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Amerika lacht über Trump-Gags : Die besten Witze kommen aus Washington

  • -Aktualisiert am

Zeigt Bein: Melissa McCarthy als Trumps Pressesprecher Sean Spicer. Bild: NBC

Seit Donald Trump im Weißen Haus ist, feiern Komödianten in Amerikas Fernsehen ein Fest. Alec Baldwin bringt als Trottel-Präsident das Publikum in Fahrt. Und Melissa McCarthy ist als Sean Spicer unwiderstehlich.

          Dass Alec Baldwin der bessere Trump ist, scheint längst entschieden. Wenn der Schauspieler die rotblonde Perücke aufsetzt und das karottenfarbene Make-up auflegt, um bei der Comedy-Show „Saturday Night Live“ (SNL) den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten zu parodieren, schalten von Woche zu Woche mehr Amerikaner den Fernseher ein. Während Trump mit Einreiseverboten, Mauerbau und erfundenen Ermittlungen von FBI und NSA zur angeblich von Barack Obama veranlassten Lauschaktion gegen ihn selbst hartgesottene Anhänger zunehmend vor den Kopf stößt, wächst die Fangemeinde seines Nachahmers Baldwin stetig. Zwei Monate nach dem Amtseid sitzen fast elf Millionen Amerikaner regelmäßig vor dem Fernseher, um sich von Baldwins Trump unterhalten zu lassen.

          Die Metamorphose des 58 Jahre alten Emmy-Preisträgers brachte „Saturday Night Live“ die höchsten Einschaltquoten seit mehr als zwanzig Jahren. Baldwins Sketche über Trumps Fernsehdebatten mit Hillary Clinton („Ich liebe Kinder so sehr, dass ich sie heirate“) oder die Versuche des republikanischen Präsidenten, Außerirdische als illegale Einwanderer festzunehmen, haben inzwischen Kultstatus.

          Mehr als Unterhaltung

          Beobachter vermuten hinter dem Zuspruch mehr als nur Unterhaltungbedürfnis. Der Politikwissenschaftler Larry Sabato sieht Baldwins Trump als eine Art Signalfeuer, das den Zuschauern während der chaotischen und polarisierenden ersten Monate des neuen Präsidenten Orientierung bietet. „Die Menschen, die Trump ablehnen, teilen ein großes Bedürfnis nach Gemeinschaft. Sie können sie bei einer Versammlung auf der Straße finden oder auch bei einer Sendung wie ,Saturday Night Live‘“, sagte Sabato.

          Die Frisur sitzt: Alec Baldwin als Donald Trump.

          Nach Baldwins Erfolg als 45. Präsident der Vereinigten Staaten legten die Produzenten der Comedy-Show bereits nach. Die Schauspielerin Melissa McCarthy darf regelmäßig Sean Spicer, den Pressesprecher des Weißen Hauses, der Lächerlichkeit preisgeben. Die Komikerin Kate McKinnon imitiert Trumps blonde Beraterin Kellyanne Conway, während der SNL-Stammdarsteller Beck Bennett den russischen Präsidenten Wladimir Putin als hemdlosen Einfaltspinsel porträtiert. „Die Leute brauchen einen Präsidenten, der eine bestimmte Richtung verfolgt und das Land voranbringt. Trump ist aber jemand, der die Leute verunsichert und ihnen Angst macht. Das ist das Letzte, was ein Präsident tun sollte“, erklärte Baldwin den Reiz der SNL-Doppelgänger in einem Interview mit dem australischen Sender „ABC“.

          Der sogenannte „Trump bump“ treibt auch auf die Einschaltquoten anderer Sendungen in die Höhe. Die „Late Show“ des Moderators Stephen Colbert ließ Jimmy Fallons „Tonight Show“ zum ersten Mal hinter sich, als Colbert in den Tagen nach Trumps Einzug ins Weiße Haus die sarkastisch unterlegte Sorge um Amerika zu seinem Markenzeichen machte. Die Sendung „Real Time with Bill Maher“, eine Mischung aus Comedy und politischer Diskussionsrunde des Bezahlsenders HBO, zählt nach bissigen Kommentaren über „President Man-Baby“ fast 40 Prozent mehr Zuschauer als im vergangenen Jahr. „Wir erleben so viel verdammten Wahnsinn, dass sich drei Wochen Trump anfühlen wie fünf Jahre Nixon“, schwadronierte Maher. Verbalattacken sonder Zahl ließen die Quoten in den vergangenen Monaten auch für Moderatoren wie Trevor Noah („The Daily Show“), Samantha Bee („Full Frontal“) und Jake Tapper („The Lead“) in die Höhe schnellen. Als Spitzenreiterin gilt aber Rachel Maddow. Die Moderatorin des linksliberalen Nachrichtensenders MSNBC zog im vergangenen Monat etwa doppelt so viele Zuschauer vor den Fernseher wie im Februar 2016. Auch sie schreibt den „Trump-Schub“ dem Bedürfnis vieler Amerikaner zu, sich in der Zeit des Umbruchs einer Bewegung anzuschließen. „Das schlägt sich in einer Welle von Bürgerinteresse und Engagement nieder“, sagte Rachel Maddow der „New York Times“.

          Ein Mann, kein Hemd: Beck Bennett als Wladimir Putin in „Saturday Night Live“.

          Der Fernseher als einigendes Band hat in den Vereinigten Staaten Tradition. Als das Land Ende der sechziger Jahre von Bürgerunruhen, der Ermordung Martin Luther Kings und Protesten gegen den Vietnam-Krieg erschüttert wurden, suchten die Amerikaner „Comic relief“ bei satirischen Sendungen wie „The Smothers Brothers Comedy Hour“ und „Rowan’s & Martin’s Laugh-In“. Der Drehbuchautor Lorne Michaels, der damals Sketche für die Serie „Laugh-In“ schrieb, entwickelte für den Sender NBC einige Jahre später auch „Saturday Night Live“. Heute produziert der Zweiundsiebzigjährige die Comedy-Show, die Trump als schlecht informierten, narzisstischen Clown darstellt.

          Wenig überraschend provoziert Baldwins Parodie den echten Präsidenten immer wieder zu bösen Tweets. „Die Nachrichten bei NBC sind schon schlimm, aber ,Saturday Night Live‘ ist das Schlimmste, was der Sender zu bieten hat. Nicht lustig, fürchterliche Besetzung. Wirklich schlechtes Fernsehen!“, wetterte der Politikanfänger im Weißen Haus. Die Einschaltquoten scheint Trump vor lauter Wut wohl übersehen zu haben.

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