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TV-Film „Vadder, Kutter, Sohn“ : Witzfiguren im Watt

  • -Aktualisiert am

Vater packt das schon: Knud (Axel Prahl) transportiert seinen Sohn Lenny (Jonas Nay) ab. Bild: ARD Degeto/Georges Pauly

Hoch im Norden wird nicht viel geredet. Vor allem nicht in den Komödien, welche die ARD von dort zeigt. Etwas mehr Text mit Hintersinn hätten wir Axel Prahl und Jonas Nay in „Vadder, Kutter, Sohn“ aber schon gewünscht.

          Alles ist gesagt. Zu allem und jedem. Kommunikation im Küstennebel ist kurz und ohne Umschweife. „Ah, Mensch!“ „Jo, nee.“, „Und nu?“ „Ach so, nee, sonst gerne.“ „Muss dann auch ma wieder.“ So geht das hier oben. Es sei denn, es passiert ein Unglück. In diesem Fall trägt es den Namen „Tante von der Kreisverwaltung“. Die nämlich will der Ehre der Dithmarscher Seebären an die Muschel. Weil sie das Shanty-Gekrächze des Altherrenchors unter Leitung des schlitzohrigen Krabbenfischers Knud Lühr (Axel Prahl) als „drittklassig“ eingestuft hat, ist der Bundespräsidenten-Orden zum (erfundenen) hundertjährigen Chorjubiläum in Gefahr. Da gärt es unter den Zauseln.

          Just zu diesem Zeitpunkt taucht Knuds Sohn wieder auf, der vor Jahren zum Unmut des obertüddeligen Senioren-Krabbenfischers Addi (Peter Franke) – „Du hast vergessen, wo du herkommst, das tut weh“ – in die mondferne Haarmodestadt Hamburg ausgebüxte Lenny (Jonas Nay). Eine Verlorener-Sohn-Geschichte also. Dass mit dem Salon des Hamburger „Starfrisörs“ etwas im Argen liegt, riecht man gegen den steifen Wind, zumal Lenny zunächst einen Lutscher und dann Hochprozentiges überheimlich einsteckt.

          In seiner alten Heimat, in der die Achtziger nie geendet haben, trifft der Rückkehrer auf die Neue seines Alten, die herzige Nadja (Judith Rosmair), sowie eine Reihe ehemaliger Bekannter, darunter die zugeneigte Merle (Anna von Haebler). Mit viel Heimatblues und etwas Gezänk werden im Schatten der Windräder alle alten und neuen Krisen gemeistert, sogar die delikate Haarscheren-Panik des Helden. Natürlich steht am Ende ein umjubelter Auftritt der knuffigen Seichtmatrosen, die mit ihren abgedroschenen Traditionen – „keen Fruenslüt“ – ebenso reinen Tisch gemacht haben wie Knud mit seinem auf Lug und Trug gebauten Leben.

          Lars Jessen, der gefühlvolle Ulkregisseur aus Kiel, hat neben einigen „Tatort“-Schmunzelfolgen, der Staubsaugervertreter-Miniserie „Der letzte Cowboy“ (2016), dem Verlierer-Epos „Jürgen – Heute wird gelebt“ (2017) und mancher „Mord mit Aussicht“-Episode schon einige nordirrlichternde Heimatkomödien vorgelegt, die vor allem etwas für Liebhaber des Trockenwitzes sind: „Am Tag als Bobby Ewing starb“ (2005), „Dorfpunks“ (2009), „Fischer fischt Frau“ (2011) oder „Fraktus“ (2012). Einiges davon entstand in Zusammenarbeit mit den sagenhaft talentierten Doppelkornochsen Rocko Schamoni und Heinz Strunk. Diesmal ist „Element of Crime“-Gitarrist Jakob Ilja mit von der Partie, keine schlechte Wahl.

          Und doch ist Jessens neuer Küsten-Streifen nach einem Buch von Volker Krappen besonders bräsig geraten, handlungstechnisch noch unbeholfener als der müde übern Deich hoppelnde Film „Die Schimmelreiter“ (2008), in dem ebenfalls Axel Prahl als Kauz im Kreis Dithmarschen zu sehen war. Natürlich spielt die Handlung, die fast schon Nicht-Handlung ist, hier gar keine Rolle. Alles dreht sich vielmehr ums Setting, um das würzig Regionale, weshalb viel im Dialekt genuschelt und geträllert wird. Lennys Kinderzimmer wurde so liebevoll authentisch hergerichtet wie der Tante-Emma-Laden mit der Dorfnymphomanin hinterm Tresen. Uke Bosse, ein Computerspielexperte, der auch genauso aussieht (und deshalb nebenbei als Comedian arbeitet), gibt eine Art Hein Blöd mit Brille.

          Aber gerade weil es ein reiner Stimmungsfilm ist, hätte mehr Zurückhaltung bei den Klischees gutgetan: Sturköppe in der Provinz, die letztlich doch die glücklicheren Menschen sind, das hatten wir schon allzu oft. Prahl und Nay immerhin sind als Vater-Sohn-Gespann trotz dröger Bucheinfälle (etwa rund um ein Banjo) ziemlich charmant und glaubhaft, weil beide eher unterspielen als auftrumpfen. Kein großer Film, aber ein Fischbrötchen für zwischendurch.

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