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Britney Spears : Eine Frau unter Vormundschaft

Im Jahr 2018 war Britney Spears die bestbezahlte Künstlerin in Las Vegas. 2019 sagte sie eine Vertragsverlängerung aus unbekannten Gründen ab und befindet sich seitdem in Arbeitspause. Bild: Picture-Alliance

Gefeiert, verhöhnt, entmündigt: Die Dokumentation „Framing Britney Spears“ schildert, wie die Sängerin zum Opfer einer Skandalindustrie wurde.

          4 Min.

          Alle reden über Britney Spears, aber keiner redet mit ihr. So entsteht ein seltsames Vakuum im Inneren der Dokumentation „Framing Britney Spears“, was schade ist, aber unvermeidlich. Britney Spears steht seit dreizehn Jahren unter der Vormundschaft ihres Vaters Jamie und darf keinen Auftritt und kein Interview ohne seine Zustimmung absolvieren, er kontrolliert ihre Einkünfte und hat Einsicht in medizinische Unterlagen. Britney Spears hat alle persönlichen Rechte abgetreten, und um zu erfahren, wie es für eine junge, hart arbeitende Frau so weit kommen kann, führt die Dokumentation der „New York Times“ zurück zu den Anfängen des einstigen Kinderstars und in die Abgründe der Paparazzi-Ära Anfang der zweitausender Jahre.

          Andrea Diener
          Korrespondentin im Main-Taunus-Kreis

          Nicht nur Britney Spears, viele weitere und vor allem weibliche Stars wurden in dieser Zeit durch die Mangel der Boulevardmedien gedreht. Whitney Houston, Paris Hilton, Lindsey Lohan oder Amy Winehouse gehören dazu. Mit voyeuristischer Sensationslust und einem heute kaum mehr vorstellbaren Mangel an Empathie begleiteten Magazine und Websites die Partynächte, die Süchte, die psychischen Zusammenbrüche ihrer Subjekte, als handele es sich nicht um echte Menschen, sondern Darstellerinnen in einer grellen Seifenoper.

          Sie galt als Flittchen

          In letzter Zeit jedoch gibt es die Tendenz, die Biographien weiblicher Stars retrospektiv feministisch neu zu deuten. Paris Hilton etwa erlaubte mit „This is Paris“ einen ungewohnt intimen Einblick in ihre Ängste und Traumata, und Musikerinnen-Biographien über Whitney Houston oder Taylor Swift bemühen sich, einen Ausgleich für die jahrelange Häme zu schaffen, die die Künstlerinnen begleitete.

          Gerade bei Britney Spears vergisst man leicht, dass man es nicht mit einer blonden, mäßig begabten Marionette zu tun hat. Die Dokumentation zeigt erste Auftritte einer stimmgewaltigen Zehnjährigen, die mit ihrer Mutter aus dem ländlichen Louisiana nach New York gezogen war, um Karriere zu machen. Sie wurde für den „Mickey Mouse Club“ gecastet, eine Sendung, die ihren Begabungen exakt entsprach. Nachdem die Sendung abgesetzt worden war, gelang Spears eine Solokarriere. Ihr Debüt „... Baby One More Time“ stand in aller Welt an der Spitze der Verkaufscharts, ebenso der Nachfolger „Oops! ... I did it again“.

          Erfolgreich als Bühnenkünstlerin ist sie bis heute, Anlass für Skandale war hingegen ihr Privatleben. Mit ihrem „Mickey Mouse“-Kollegen Justin Timberlake bildete sie ein nach außen hin keusches Traumpaar, nach der Trennung rächte Timberlake sich mit einem Song und einem Video, das ihr die Schuld zuwies. Seitdem galt Spears in der Boulevardpresse als Flittchen, das dem armen Jungen das Herz gebrochen habe – erst kürzlich, im Februar dieses Jahres, entschuldigte Timberlake sich für „sexistisches Verhalten“, und bei Janet Jackson auch gleich mit. „Diese Industrie ist fehlerhaft. Sie ist auf Erfolg für Männer ausgerichtet, insbesondere weiße Männer“, schrieb er auf Instagram – jener Plattform, die den Stars zu weiten Teilen die Kontrolle über ihr eigenes Image zurückgab. Er wolle nun „nicht mehr davon profitieren, dass andere heruntergemacht werden“.

          Seit zwei Jahren in Arbeitspause

          Richtig hässlich wurde es im Jahr 2007, und dieses für Spears so schreckliche Jahr ist mittlerweile derart legendär, dass man im Internet Tassen und T-Shirts mit dem motivierenden Spruch „If Britney survived 2007 you can handle today“ kaufen kann. Spears hatte den Tänzer Kevin Federline geheiratet, in kurzer Folge zwei Söhne bekommen, sich bald wieder von Federline getrennt und befand sich in einem erbitterten Sorgerechtsstreit. Die Klatschpresse zerriss sich das Maul, ob Spears eine geeignete Mutter sei, sie verlor sämtlichen Halt, verprügelte einen Paparazzo mit einem Schirm und ließ sich in einer nächtlichen Aktion tätowieren und die Haare abrasieren. Schließlich verbarrikadierte sie sich mit ihren Kindern, die Polizei rückte an, Spears wurde auf einer Trage in eine Suchtklinik gebracht. Am 1. Februar 2008 wurde sie entmündigt.

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