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Doku zu Kampf gegen den Terror : Desaster mit Ansage

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Als der „War on Terror“ begann: Der amerikanische Präsident George W. Bush. Bild: © Zadig Productions

Im Kampf gegen den islamistischen Terror haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dramatische Fehler gemacht. Welche, das zeigt die Dokumentation „9/11 - Die Welt danach“.

          Ist der Kampf gegen der Terror, den Amerika seit den Anschlägen des 11.September 2001 führt, ein militärischer Feldzug gegen Al Qaida und ähnliche radikalislamistische Organisationen, ist er ein Kampf um die Herzen und Köpfe von Muslimen oder ein religiös-moralisch überhöhter Krieg der Guten gegen das Böse? Kurz nach 9/11 schien jeder dieser Ansätze einen Platz in der amerikanischen Politik zu beanspruchen. Präsident George W. Bush betonte in seinen Reden mit eindeutiger Unschärfe auch die Notwendigkeit propagandistischer Einflussnahme in Ländern des Nahen Ostens. Künftige Amerikafreundlichkeit der Bevölkerung war ebenso das Ziel wie Vergeltung. Dann aber gab es die Erfindung der „Achse des Bösen“, den Einmarsch im Irak auf der Basis falscher Beweise über angebliche Massenvernichtungswaffen, die Colin Powell den Vereinten Nationen präsentierte. Es wurde entschieden, nicht nur in Guantánamo die Genfer Konvention zur Behandlung Gefangener auszusetzen, auch Verhöre in außerterritorialen „Black Sites“ fanden statt; es gab die entwürdigenden Bilder aus Abu Ghraib, die um die Welt gingen, die Rechtfertigung des „Waterboarding“ und anderer Folter – ein Desaster sondergleichen.

          Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Rumsfeld (die von Bush senior später in seiner Autobiographie als „Eisenärsche“ bezeichnet wurden) setzten im „war on terror“ darauf, Al Qaida auszulöschen. Eine falsche, grob naive Hardliner-Strategie, die zum Aufstieg nicht zuletzt der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ führte, wie diese Dokumentation mit zahlreichen Interviewäußerungen damals hochrangiger Politiker, Generäle und Geheimdienstler der Vereinigten Staaten, Frankreichs, Israels und Großbritanniens belegt. Vor dem 11. September, so heißt es hier, hatte Al Qaida 400 überzeugte Anhänger, fünfzehn Jahre später sind es Zehntausende, sie sind über riesige Gebiete zwischen Ostasien, dem Atlantik und Afrika verstreut. Die Bilanz des Krieges allein im Irak: 300000 Tote.

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          Den Kampf um die Herzen und Köpfe, so eine der Feststellungen der französisch-israelisch-kanadischen Koproduktion „9/11 – Die Welt danach“ von Ilan Ziv, hat Amerika höchst fahrlässig preisgegeben. Vor allem durch die Stilisierung zur Schlacht von Gut und Böse, mit Definitionen, die vom Westernmythos und aus evangelikalen Vorstellungen entlehnt wurden, und durch die entsprechende geheimdienstliche und militärische Legitimation des schonungslosen Vorgehens mit der Inkaufnahme ziviler „Kollateralschäden“ habe man die Radikalisierung in der islamischen Welt rasant befördert und zur Destabilisierung der Demokratie insgesamt beigetragen, so die nicht ganz neue These.

          Ihr drastisches Plus, das allerdings manchen Zuschauer zum Abschalten veranlassen könnte: Die Dokumentation breitet eine Fülle ganz unterschiedlicher Belege aus. Von Kongressanhörungen, die auf dem Parlamentskanal C-Span übertragen wurden, bis zu schwer erträglichen IS-Propaganda- und Enthauptungsvideos, von Videos, die Verletzte und Tote der palästinensischen Zivilbevölkerung nach israelischen Militärschlägen zeigen, bis zu Reaktionen auf die Tötung Usama Bin Ladins wird zusätzlich zu den Einlassungen vieler Entscheidungsträger der zweiten Ebene eine Fülle von Material aufschlussreich hinzumontiert.

          Dass völkerrechtliche Überlegungen im „Kampf gegen den Terror“, der zum Dauerzustand erklärt wurde, eine untergeordnete Rolle spielen, zeigt die Rhetorik, mit welcher Präsident Trump gerade in Riad muslimische Staats- und Regierungschefs zum Handeln aufforderte: „Drive them out“ (vertreibt sie), das klingt ganz ähnlich wie „Wipe them out“ (löscht sie aus). Den gewünschten Sieg wird es nicht bewirken. Warum das so ist, legt „9/11– Die Welt danach“ überzeugend dar.

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