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Die „Deutsche Welle“ : Platzt der Rentendeal?

Das Gebäude der Deutschen Welle in Bonn - im Hintergrund der Posttower. Bild: Edgar Schoepal

Mitgehangen mitgefangen? Für die Deutsche Welle wird die Einigung der ARD mit Verdi in Sachen Betriebsrente zu teuer.

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          Nach vier Jahren harter Verhandlungen sei endlich eine Tarifeinigung erreicht, verkündeten die ARD, das Deutschlandradio und die Gewerkschaften Verdi, DJV und DOV Ende Juli und feierten einen vermeintlichen Durchbruch: Man habe sich bei den Betriebsrenten geeinigt. Die Einigung lautet: Die Betriebsrenten steigen zwar wie bisher parallel zu den jährlichen Lohnerhöhungen, sie steigen aber um einen Prozentpunkt weniger als die Gehälter, allerdings auch um mindestens ein Prozent pro Jahr. Die Rede ist wohlgemerkt von der betrieblichen Zusatz-, nicht von der gesetzlichen Rente.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das werde dazu beitragen, „die finanzielle Belastung der Rundfunkanstalten erheblich zu reduzieren“, teilte die ARD mit. Das ist auch bitter nötig. 25 Cent von jedem gezahlten Rundfunkbeitrag gehen für die öffentlich-rechtliche Altersversorgung drauf, in den Jahren 2017 bis 2020 müssen ARD und ZDF dafür mehr als zwei Milliarden Euro aufwenden. Ratifiziert ist der Vertrag noch nicht, und es könnte sein, dass er doch noch platzt. Die Gewerkschaft Verdi hat nämlich ein Junktim aufgestellt: Was für ARD und Deutschlandradio gilt, müsse auch für die Deutsche Welle (DW) gelten, sonst sei die Sache obsolet. Das Dumme ist: Die Deutsche Welle kann sich den Deal nicht leisten. Die ARD kam zuletzt auf 5,76 Milliarden Euro aus dem Rundfunkbeitrag, die DW hat einen Jahresetat von rund 380 Millionen Euro, der direkt vom Bund kommt.

          Bei der DW hat man ausgerechnet, dass der Verdi-Deal pro Jahr einen hohen einstelligen Millionenbetrag mehr kostet als eine „nur“ einprozentige Steigerung der Betriebsrenten. Vor 1993 eingestellte Mitarbeiter auf Hauptabteilungsleiterebene erhielten eine Betriebsrente von 6000 Euro, nach 1993 eingestellte noch 2400 Euro, wohingegen Berufsanfänger mit neuen Verträgen am Ende gerade mal 640 Euro hätten.

          Diese Schieflage zwischen langjährigen und jüngeren Mitarbeitern will die DW nicht mitmachen, und darf es auch nicht, hält sie sich doch an das Gebot, ihre Mitarbeiter nicht besser als die des öffentlichen Dienstes zu stellen, deren Renten nur um ein Prozent steigen. Das Verhalten insbesondere von Verdi sei „skandalös“, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Deutschen Welle, Peter Clever: „Das ist Sozialpolitik paradox. Die Luxusversorgten werden zu Lasten der jungen Mitarbeiter bevorteilt. Wir müssen bei der Altersversorgung auf Generationengerechtigkeit achten.“ In weniger als zwanzig Jahren hat sich der Anteil am Etat, den die Welle für die Altersversorgung aufbringen muss, von sechs auf vierzehn Prozent erhöht. Anfang September stehen Gespräche zwischen DW und Gewerkschaften an. Bleiben diese bei ihrem Junktim, stünden die Sender und die Beitragszahler allerdings im Regen: Dann gälte der jetzige Vertrag weiter, der eine Steigerung der Betriebsrenten parallel zu den Gehältern vorsieht.

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