gelangen nicht bloß auf die pittoresk in der Sommersonne funkelnde Müritz, sie finden vielmehr zu sich selbst. Ihr Motto „Auf dem Boot bleibt auf dem Boot“, ein Echo auf das „What happens in Vegas, stays in Vegas“ aus der Hollywood-Komödie „Hangover“, gilt, erst recht wenn die Herren sich gegenseitig ihr Herz ausschütten. So lustig wie das Junggesellenabschieds-Abenteuer „Hangover“ ist die Bootstour allerdings nicht, es darf nie zu wüst zugehen, und sie wird sich auch kaum ins Gedächtnis einhaken wie die charmante Rhein-Tour, die Walter Giller, Heinz Erhardt und Hans-Joachim Kuhlenkampff 1961 (inspiriert von einem britischen Flussfilm, der wiederum auf einem Roman von 1889 basierte) unter dem Titel „Drei Mann in einem Boot“ unternahmen.

          Oder lacht jemand über langhaarige Rocker in Schlauchbooten, unfreiwillige Schwimmeinlagen, ungehemmt feiernde Pastoren und ein Boot, das von einer bierseligen Truppe „Tusse“ statt „Dahme“ getauft wird? Dass Patrick, der sich nie ein eigenes Kind vorstellen mochte, im Zuge der tourismusfördernd in Szene gesetzten Reise durch blühende Landschaften ein Licht aufgeht, versteht sich von selbst.

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