https://www.faz.net/-gqz-9dtvf

Die AfD und die Medien : Von welcher Revolution träumt die „Alternative“?

Wenn es nach der AfD-Fraktion im Hochtaunuskreis geht, sind das noch die milderen Methoden: Blick auf das mit rechten Parolen beschmierte Redaktionsgebäude der „Lausitzer Rundschau“ in Spremberg. Bild: dpa

Auf Facebook schreibt die AfD-Fraktion im Hochtaunuskreis von „bekannten Revolutionen“, in denen „irgendwann die Funkhäuser sowie die Presseverlage gestürmt“ wurden. Für Journalisten gilt also: Mit der AfD ist nicht zu spaßen.

          1 Min.

          Die AfD ist ganz nah dran – an den Leuten, die in Chemnitz auf die Straße gehen, Fremdenhass verbreiten und Demokratie und Staat herausfordern. Und sie ist ganz nah bei denen, die „Lügenpresse“ brüllen und Journalisten bedrängen. So hat die AfD-Fraktion im Hochtaunuskreis, wie die „Frankfurter Neue Presse“ notiert, jetzt bei Facebook mit Blick auf die Berichterstattung der „Tagesthemen“ gepostet: „Zu Beginn einer Revolution haben die Staatsberichterstatter noch die Chance, sich vom System abzuwenden und die Wahrheit zu berichten! Bei uns bekannten Revolutionen wurden irgendwann die Funkhäuser sowie die Presseverlage gestürmt und die Mitarbeiter auf die Straße gezerrt. Darüber sollten die Medienvertreter hierzulande einmal nachdenken, denn wenn die Stimmung endgültig kippt, ist es zu spät!“ Dafür, dass die Stimmung „kippt“, tut die AfD einiges.

          So wie manche Linke (auch Medien) Schwierigkeiten damit haben, Gewalt zu verurteilen, wenn sie von Linksextremen kommt. So wie bei manchen das Tötungsdelikt in Chemnitz als Auslöser der Aufmärsche kaum der Erwähnung wert ist, befeuert die AfD das Selbstermächtigungsdenken der Rechtsextremen. Sie reden von „Revolution“, meinen aber die Abschaffung der Demokratie.

          Welche Revolution schwebt der AfD denn vor? Die französische, die Oktoberrevolution, die kubanische, die chinesische Kulturrevolution oder vielleicht die „Islamische Revolution“ der Ajatollahs? Journalisten auf die Straße zerren zu wollen, klingt danach und nicht nach der (gescheiterten) Revolution anno 1848, die von Demokraten getragen wurde. Die AfD verwirrt die Begriffe, wie wir es von ihr kennen, und testet aus, wie weit sie gehen kann. Der Deutsche Journalisten-Verband will sie vom Verfassungsschutz beobachten lassen. „Für die AfD sind wir Journalisten der Gegner“, sagt der DJV-Chef Frank Überall. Das ist nicht erst seit der Einlassung der AfD im Hochtaunuskreis klar.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Weitere Themen

          Wie die Ibiza-Falle zuschnappte

          Serie über Österreich-Skandal : Wie die Ibiza-Falle zuschnappte

          Sky hat den Skandal, der Österreichs FPÖ/ÖVP-Regierung zu Fall brachte, zu einer Serie gemacht. Sie erzählt die Geschichte aus Sicht des Anwalts, der die Strippen zog. Das sorgt für einen ganz bestimmten Twist.

          Topmeldungen

          Alltag in modernen Werkhallen : Arbeiterklasse 4.0

          Der klassische Blaumann hat vielerorts ausgedient. Doch auch in der High-End-Fertigung heißt es „Arbeiter bleibt Arbeiter“. Sechs Beschäftigte schildern ihren Alltag in modernen Werkhallen.
          Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki am Dienstag in Europäischen Parlament in Straßburg

          Justizstreit mit Polen : Folgt nun der Showdown im Europäischen Rat?

          In Brüssel treffen sich die Staats- und Regierungschefs zu ihrem ersten Treffen, seit Polen den Vorrang von EU-Recht ausgesetzt hat. Deutschland dringt auf Dialog mit Warschau. Andere suchen die Konfrontation.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.