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Die Serie „Devils“ bei Sky : Die Fortsetzung der Wirtschaft mit anderen Mitteln

  • -Aktualisiert am

Sie spielen die Chef-Haifische: Patrick Dempsey (links) und Alessandro Borghi Bild: Sky

Der Finanzmarktthriller „Devils“ ist ein Parforceritt durch die jüngste Geschichte, er ist glänzend gefilmt, nur die Figuren sind etwas stumpf.

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          Wer glaube, dass Kriege mit herkömmlichen Waffen ausgetragen werden, gehöre zu den Fischen, die nicht wissen, dass sie vom Element Wasser umgeben sind. Also zur überwiegenden Mehrheit der Weltbevölkerung. Einer leicht zu manipulierenden Beute, die etwa glaubt, der Suez-Krieg von 1956/57 zwischen Ägypten und Israel, Großbritannien und Frankreich auf der anderen Seite sei durch UN-Diplomatie beigelegt worden. Nonsens!

          Für den Londoner Professor, der seinen Elitestudenten in der zehnteiligen britisch-italienischen Sky-Hochglanzproduktion „Devils“ die Grundzüge des globalen kapitalistischen Wirtschaftssystems beizubringen sucht, ist der Suez-Krieg der Sündenfall der realpolitischen Demütigung seines Landes durch das Finanzsystem. Um die Briten zum Rückzug zu zwingen, attackierten die Amerikaner 1956 deren Wirtschaft. Das Pfund geriet unter Druck. Die Folgen waren auch für die Bevölkerung katastrophal, ein britisches Trauma. Premierminister Anthony Eden musste zurücktreten, Großbritannien verlor seinen Weltmachtstatus. Kriege, so der Wirtschaftsdozent, werden heutzutage auf Tradingfloors angezettelt und an den Börsen entschieden. Gute Fiskalpolitik ist selten, Aufstände der vom Ruin Bedrohten sind leicht zu steuern, die Destabilisierung verschuldeter Länder ist leicht. Erforderlich sind bloß Grundkenntnisse, die sich kluge Typen in Investmentbanken teuer bezahlen lassen. Am begabtesten sind hochintelligente Haie, die zu jeder Sekunde wissen, ob das Wasser wärmer oder kälter wird. Und zum richtigen Zeitpunkt zubeißen. Wie der skrupellose Shootingstar Massimo Ruggero (Alessandro Borghi). Ein „Key Player“, der mit dem Ferrari durch die City kurvt und dem vom Luxusapartment aus London nachtglitzernd zu Füßen liegt. Wäre er nicht ein Mann mit Vergangenheit, wäre sein Weg an die Spitze nur eine Frage der Zeit.

          Ergiebig wie „Fifty Shades of Grey“ als psychoanalytische Studie

          Dass Ruggeros drogensüchtige Ex-Frau als Prostituierte untergetaucht ist, macht ihn angreifbar. Diskrimierung mal anders: Als Italiener trauen ihm manche schneidende Brillanz nicht zu. Für sein Händlerteam, Eleanor Bourg (Pia Mechler), Kalim Chowdrey (Paul Chowdhry) und Paul McGuinnan (Harry Michell) und den Nachwuchshacker Oliver Harris (Malachi Kirby) ist Ruggero trotzdem ein Held – der mit dem richtigen Riecher und den Millionengewinnen. Dass er zur Eröffnung jeder Folge aus dem Off über Gott und den Teufel sinniert, über Loyalität und Verrat, Liebe und Vernichtung, soll seiner schlicht angelegten Figur wohl moralische Tiefe verleihen. „Devils“ hat seine Stärken in anderer Hinsicht. Als skrupulöses Charakterporträt ist die Serie so ergiebig wie „Fifty Shades of Grey“ als psychoanalytische Studie.

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