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„Die Brücke“ im ZDF : So eine umständliche Vorgehensweise

  • -Aktualisiert am

Muss tief blicken: Polizistin Saga Norén (Sofia Helin) ermittelt in einer Mordserie. Bild: ZDF und Carolina Romare

Hinter der Fassade hockt die Familie: Die skandinavische Krimiserie „Die Brücke“ geht im ZDF in eine starke dritte Runde. Vor allem die neue Besetzung ist ein großer Coup.

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          Im Frühsommer 2014, kurz vor den geplanten Dreharbeiten in Kopenhagen und Malmö, teilte der dänische Schauspieler Kim Bodnia mit, für eine dritte Staffel der Krimiserie „Die Brücke“ nicht zur Verfügung zu stehen. Bodnia konnte nichts mit dem Drehbuch anfangen. Er kritisierte die Rolle, die dem von ihm gespielten Kommissar Martin Rohde im dritten Teil zugedacht war, und so begann man sich auszumalen, was das für die neuen Folgen der „Brücke“ bedeuten würde. Der Geschichte um das dänisch-schwedische Ermittler-Duo Martin Rohde und Saga Norén - eine Blonde mit senfgrünem Porsche, die emotionslos auftritt, da sie unter dem Asperger-Syndrom leidet - schien der Empathie-Faktor abhandenzukommen. Wenn nicht gar mehr. Von Sonntag an kann man nun sehen, dass die Befürchtung unbegründet war.

          Wir erinnern uns: Staffel zwei endete damit, dass Martin Rohde, ein psychisches, im Mundwinkel zuckendes Wrack, durch einen Fingerzeig seiner Kollegin Norén hinter Gitter gebracht wurde. Freundschaft ist zwar Freundschaft, doch selbst Mord an einem Mörder ist Mord. Das hätte bei einer Fortsetzung mit Bodnia eigentlich nur zu Gefängnisszenen führen können, wie es sie ähnlich schon gab, als Martin den inhaftierten Mörder seines Sohnes August besuchte, oder zu irgendeinem unglaubwürdigen Kniff, der Martins Rückkehr an die Seite Sagas gestattet hätte. Nun bleibt Martin unsichtbar im Knast - und die Aufmerksamkeit konzentriert sich auf die von Sofia Helin gespielte Saga Norén. Für eine Staffel, die sich neben dem aktuellen, wie eine Hommage an den klassischen Schwedenkrimi aufgezogenen Fall für die Familiengeschichte Saga Noréns interessiert, ist das eine glänzende Voraussetzung. Nach und nach, heraufbeschworen durch das Auftauchen ihrer Mutter, die vom Sterben des Vaters berichtet und Tagebücher ihrer Schwester ablädt, wird Norén eine Entwicklung durchlaufen, die in den letzten Momenten mit Martin schon angelegt war: Ihre rationale, krankhaft aufrechterhaltene Fassade wird brüchig, der verwundete Mensch tritt hervor.

          Die Chemie stimmt

          Und was ist so ein Mensch, wenn die Familie nur enttäuscht, belastet, zerbricht oder nicht funktioniert? Die dritte Staffel der „Brücke“ beginnt nicht von ungefähr mit einer Leiche, die kunstvoll in Szene gesetzt wurde - herzlos hockt sie zwischen Schaufensterpuppen, die der Mörder wie eine Puppenhaus-Familie beim Abendbrot aufgebaut hat. Die Tote, Mitgründerin einer Kinderwunschklinik, hinterlässt sowohl einen erwachsenen, als Soldat in Afghanistan traumatisierten Sohn, wie eine Ehefrau nebst kleinerem Kind. Die Ermordete ist das Hassobjekt einer Helikopter-Mutter, die der eigenen Tochter den Faustkampf für die Schule beibringt und als Video-Bloggerin den Verfall traditioneller Werte anprangert.

          Wobei wir sehr bald auch einen Pokerspieler kennenlernen, der mit seiner schwangeren Frau vom eigenen Häuschen träumt, einen Pfarrer, der Homo-Ehen ermöglicht, einen Einzelgänger, der Vogelspinnen liebkost, Kunstliebhaber, Familienunternehmer. Und einen Glückscoach, der seinen siechen Vater umbringt.

          Vor allem treffen wir aber auf den Dänen Henrik Sarbroe: einen stillen, den Schlafrhythmus nur noch mit Pillen steuernden Familienvater, der nächtens auf das Netzwerk einer Single-Börse zurückgreift (Saga: „So eine umständliche Vorgehensweise sollte mindestens mit Sex enden.“) und sich, als der Mord wieder eine dänisch-schwedische Zusammenarbeit notwendig macht, als neuer Partner Noréns herausstellt. Gespielt wird er von Thure Lindhardt.

          Diese Besetzung ist ein ganz großer Coup, und das nicht nur, weil die Chemie zwischen Sarbroe und Norén sofort stimmt. Vielmehr schafft Lindhardt durch seine konzentrierte, aber auch mühevoll kontrollierte Art das Erstaunliche: Statt uns darüber zu ärgern, schon wieder einen nordischen Ermittler mit Seelenknacks präsentiert zu bekommen, wächst der Kerl uns ans Herz. Das mitreißende Finale der dritten Staffel lässt keinen anderen Schluss zu: „Die Brücke“ braucht einen Teil vier.

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