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ARD-Krimi „Die Informantin“ : Perfekte Liebesfalle

  • -Aktualisiert am

Sie zieht wieder los: Aylin Tezel als V-Frau undercover. Bild: ARD Degeto/Conny Klein

Der V-Frau Aylin widersteht niemand. Sie nimmt jedes Risiko in Kauf und treibt ihren Führungsbeamten in den Wahnsinn: Aylin Tezel ist in dem ARD-Krimi „Die Informantin“ eine Wucht.

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          5,5 Millionen Zuschauer schalteten 2016 den Thriller „Die Informantin“ mit Aylin Tezel in der Hauptrolle einer jungen Trickbetrügerin, die vom LKA als verdeckte Ermittlerin geführt wird, ein. Auf dem zunehmend fragmentierten Spielfeld von Sendern und Streaminganbietern ist das eine Quote zum Freuen, und für die ARD gleichermaßen Grund genug, mit „Die Informantin – Der Fall Lissabon“ nun einen Nachfolgefilm hinterherzuschieben. Also tritt Aylin (Aylin Tezel), die inzwischen im Zeugenschutzprogramm in Wien lebt, Jura studiert und offenbar auch dort die Nacht zum Tag macht, ein weiteres Mal als Mata Hari an, um mit ihren unüblichen Methoden und ihrem scharfen Verstand Oberschurken, deren schwache Seite weibliche Reize sind, zur Strecke zu bringen. Gefährliche erotische Nähe entwickelt sie wieder zu Jan (Ken Duken), ihrem Führungsbeamten, was seine Vorgesetzte, die taffe LKA-Chefin Hannah (Suzanne von Borsody), die bald auch seine Ex-Schwiegermutter sein wird, in Rage bringt. So weit wie gehabt.

          In „Der Fall Lissabon“ steht die Anwaltskanzlei des Berliner Polit-Promi-Verteidigers Engelhardt (Stefan Kurt) im Mittelpunkt. Schon einmal hat Hannah hier mit Kompagnon Wagner (Rainer Sellien) einen Maulwurf eingeschleust. Engelhardt, ein lupenreiner Verbrecher mit weißer Weste, steht im Verdacht, im großen Maßstab Geld für Terrororganisationen zu waschen, und hat ein Verhältnis mit seines Partners Frau Eva (Nina Kronjäger). Während in der Oper Dramatisches mit Medea-Anspielung gegeben wird – gerade sind auf der Bühne die Kinder umgebracht worden, was als mehr oder minder subtile Anspielung auf die Fernsehfilmhandlung gewertet werden darf –, stirbt Wagner einen unrühmlichen Tod auf der Theatertoilette. Nach diesem katastrophalen Fehlschlag der Polizei soll es Aylin richten. Hannah hat sie nach Berlin zurückgelockt, trickst sie in eine schwierige Rechtsposition hinein und erpresst sie mit dem Bruch des Kontaktverbots zur Schwester Elif (Pegah Ferydoni) und deren Tochter Su (Carla Demmin).

          Geplant ist eine Liebesfalle. Neue Identität, zufällige Begegnung mit Engelhardts Sohn, dem Jurajungprofessor Alex (Franz Dinda), Anstellung als Überflieger-Anwältin in der Kanzlei, Zeugin der geplanten Zusammenkunft mit dem brandgefährlichen Tarek (Murat Seven), so der Plan. Nicht zu vergessen die Überführung des großen Unbekannten mit Tarnnamen „Lissabon“, der das LKA immer wieder mit Hinweisen über Engelhardts unstandesgemäße Praktiken versorgt. Je näher sich Aylin mit Alex einlässt, umso rasender wird Jan, der ein von Hannah geplantes Himmelfahrtskommando ahnt. Aylin aber fühlt sich als One-Woman-Show in ihrem Element und schlägt jede Warnung in den Berliner Wind.

          Solche Thriller in Stieg-Larsson-Manier gibt es häufiger, und Aylin Tezel erinnert nicht wenig an Noomi Rapace als Lisbeth Salander, sie bewegt sich sogar ähnlich. Die Talente ihrer Figur als Hackerin mögen zwar bescheiden sein, aber ihre Fähigkeiten als Männerentwaffnerin sind beträchtlich. Und obwohl man nicht nach Logik frage, besonders in der Stringenz der zeitlichen Abläufe und Einzelmotivationen, gilt auch für „Der Fall Lissabon“ selbst: Widerstand zwecklos.

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