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Die Grünen, Pädophilie und die „taz“ : Das Exempel

Die Grünen und die Moral

Die Grünen lassen all das zwar jetzt untersuchen, aber die Kurve hätten sie längst kriegen müssen, vor allem mit Blick auf die Opfer. Um die kann sich nämlich – was auch in der „taz“ inzwischen thematisiert wurde – der Politologe Walter mit seiner Untersuchung gar nicht kümmern. Opfer aber hat die perverse alternative Pseudopädagogik zuhauf gefordert, allein an der Odenwaldschule werden sie nach mehreren Dutzend gezählt. Dieses Kapitel moralischer Verantwortung, das sie von der Katholischen Kirche immer wieder fleißig eingefordert haben, müssen die Grünen erst noch aufschlagen. Mit Wahlkampf hat das herzlich wenig zu tun. Und in einem Punkt muss man hier auch der WDR-Redaktionschefin Sonia Mikich widersprechen, die im „Tagesthemen“-Kommentar der ARD zu ganz ähnlichen Schlüssen kam, aber auch davon sprach, dass an die Grünen „höhere moralische Ansprüche“ gestellt würden. „Höhere“ moralische Ansprüche werden an die Grünen mitnichten gestellt, es würde reichen, wenn sie moralischen Ansprüchen genügten.

Doch zurück zu dem Journalisten Christian Füller, dessen bereits für den Umbruch der Zeitung vorgesehenen Artikel zu diesem Thema die „taz“-Chefredakteurin Ines Pohl Ende August in letzter Minute aus dem Blatt kippte und von dem ein ganz ähnlicher Artikel inzwischen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschien. Zu diesem liefert sich die „taz“ mit dieser Zeitung einen juristischen Schlagabtausch, von dem es im „taz.blog“ heißt: „Den in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung abgedruckten Artikel hätte die taz auch veröffentlicht.“ Da geht es um die Frage, ob das in der F.A.S. erschienene Stück mit dem in der „taz“ nicht erschienenen identisch sei beziehungsweise, ob das behauptet wurde.

Sie reden lieber über den taz-Neubau

Das ist eine juristische Auseinandersetzung für Feinschmecker, die der „taz“-Chefredakteurin Ines Pohl vielleicht in den Kram passt, an der Sache aber vorbeigeht. Im Kern geht es nämlich um nichts anderes, als dass ausgerechnet der Autor, mit dem die „taz“ sich zu diesem Thema schmücken könnte, kaltgestellt wird. An Christian Füller wird ein Exempel statuiert, wie man an einer internen Mail der Chefredakteurin ablesen kann, in der sie die Ressortleiter des Blattes anwies, es dürften bis auf weiteres „keine Texte von ihm in der taz erscheinen. Bitte sorgt dafür, dass dies nicht passiert.“ Die von Füller betreute Bildungsseite der „taz“ betreuen, wie an dieser Stelle berichtet, nun andere.

Auf der Genossenschaftsversammlung der „taz“ am vergangenen Wochenende interessierten sich die Genossen dafür leider nicht sonderlich. Auch das „Hass“-Interview mit dem FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler war kein großes Thema, dafür ging es um den geplanten Neubau für die „taz“-Redaktion. So wurde eine Gelegenheit verpasst, anzusprechen, wovon schon ein offener Brief aus dem Dezember des vergangenen Jahres handelte. Da ging es um „tiefe Risse“, die durch die Redaktion gingen, um „Unmut“ über den personellen „Aderlass“, um eine „Krise“, die damit zu tun habe, dass „Leute Angst haben, ihre Meinung zu sagen, weil sie dann als unbequem gelten könnten und Sanktionen befürchten müssten“.

Die Kritiker von damals dürften sich durch den jetzigen Umgang mit dem Redakteur Christian Füller bestätigt sehen. Auch das ist eine traurige Pointe der längst überfälligen Pädophilen-Debatte, die für die Grünen wie für die „taz“ wie allgemein nicht zu Ende sein sollte. Der Jubelruf „Aufgeklärt!“ kam etwas zu früh.

Sein Untersuchung löste die Kontroverse aus: der Politologe Franz Walter

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