https://www.faz.net/-gqz-15iwm

Die Finanzen von ARD und ZDF : Wo Milch und Honig fließen

Gute Laune, gigantische Zahlen: Kurt Beck nimmt den Finanzbericht über ARD und ZDF vom Prüfungsvorsitzenden Heinz Fischer-Heidlberger entgegen. Bild: ddp

Die Finanzkommission „Kef“ prüft die Geldströme von ARD und ZDF. Die jüngste Abrechnung ist nur für besonders Abgebrühte kein Skandal: Milliarden fließen auf allen Kanälen, das öffentlich-rechtliche Versprechen, sich bei den Angeboten im Internet zu mäßigen, ist Schall und Rauch.

          Alle Jahre wieder ist uns ein einmaliger Blick in das Innenleben von ARD und ZDF vergönnt. Stets dann, wenn die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs, kurz Kef, ihr Datenkonvolut vorlegt, das die Finanzen der öffentlich-rechtlichen Sender kreuz und quer vermisst. Seit ein paar Tagen liegt der nunmehr siebzehnte Kef-Bericht vor, 330 Seiten plus Anlagen ist er dick und vermittelt vor allem eines: Die Rede vom verarmenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist eine Mär. Es geht den Sendern so gut wie je, die Krise spüren sie kaum, nur insofern, als die erwarteten Mehreinnahmen in der sogenannten „Gebührenperiode“ bis ins Jahr 2012 ausfallen. Darben müssen die Sender deshalb noch lange nicht, sie sind vielmehr in der Lage, dreistellige Millionenbeträge umzuschichten. Die gehen vorzugsweise in die neuen digitalen Kanäle und - ins Internet. Sparen sieht anders aus.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Zahlen sprechen für sich: Rund 6,1 Milliarden Euro nahm die ARD im vergangenen Jahr ein, und bei dieser Summe wird es ungefähr bleiben, mit einer leichten Schwankung zwischen 6,25 Milliarden Euro in diesem und dann wieder rund 6,12 Milliarden Euro im Jahr 2012. Ähnlich verhält es sich beim ZDF, das 2008 rund 1,94 Milliarden Euro vereinnahmte, in diesem Jahr auf 2,05 Milliarden Euro springt und 2012 mit 2,04 Milliarden Euro bei fast der exakt gleichen Summe landet. Die Einnahmen des Deutschlandradios steigern sich in diesem Zeitraum von 203,4 Millionen auf 205,4 Millionen Euro.

          Für dieses Geld produzieren die Sender reichlich Sendeminuten, 9,9 Millionen waren es im letzten Jahr, seit 2002 hat sich dieser Wert kaum verändert. Deutlich angestiegen aber ist das Online-Angebot der Sender. Das sei, so schreiben die Finanzprüfer der Kef, „der Bereich, in dem ein Ausbau des Angebots stattfindet“. Die Zahlen belegen es eindrucksvoll: So stockt das ZDF seine Mittel für die drei neuen Digitalkanäle um glatte 184 Millionen Euro auf - der Aufwand für die Kanäle verdreifacht sich. Den Löwenanteil steckt das ZDF in das neue Unterhaltungsprogramm ZDFneo, das zwar ohne Nachrichten auskommt, aber binnen vier Jahren 93,6 Millionen Euro kosten darf, das Vorgängerprogramm „ZDFDokukanal“ schlug nur mit 4,9 Millionen Euro pro Jahr zu Buche. „Die Kommission“, heißt es im Finanzbericht lapidar, „nimmt die Etatkorrekturen in dieser ungewöhnlichen Höhe zur Kenntnis und wird die Entwicklung weiterhin prüfen und darstellen.“

          Produktionskosten von 3164 Euro pro Minute enstehen bei der Talkshow von Anne Will.

          Ein Versprechen erweist sich als Schall und Rauch

          Zu prüfen und darzustellen gibt es auch das neue, aufs Internet geeichte Programm „DRadio Wissen“ des Deutschlandradios - dafür werden bis 2012 exakt 26,2 Millionen Euro ausgegeben. Den dicksten Batzen aber legen die Sender für die „Telemedien“ neu an: 284,8 Millionen Euro steckten sie in den Jahren 2005 bis 2008 in ihre Online-Auftritte, vom vergangenen Jahr bis 2001 wird sich die Summe mehr als verdoppeln auf rund 611 Millionen Euro. Da fällt für jeden etwas ab, für die Seite „sportschau.de“ zum Beispiel 1,75 Millionen Euro pro Jahr, für „boerseard.de“ 1,48 Millionen Euro, beim Kinderkanal Kika geben sie für „Kikaninchen“ 500 000 Euro aus.

          Ob dieser Summen erscheint es selbstverständlich, dass sich die sogenannte „Selbstbindung“ der Sender bei den Online-Ausgaben - es sollten bis 2008 nicht mehr als 0,75 Prozent des Gesamtaufwands sein, so war es der Politik versprochen - als Schall und Rauch erweist. Die Ausgaben lagen schon 2007 und 2008 darüber, bei der ARD lag die Quote 2008 bei 0,97, beim Deutschlandradio bei 0,9, beim ZDF bei 1,16 Prozent. Seit dem vergangenen Jahr müssen sich die Sender - den Ministerpräsidenten sei Dank - an gar keine Quote mehr halten. Strafe für ihre zeitweilige Überziehung müssen sie nicht fürchten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Salafismus : Die freiwillige Ausreise des Gefährders Halil D.

          Halil D. wurde verdächtigt, einen Anschlag auf ein Radrennen in Frankfurt geplant zu haben. Nach seiner Freilassung galt er als einer der gefährlichsten Islamisten in Nordrhein-Westfalen. Nun ist er seiner Familie in die Türkei gefolgt.

          Anleihekäufe der EZB : Nun sollte Schluss sein!

          Für mehr als zwei Billionen Euro haben die Notenbanken der Währungsunion Staatsschulden gekauft. Sie durften das, befinden Europas höchste Richter. Das bedeutet aber nicht, dass das eine gute Idee war. Eine Analyse.

          Brexit-Abkommen : Unterhaus soll vor dem 21. Januar abstimmen

          Am Montag hatte die britische Premierministerin Theresa May das Unterhaus-Votum über das Brexit-Abkommen wegen mangelnder Erfolgsaussichten verschoben. Für den Außenhandelsverband ist der Brexit ein „Schlamassel“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.