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„Die Arktis-Mission“ im Kika : Kinder in der Kälte

  • -Aktualisiert am

Die arktische Gefahr: Immer wieder führt der Weg von (von links) Johanne, Johannes, Elias, Erika und Aleksander an gefährlichen Eisrinnen entlang. Bild: SWR/Beta Film

In der Kika-Serie „Arktis-Mission“ reisen Kinder zum Nordpol. Die dreizehnjährige Norwegerin Johanne Jerijærvi war dabei. Ein Gespräch über Vorbereitung, Kälte und die Schönheit des Eises.

          Wie bist Du zu der Kinder-Reality-Show „Oppdrag Nansen“ gekommen, die der norwegische Rundfunk, NRK, produziert hat, und die bei uns „Arktis-Mission“ heißt?

          Man konnte sich in einem Video bewerben, und das habe ich gemacht – wie ungefähr sechshundert andere junge Norweger auch. Am Ende wurden vier von uns ausgewählt. Damals war ich zwölf, bei der Tour dann 13 Jahre alt.

          Was bedeutete der Nordpol damals für Dich?

          Ich komme zwar aus Kirkenes in Nordnorwegen, aber bis zum Nordpol ist es ja selbst von dort noch ziemlich weit. Was dachte ich? Was man eben so denkt: ein Punkt im Nichts, ein Ort im Eis, den nur wenige Leute mit eigener Kraft erreicht haben, Eisbären. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie schön es dort ist. Wie viele Farbschattierungen das Eis hat.

          Für die Vorbereitungen hattet Ihr ein halbes Jahr Zeit. Wie hast Du die Zeit genutzt?

          Ich habe trainiert, um Kraft aufzubauen, und an vier oder fünf Tagen die Woche große Touren gemacht, bei denen ich einen Autoreifen hinter mir herzog. Dabei hat mich mein Vater begleitet. Er hat mir kaum Zeit zu Pausen gegeben. „Am Nordpol kannst Du auch keine Pause machen“, hat er gesagt. Ich hatte den Reifen – er hatte keinen.

          Und als es endlich soweit war, wie lief die Tour zum Nordpol ab?

          Wir wurden ins Camp Borneo gebracht, das relativ nah am Nordpol liegt. Von dort ging es dann per Helikopter noch ein Stück weiter. Die restlichen 110 Kilometer mussten wir und das Filmteam per Ski hinter uns bringen. Wenn man es so dahinsagt, klingt es fast leicht: sechs Tage auf Skiern. Aber es ist fürchterlich kalt und windig. Wir liefen acht Stunden pro Tag, mit einer Pause pro Stunde. Und wir sind ja Kinder, keine Erwachsenen. Einen Tag mussten wir wegen eines Sturmes im Zelt bleiben.

          Auf dem Flug im Helikopter fiebern Johanne, unsere Gesprächspartnerin, (links) und Erika den Abenteuern am Nordpol entgegen.

          Worüber habt Ihr unterwegs gesprochen?

          Man kann nicht viel sprechen, wenn man unter diesen Umständen in einer Reihe hintereinanderläuft. In den Pausen haben wir eher darüber geredet, wie müde wir sind. Aber natürlich haben wir bei der Reise auch viel gelernt.

          Was denn zum Beispiel?

          Wie sich das Klima verändert. Während wir bei dem Sturm im Zelt lagen, auf dem Eis, trieb unsere Scholle 18 Kilometer weit ab. Da ist mehr Bewegung drin als früher, das Eis wird dünner. Und es war bei den Messungen auch viel dünner als wenige Jahre zuvor, als einer unserer Begleiter, ein Polarforscher, am Nordpol Messungen machte. Wir haben aber auch ganz andere Dinge gelernt: Wie gehen Nordpol-Abenteurer aufs Klo? Die Antwort: mithilfe einer Pinkel-Flasche.

          Für das norwegische Fernsehen dürfte auch die politische Botschaft im Vordergrund gestanden haben.

          Das Politische ist ja auch wichtig. Über unsere Serie lernen Kinder vielleicht, dass der Klimawandel heute stattfindet, nicht irgendwann morgen. Kurz nachdem wir die Flagge am Nordpol gehisst haben, reiste der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-moon nach Spitzbergen, um den Klimawandel in der Arktis zu erleben. Einige von uns durften ihn treffen, und er lud uns zum Klimagipfel nach Paris ein. Dort riefen wir den Politikern zu, dass sie in Sachen Klimaschutz endlich handeln sollen.

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