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Kampagne gegen freien Reporter : Wenn die Nachrichten nicht gefallen

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Als am 19. Dezember 2016 das Attentat auf dem Breitscheidplatz in Berlin geschah, war Pertti Rönkkö für den finnischen Rundfunk YLE auf Sendung. Die Kampagne gegen ihn war bereits im Gange. Im Januar 2017 hieß es erstmals: „Rönkkö muss weg“. Bild: YLE/Screenshot F.A.Z.

Auch in Finnland führt gezielter Meinungsterror zur Einschränkung akademischer und journalistischer Freiheit. Der freie Journalist Pertti Rönkkö bekam das zu spüren.

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          Die Techniken einer gezielten Reputationszerstörung durch den Einsatz sozialer Medien sind kein Privileg der angelsächsischen Welt oder Mitteleuropas. Auch Finnland liefert jetzt imposante Beispiele seiner Lernfähigkeit. Die dortige Wochenzeitschrift „Suomen Kuvalehti“ berichtete schon im Dezember von den Sorgen und Qualen der Hochschullehrer an der Theater- und Kunstakademie in Helsinki. Sie seien von Studenten beschuldigt worden, man habe sie durch die Lektüre von Shakespeares „Romeo und Julia“ unvermittelt der Darstellung von Gewalt ausgesetzt. Auch hätten die Studenten gefordert, die Professoren müssten im Nachdenken über Kolonialismus und Dekolonialismus geschult werden, damit sich ihres eigenen Eurozentrismus bewusst würden. Schutzräume wie in den Vereinigten Staaten – wo Universitäten bereits Kabinette mit Seifenblasen, Tiervideos und Kuschelkissen eingerichtet haben, um Studenten Erholung zu bieten von der traumatischen Erfahrung, Menschen anderer Zeiten und anderer Meinungen ausgesetzt worden zu sein – gibt es in Finnland noch nicht. Aber auch dort, wo man bis heute stolz ist, auf internationalen Ranglisten der Pressefreiheit stets vordere Plätze zu belegen, schlagen jetzt die Wogen neuer Meinungskriege hoch.

          Der in Berlin lebende finnische Journalist Pertti Rönkkö betreibt seit Jahren neben seiner freiberuflichen Arbeit für verschiedene Medien in Finnland eine private finnische Seite auf Facebook unter dem Titel „Beobachtungen aus Deutschland“. Dort verlinkt er ein ziemlich breites Spektrum von Artikeln und moderiert sie durch kurze eigene Texte. Die Frequenz seiner Veröffentlichungen ist hoch, doch der Ton seiner sprachlichen Einbettung distanziert. Er bemüht sich um Ausgewogenheit. Überregionale und lokale, seriöse und boulevardeske Medien kommen in fast systematischem Takt vor. Für finnische Leser ist diese Medienschau sehr ergiebig. Sie funktioniert wie ein tagesaktueller Monitor des Lebens in Deutschland und wird von den Finnen viel gelesen. Die einheimischen Medien könnten das gar nicht leisten.

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