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Deutsche Welle im Netz : Weniger Kommentare sind mehr

Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle. Bild: dpa

Die Deutsche Welle lässt zu Meinungsstücken auf ihrer Seite künftig keine Kommentare der Nutzer mehr zu. Bei Nachrichtenbeiträgen ist es anders. Die Chefredakteurin Ines Pohl sagt, warum der Sender diesen Schritt geht.

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          „Comment is free, but facts are sacred“, schrieb der Journalist und Herausgeber des „Manchester Guardian“, Charles Prestwich Scott, 1921 in einem Essay über den Journalismus, der in Zeiten von „Fake News“ aktueller ist denn je. Man möge die Meinung getrennt von der Darstellung der Fakten halten, soll das heißen und bedeuten, dass freie Meinungsbildung nur dann funktioniert, wenn Fakten nicht verschwiegen, verbogen oder erfunden werden. Alles andere ist Propaganda.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Allein das bürgt aber noch nicht für eine kultivierte Debattenkultur, in der Meinung und Gegenmeinung gelten, Pro und Kontra gesprochen und zur Sache argumentiert wird. Man kann auch einfach losbrüllen, ohne nachzudenken – auf der Straße wie im Netz. Dort geht es bei bestimmten Themen rund, angefangen bei Twitter bis zu Kommentaren in den Online-Foren von Funk, Fernsehen und Presse.

          Diese Erfahrung hat auch die Deutsche Welle gemacht und ist zu dem Schluss gekommen, Leser-Kommentare zu redaktionellen Meinungsbeiträgen nicht mehr zuzulassen. Man kann die Kommentare der Deutschen Welle also nicht mehr kommentieren. Diese Entscheidung, schreibt die Chefredakteurin Ines Pohl, sei „schwer gefallen“, schließlich kämpfe der Sender „für einen offenen, kritischen Austausch von unterschiedlichen Argumenten, für die weltweite Pressefreiheit“. Doch hätten „die überwiegenden Beiträge“ ein „solches Niveau erreicht, dass sie mit einem konstruktiven Meinungsaustausch nichts mehr zu tun haben. Der Diskurs wurde geprägt von persönlichen Beschimpfungen, Beleidigungen und rassistischen Äußerungen, die auf unserer Seite nichts zu suchen haben.“

          Die Entwicklung, sagt Ines Pohl im Gespräch, habe sich verschärft: „Wir beobachten, dass es schlimmer wird, dass sich menschenverachtende Äußerungen häufen und die deutsche Startseite der Deutschen Welle von Trollen offensichtlich zunehmend frequentiert wird.“

          Der Sender zieht die Notbremse, allerdings nicht – wie sogleich missverstanden wurde – komplett, sondern gezielt. Zu nachrichtlichen Beiträgen können sich Leser weiterhin melden und punktuell, schreibt Ines Pohl, werde man zu einzelnen Meinungstücken die Kommentarfunktion ebenfalls öffnen, um – eine Debatte zu führen. Diese freilich kann im Netz nur gelingen, wenn diejenigen mitmachen, die eben nicht beleidigen, beschimpfen und hetzen. Unter den Nutzern sei die Zustimmung zu dem von Ines Pohl verkündeten Schritt übrigens groß, heißt es bei der Deutschen Welle auf Nachfrage.

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