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Doku „8 Minuten 46 Sekunden“ : Was George Floyds Tod auslöst

  • -Aktualisiert am

Sein gewaltsamer Tod löste weltweite Proteste aus: George Floyd (1973 - 2020). Bild: Sky

In dem Film „Acht Minuten und 46 Sekunden – Die Ermordung von George Floyd“ ordnet Sky die aktuellen Proteste in den Vereinigten Staaten ein. Haben wir es mit einem „Wendepunkt der Geschichte“ zu tun?

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          Mit „Acht Minuten und 46 Sekunden – Die Ermordung von George Floyd“ bringt Sky eine Dokumentation über den Tod Floyds und die darauf folgenden weltweiten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ins Fernsehen. Man mag fragen, was zu der geballten Berichterstattung über Floyds brutale Tötung durch einen Polizisten in Minneapolis, der die titelgebenden acht Minuten und 46 Sekunden auf Floyds Nacken kniete, und den von der Videoaufzeichnung der Tat ausgelösten Demonstrationen hinzuzufügen sei. Aber geraden in Zeiten von in sozialen Netzwerken kursierenden Informationsschnipseln gilt es, die Dinge einzuordnen und im Zusammenhang zu betrachten. Das hat die Dokumentation zum Ziel. Leider erreicht sie es nicht.

          Der knapp einstündige Film ist eine Zusammenarbeit der Nachrichtenabteilung von Sky mit dem Regisseur Toby Sculthorpe, der zuletzt ein Dokudrama über das Verschwinden von Madeleine McCann drehte. Er fasst die Ereignisse um den Tod von Floyd und das Erstarken der 2013 gegründeten Bewegung „Black Lives Matter“ als Beginn einer neuen Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten auf. Die Dokumentation erstreckt sich von den Protesten der sechziger Jahre bis zu den anklagenden Worten von Floyds Nichte Brooke Williams bei dessen Beisetzung: „Jemand sagte: ,Make America Great Again.‘ Aber wann war Amerika je großartig?“

          Pointierte Zitate, erschütternde Bilder, maßgebliche Gesprächspartner werden versammelt. Der Aktivist Zellie Imani von „Black Lives Matter“ kommt zu Wort, Reverend Jesse Jackson, eine Tochter von Malcolm X, Ilyasah Shabazz, und die Publizistin Bonnie Greer. Die Zeit für tiefer gehende Analysen nimmt sich der Film nicht. Vielleicht will er nicht mehr sein als eine Chronik. Den Überblick rahmen plakativ formulierte Einschätzungen: dass „Black Lives Matter“ die erste globale Protestbewegung gegen Rassismus sei und eine neue Generation junger schwarzer Menschen die Beschwichtigungen von Politikern nicht länger hinnehme. Mit Trumps Androhung militärischer Gewalt seien „die Proteste zum Schlachtfeld zwischen den beiden großen politischen Parteien geworden“, heißt es. Nichts davon wird untermauert.

          Vielleicht hätte schon eine neunzigminütige Dokumentation differenziertere Fragen aufwerfen und komplexere Antworten suchen können. Die Bemerkung Imanis etwa, dass es nicht damit getan sei, Afroamerikaner in höchste politische Ämter zu wählen, sondern man, „statt das Erklimmen der Leiter zu erleichtern, die Leiter selbst niederreißen“ müsse, bleibt unkommentiert. Dabei zielt sie auf die missverständlich formulierte Protestforderung „defund the police“, hinter der sich der Wunsch nach einer umfassenden Neukonzipierung öffentlicher Sicherheit in Amerika verbirgt, nicht einfach die Abschaffung der Polizei oder ihrer Finanzierung, wie im Film suggeriert wird. Plünderungen und Vandalismus im Zuge der Proteste wiederum werden im Film einfach mit dem Satz eines Aktivisten abgehandelt: „Amerika ist auf die Plünderung von Land, von schwarzen Leibern, von Arbeit gebaut. Amerika basiert auf Diebstahl.“ Er deutet auf die Wurzel der Rassismus-Debatte, doch sie bleibt von den Filmemachern unangetastet.

          Wenn man die Demonstrationen der vergangenen Wochen als „Bewegung einer neuen Generation“ bezeichnet, als „Wendepunkt in der Geschichte“ gar, muss man auch die öffentliche Debatte mit einbeziehen und die neuen Perspektiven, die diese eröffnet. Es gibt die Stimmen auf den Straßen, Pressebeiträge wie in der „Washington Post“, wo die Motivation weißer Demonstranten hinterfragt wurde, die emotionalen CNN-Moderationen von Don Lemon, eine Analyse des Polizeigewalt-Problems durch den Satiriker John Oliver oder das Instagram-Konto der Schauspielerin Selena Gomez, das sie schwarzen Aktivisten zur Verfügung stellte. Dass all dies hier kein Echo findet, wirkt befremdlich.

          Acht Minuten und 46 Sekunden – Die Ermordung von George Floyd läuft heute um 20.15 Uhr im Rahmen eines Thementages auf Sky Atlantic HD.

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