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Comedy „Intelligence“ bei Sky : Der Spion, der sich liebte

  • -Aktualisiert am

Man sieht gleich, die Herren arbeiten für den Geheimdienst: Nick Mohammed (links) und David Schwimmer als Knallchargen. Bild: Sky

Wenig ausgefuchster Culture-Clash: Die britisch-amerikanische Geheimdienst-Sitcom „Intelligence“ lebt von David Schwimmers komödiantischem Talent. Sehr weit kommt man damit nicht.

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          Kekse natürlich. In den Büros eines Cyber-Nachrichtendienstes werden tellerweise Cookies verputzt. Das ist für sich genommen nicht unbedingt brüllend komisch, doch weil „Intelligence“-Erfinder Nick Mohammed, ein britischer Komiker, und sein Regisseur Matt Lipsey das auch wissen, gibt es in der Produktion von Sky One und Peacock (NBC) gar kein „für sich genommen“. Alles funktioniert hier nach dem Modell einer DoS-Attacke: Die Zuschauer werden mit so vielen Mittel- und Kurzstrecken-Gags bombardiert, dass ihr kritisches Rezeptionssystem kapituliert. Intelligenzbefreit lässt sich dann das wiederum grandios eingespielte Augenrollen und Pointenabklatschen genießen. Cool aus der Hüfte geballert kann der blödeste Wortwitz zum Kopfschuss werden.

          Zwar haben wir an Geheimdienstulk von „Austin Powers“ und „Johnny English“ bis zu „Kundschafter des Friedens“ nicht nur alles, sondern alles bereits ziemlich oft gesehen, aber das macht nichts, weil das nacktkanonige Agententum gar keine große Rolle spielt in dieser munteren Sitcom aus Großbritanniens Government Communications Headquarters (GCHQ). In der von der ehrgeizigen Chefin Christine (Sylvestra Le Touzel) geleiteten Cybercrime-Einheit der seit Edward Snowdens Enthüllungen weitum bekannten Anzapfbehörde arbeiten die üblichen sympathischen Knallchargen: der gutmütige, keinem Schokoriegel abgeneigte Tölpel Joseph (Nick Mohammed selbst), ein Computeranalyst, der Computer nur vom Hörensagen kennt, die von Joseph angehimmelte, so schräge wie heiße Hackerin Tuva (Gana Bayarsaikhan), das skurrile Faktotum Mary (Jane Stanness) und die bratzenhaft missmutige, zum Glück fast durchgehend schlafende Chefsekretärin Evelyn (Eliot Salt), eine sedierte Miss Moneypenny. Kurz: Es geht zu wie in jeder zweiten Behörde.

          Aufgemischt wird der Laden durch Lackaffe Jerry Bernstein von der amerikanischen NSA, de jure zwar lediglich ein (aus guten Gründen wegbeförderter) Verbindungsoffizier, der aber in Cheltenhams „Doughnut“, wo das GCHQ residiert, sogleich die Leitung der wackeren Cyber-Krieger zu übernehmen versucht. Den ihn ebenfalls anhimmelnden Joseph behandelt er eisern als persönlichen Assistenten. Jerry ist nicht nur im Trump-Maßstab selbstverliebt, sondern auch genauso unfähig, also noch unfähiger als die an Fotokopierern scheiternden Briten, die aber doch durchschauen, dass Jerrys „erstklassige Geheiminformationen“ einfach aus Wikipedia kopiert sind: „Right. You have that here?“ Dass allerdings das Motivationstraining des Neuen, Teambuilding durch Anfassspiele, in der Abteilung derart gut ankommt, stößt der Chefin übel auf: „Glauben Sie, Alan Turing hatte Spaß?“

          Und so läuft alles schnurstracks auf ein stereotypentrunkenes Duell der Führungskulturen hinaus, das in einer beliebigen fusionierten Firma spielen könnte, denn die eigentliche Genrebezeichnung dieser Geheimdienstserie dürfte schlicht Büro-Komödie lauten, wie wir es seit „The Office“ (auch da hatte NBC seine Goldfinger im Spiel) kennen und lieben. Für die Rolle des Aufschneiders hat man einen Star anwerben können: David Schwimmer, bekannt geworden als verkorkst manipulativer Gelfrisur-Romantiker Ross Geller aus „Friends“ und gerade deren „Reunion“ bestreitend, zuletzt aber vor allem als Regisseur hervorgetreten. Schwimmer macht seine Sache gut. Die Mimik sitzt, und die ausgestellte Schmierigkeit geht ganz auf eigene Kosten. Das passt perfekt zum unsentimental britischen Humor und zu der Haltung, in Exzentrik einen Eigenwert zu erkennen, nicht nur den Vorlauf zu einem Gag. Charaktere gehen vor, ließe sich das auf den Punkt bringen. Erzähltechnisch steht hier denn auch die „Bromance“ zwischen Joseph und Jerry im Vordergrund.

          Im Falle von „Intelligence“ sollte man in Sachen Charakterentwicklung aber nicht zu viel erwarten. Jerrys doppelte Persönlichkeit – mal unsicherer Kantonist (mit kleinem Geheimnis), mal Alphatier (in Eigenwahrnehmung: „dashing American fuck-fox“) –, das ist schon das Maximum an Komplexität. Die Komik verdankt sich vor allem dem Zusammenprall überzeugend großkotzig herausgetröteter Gaga-Ansagen des Proto-Amerikaners – „I wanna raise morale so high people can barely move, you know what I mean?“ – mit der europäischen Das-Beste-an-einem-Job-ist-der-Feierabend-Resilienz.

          Die Handlung selbst jedoch, die so wunderbar auf Snowdens Enthüllungen hätte aufbauen können (man denke nur an den Einfall des GCHQ, ihre Spyware mit Schlumpfnamen zu kodieren), folgt leider Schema F: Lügendetektorspiele, Cyberterroristenjagd (Jerry setzt sein Geld instinktiv auf „Abdullah Blablabla“), „5 Steps to Being a Better Boss“-Ambitionen Christines, Anwerben eines weiteren Hackers, der dann nicht nach den Regeln spielt. Dazu Pannen in Serie. Für sechs sich leicht steigernde Episoden ist das kurzweilig genug, aber insgesamt doch eine verschenkte Chance; eine (bereits sendefertige) Verlängerung hätte es jedenfalls nicht gebraucht.

          Intelligence läuft dienstags um 20.15 Uhr auf Sky Comedy sowie als komplette Staffel auf Sky Ticket und über Sky Q auf Abruf.

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