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Die Grünen, Pädophilie und die „taz“ : Das Exempel

Hätte Christian Füllers Artikel auch in der „taz“ erscheinen können? In dieser Form wurde ein Text des Autors zum Thema am 15. September in der F.A.S. veröffentlicht (Volltext siehe Link) Bild: F.A.S.

Inzwischen macht auch die „taz“ die Grünen und deren frühere Verbindung zur Pädophilen-Szene groß zum Thema. Ihren Autor aber, der die Sache seit Jahren energisch verfolgt, stellt sie kalt.

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          Als die „taz“ jetzt mit dem neuesten Zwischenbericht der Untersuchung um die Ecke kam, welche die Politologen Franz Walter und Stephan Klecha zu den Grünen und deren früheren Verbindungen zur Pädophilen-Szene im Auftrag der Partei führen, durfte man sich wundern. Schließlich hatte dieselbe „taz“ das Kapitel in einem emphatischen Artikel einige Wochen zuvor schon als erledigt bezeichnet. „Aufgeklärt!“ hieß es da. Verstehen konnte man das auch als Aufforderung: Schwamm drüber!

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Doch hat die „taz“ einen Redakteur, dem bei dieser Geschichte ganz und gar nicht nach Schluss-Strich ist. Christian Füller arbeitet sich seit Jahren an der Geschichte ab, er zählt zu den wenigen, die das seltsam betretene Schweigen zum Stichwort Grüne und Pädophile aufgebrochen haben. (Auch diese Zeitung, insbesondere die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat es immer wieder auf die Agenda gesetzt.) Jetzt ist es sogar im Fernsehen angekommen, und man merkt manchen Berichten die Verwunderung an. Wieso jetzt? Wieso Jürgen Trittin? Ist das Wahlkampf? Man darf es der „taz“ schon positiv anrechnen, dass sie den neuesten Walter-Report dazu veröffentlicht hat. Darin wird die Geschichte einer engen Verflechtung zwischen Grünen und Pädophilen in den achtziger Jahren beschrieben, zuvor war davon in dieser Zeitung und im „Spiegel“ zu lesen.

          Jenseits einer journalistischen Schallmauer

          Freilich wird man den Eindruck nicht los, dass hier erst eine journalistische Schallmauer durchbrochen, eine Schweigespirale geknickt werden musste. Und da kommt wieder der Journalist Christian Füller ins Spiel. Er zählt zu jener raren Spezies zäher Rechercheure, die von einer Sache, von der sie überzeugt sind, nicht lassen, auch wenn es dem Mainstream nicht en vogue zu sein scheint. Von ihm sollte Ende August ein Artikel in der „taz“ erscheinen, dessen Thesen sich seither Tag für Tag bestätigen, vor allem jene, dass die Grünen „sich inmitten ihrer moralischen und programmatischen Kernschmelze“ befänden.

          Dass diese „Kernschmelze“ ausgerechnet bei Jürgen Trittin ansetzt, erscheint etwas disparat – er zeichnete 1981 presserechtlich für ein Göttinger Kommunalwahlprogramm verantwortlich, in dem gefordert wurde, Sex zwischen Erwachsenen und Kindern straffrei zu stellen. Es gibt andere Figuren, die in diesem Zusammenhang eine viel wichtigere Rolle spielten, an der Schnittstelle zwischen den Grünen und den Pädophilen, aber auch zwischen den Letztgenannten und der „taz“. Nachlesen kann man das zum Beispiel in einem Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 23. Januar 2011. Dort geht es um Dietrich Willier, der an der Odenwaldschule Kinder missbrauchte und später zu den Gründern der „taz“ zählte. Auch an Daniel Cohn-Bendit müsste man erinnern und an dessen – angeblich fiktive – Schilderungen über Intimitäten mit Kindern.

          Die Grünen und die Moral

          Die Grünen lassen all das zwar jetzt untersuchen, aber die Kurve hätten sie längst kriegen müssen, vor allem mit Blick auf die Opfer. Um die kann sich nämlich – was auch in der „taz“ inzwischen thematisiert wurde – der Politologe Walter mit seiner Untersuchung gar nicht kümmern. Opfer aber hat die perverse alternative Pseudopädagogik zuhauf gefordert, allein an der Odenwaldschule werden sie nach mehreren Dutzend gezählt. Dieses Kapitel moralischer Verantwortung, das sie von der Katholischen Kirche immer wieder fleißig eingefordert haben, müssen die Grünen erst noch aufschlagen. Mit Wahlkampf hat das herzlich wenig zu tun. Und in einem Punkt muss man hier auch der WDR-Redaktionschefin Sonia Mikich widersprechen, die im „Tagesthemen“-Kommentar der ARD zu ganz ähnlichen Schlüssen kam, aber auch davon sprach, dass an die Grünen „höhere moralische Ansprüche“ gestellt würden. „Höhere“ moralische Ansprüche werden an die Grünen mitnichten gestellt, es würde reichen, wenn sie moralischen Ansprüchen genügten.

          Doch zurück zu dem Journalisten Christian Füller, dessen bereits für den Umbruch der Zeitung vorgesehenen Artikel zu diesem Thema die „taz“-Chefredakteurin Ines Pohl Ende August in letzter Minute aus dem Blatt kippte und von dem ein ganz ähnlicher Artikel inzwischen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschien. Zu diesem liefert sich die „taz“ mit dieser Zeitung einen juristischen Schlagabtausch, von dem es im „taz.blog“ heißt: „Den in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung abgedruckten Artikel hätte die taz auch veröffentlicht.“ Da geht es um die Frage, ob das in der F.A.S. erschienene Stück mit dem in der „taz“ nicht erschienenen identisch sei beziehungsweise, ob das behauptet wurde.

          Sie reden lieber über den taz-Neubau

          Das ist eine juristische Auseinandersetzung für Feinschmecker, die der „taz“-Chefredakteurin Ines Pohl vielleicht in den Kram passt, an der Sache aber vorbeigeht. Im Kern geht es nämlich um nichts anderes, als dass ausgerechnet der Autor, mit dem die „taz“ sich zu diesem Thema schmücken könnte, kaltgestellt wird. An Christian Füller wird ein Exempel statuiert, wie man an einer internen Mail der Chefredakteurin ablesen kann, in der sie die Ressortleiter des Blattes anwies, es dürften bis auf weiteres „keine Texte von ihm in der taz erscheinen. Bitte sorgt dafür, dass dies nicht passiert.“ Die von Füller betreute Bildungsseite der „taz“ betreuen, wie an dieser Stelle berichtet, nun andere.

          Auf der Genossenschaftsversammlung der „taz“ am vergangenen Wochenende interessierten sich die Genossen dafür leider nicht sonderlich. Auch das „Hass“-Interview mit dem FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler war kein großes Thema, dafür ging es um den geplanten Neubau für die „taz“-Redaktion. So wurde eine Gelegenheit verpasst, anzusprechen, wovon schon ein offener Brief aus dem Dezember des vergangenen Jahres handelte. Da ging es um „tiefe Risse“, die durch die Redaktion gingen, um „Unmut“ über den personellen „Aderlass“, um eine „Krise“, die damit zu tun habe, dass „Leute Angst haben, ihre Meinung zu sagen, weil sie dann als unbequem gelten könnten und Sanktionen befürchten müssten“.

          Die Kritiker von damals dürften sich durch den jetzigen Umgang mit dem Redakteur Christian Füller bestätigt sehen. Auch das ist eine traurige Pointe der längst überfälligen Pädophilen-Debatte, die für die Grünen wie für die „taz“ wie allgemein nicht zu Ende sein sollte. Der Jubelruf „Aufgeklärt!“ kam etwas zu früh.

          Sein Untersuchung löste die Kontroverse aus: der Politologe Franz Walter

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