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Merz und die Cancel-Kultur : Bei wem Friedrich Merz in Berlin auftreten wollte

Auch mit Sonnenbrille hätte Friedrich Merz beim Transatlantischen Forum von Tholos Foundation und The Republic nicht inkognito auftreten können. Bild: dpa

Friedrich Merz und sein Büro agierten unprofessionell: Die amerikanischen Gastgeber, nicht die deutschen Gäste sind das Befremdlichste am abgesagten „Transatlantischen Forum“.

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          Mit der Cancel-Kultur ist es wie mit der „Bild“-Zeitung nach dem vielzitierten Wort des Springer-Chefs Mathias Döpfner: Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt mit ihr auch im Aufzug nach unten. Diese Erfahrung musste jetzt Friedrich Merz machen. Vor einer Woche wurde der CDU-Vorsitzende in Springer-Blättern und verwandten Me­dien noch hochgelobt, weil Anna Schneider, eine „Welt“-Redakteurin mit dem Titel „Chefreporterin Freiheit“, ihm in einem Interview ein Bekenntnis gegen die vermeintliche Kultur der Absage entlockt hatte.

          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Auf Twitter montierte „The Republic“, eine nach der von den Unionsparteien verlorenen Bundestagswahl gegründete Firma mit Sitz in Berlin, die sich mit Internet-Kolumnen und Newsletter-Versand als „bürgerliche“ Denkfabrik anpreist, aus den einschlägigen Schlagworten des Interviews eine plakative Botschaft. Neben einem Verkehrsschild mit der Aufschrift „Cancel Culture“, irritierenderweise dem Schild für die Vorfahrtsstraße nachgebildet, nur ohne weißen Rand, steht das Merz-Zitat: „Die größte Bedrohung für die Meinungsfreiheit ist aus meiner Sicht inzwischen die Zensurkultur.“ Der Tweet zur Collage lautete: „CDU-Chef Friedrich Merz wirft linken Aktivisten vor, den Begriff ‚Kampf gegen rechts‘ zu missbrauchen, um ‚gegen völlig legitime Meinungen des demokratischen Spektrums‘ oder ‚wissenschaftliche Erkenntnisse‘ vorzugehen. Darin sieht er eine Gefahr für die Meinungsfreiheit.“

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