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Afghanistan-Doku bei Arte : Keine Hoffnungsträger in Sicht

Erörterung der sowjetischen Invasion in Afghanistan: Am 2. Februar 1983 lud der amerikanische Präsident Ronald Reagan afghanische Mudjahedin ins Weiße Haus. Bild: US National Archives Foto: NDR

Immer neue Machthaber, immer neue Hoffnungen: In der vierteiligen Dokumentation „Afghanistan. Das verwundete Land“ zeigt Arte, wie Afghanistan vom Hippie-Paradies zu einem zerstörten Land wurde.

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          Was war Afghanistan für ein Land in den sechziger Jahren. Unter der Herrschaft von König Zahir Schah zeigte sich nicht nur dessen Ehefrau, Königin Humaira, als emanzipierte Frau. „Für ein islamisches Land waren wir damals wohl das aufgeschlossenste“, sagt Stammesführer Hashmat Ghani. „Vermutlich war es noch besser als in Europa“, sagt Shukria Barakzai, die in der Hauptstadt Kabul aufgewachsen ist. In der Tat fuhren viele Europäer nach Afghanistan, meist Hippies mit VW-Bussen.

          Es droht akute Verklärungsgefahr. Doch rechtzeitig kriegt die vierteilige Arte-Dokumentation „Afghanistan. Das verwundete Land“ der Dokumentarfilmer Mayte Carrasco und Marcel Mettelsiefen die Kurve. „Leider haben wir aufgrund unserer Klassenunterschiede die Realität nicht erkannt“, sagt die Journalistin Zohra Yousouf, die der Elite angehörte. Auch unter jungen Akademikern gewannen kommunistische und konservativ muslimische Ideen an Zuspruch. Der König wurde 1973 abgesetzt, 1978 auch die Republik. Die Kommunisten schlossen Moscheen und gingen gewalttätig gegen muslimische Gläubige vor.

          Aus Angst vor einer islamischen Revolte und ihrem Übergreifen auf die Sowjetunion marschierten die Russen im Dezember 1979 in Afghanistan ein. Die Sowjettruppen ließen alle politischen Gefangenen frei. Eine ausländische Besatzungsmacht aber nahmen die Afghanen nicht hin. Die Mudschaheddin gewannen an Zuspruch. Der spätere afghanische Diplomat Masood Khalili berichtet, wie ihn sein Vater anrief und sagte: „Schließe dich deinem Volk an. Kämpfe für die Freiheit!“

          Bettelzug um Gunst des Westens

          Die Mudschaheddin versammelten sich in der grenznahen pakistanischen Stadt Peschawar. Wenn Kritiker den Vereinigten Staaten vorhalten, islamische Milizen bewaffnet zu haben, stimmt das. Doch die Mudschaheddin haben um die Gunst des Westens gebettelt. Milizenführer wie Ahmad Massoud umschwärmten in Peschawar die Journalisten. Wenn man sagte: „Wir haben hundert Russen getötet, waren es vielleicht zwei“, sagt Masood Khalili. Die Aussage des Milizenführers Gulbuddin Hekmatyar, Afghanistan sei „Spielball“ ausländischer Mächte gewesen, ist angesichts dieses Werbens schief.

          Die Afghanen sagen aber auch, das Ausland habe sie nach dem Abzug der sowjetischen Truppen im Februar 1989 im Stich gelassen. „Wir fühlten uns so frei“, beschreibt Shukria Barakzai die kurzzeitige Euphorie. Milizenführer wie Hekmatyar und Massoud verfolgten ihre eigenen Ziele. Nach einem Bürgerkrieg galten selbst die fundamentalistischen Taliban als Hoffnungsträger. Sie setzten 1996 ihre Ordnung durch: Frauen durften nicht arbeiten und mussten Burka tragen. Wer sich widersetzte, wurde ausgepeitscht oder gleich erschossen.

          Der Film zeigt, dass sogar Milizenführer vor der Terroristenausbildung in Afghanistan gewarnt haben. Ahmad Massoud fand im April 2001 in Paris kein Gehör. Bis der 11. September 2001 alles veränderte. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten erklärten den „Krieg gegen den Terror“. Die amerikanische Soldatin Emeli Miller erzählt von der Begegnung mit einer Afghanin, die ihr gesagt habe: „Warum glauben Sie, dass Sie anders sind als die Taliban? Sie kommen um zwei Uhr morgens zu mir nach Hause, bedrohen mich.“ Immerhin gibt es in Afghanistan mittlerweile versöhnliche Zeichen, wenn Feministinnen wie Shukria Barakzai und islamische Fundamentalisten miteinander sprechen.

          Sogar ein Taliban-Vertreter kommt in dem Film zu Wort. Die Dokumentation bildet ein breites Spektrum von Akteuren ab, und nicht nur eine schmale, prowestliche Elite. Auf eindrückliche Weise zeigt der Film, wie alle neuen Machthaber, ob Kommunisten, Mudschaheddin oder Taliban, Hoffnungen weckten. Die bis heute niemand erfüllt.

          Afghanistan. Das verwundete Land läuft in diesem Dienstag ab 20.15 Uhr auf Arte.

          Militärische Schießübungen auch für Frauen: Afghanistan im Jahr 1980

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