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Diana-Interview : Lug und Trug und Vertuschung auf höchster Ebene

Diana 1995 in London Bild: AFP

Der Skandal um das Interview, das sich der Reporter Bashir 1995 mit Prinzessin Diana erschlich, erschüttert die BBC. Jetzt wird ein tiefgreifender Wandel verlangt.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          Als die „Mail on Sunday“ im April 1996 enthüllte, dass der BBC-Journalist Martin Bashir sich mit Hilfe von gefälschten Dokumenten Zugang zu Prinzessin Diana verschaffte hatte, um sie zu dem inzwischen berühmt gewordenen „Panorama“-Interview vom 20. November 1995 zu überreden, sendete eine hohe Stelle der Rundfunkanstalt eine Mitteilung an die Redaktionen führender Nachrichtensendungen aus: „Wenn jemand nach Bashir fragt, lautet die offizielle Linie: ‚Das ist uninteressant‘.“ Dieser Linie blieb die BBC fünfundzwanzig Jahre lang treu. Nun wirft der unabhängige Bericht des ehemaligen Richters Lord Dyson Bashir Betrug und der BBC „zynische Verschleierung“ vor.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Damit ist nicht nur der Ruf des einst gefeierten Martin Bashir ruiniert. Hundert Jahre nach der Gründung ist das Ansehen einer Institution, die in aller Welt als Vorbild für die wichtigsten Gebote journalistischer Ethik dient, stark beschädigt. Es geschieht in einer Ära von Fake News, in der „der öffentlich-rechtliche Rundfunk und eine freie Presse noch nie so wichtig gewesen sind“, wie Prinz William in seiner für das britische Königshaus beispiellosen Intervention hervorhob; als er die BBC für ihre Lügen und die Kommerzialisierung eines falschen Narrativs tadelte. Lord Grade, einst Vorsitzender der BBC, sieht in dem Skandal den Beweis, dass das jetzige System nicht funktioniere und fordert einen tiefgreifenden Wandel. Plattitüden, wie sie die BBC in ihrer Entschuldigung ausspreche, reichten nicht aus. Die Regierung, die die BBC ohnedies wegen vermeintlicher Voreingenommenheit im Visier hat, erwägt weitere Veränderungen der Unternehmensführung. Premierminister Johnson äußerte sich „natürlich sehr besorgt“. Kulturminister Dowden twitterte, „der Bericht deckt vernichtendes Versagen im Kern der BBC auf“. Selbst der eigene Medienkorrespondent des Senders bezeichnete den Umstand, dass der Öffentlichkeit, der die BBC diene und von der sie finanziert werde, Informationen vorenthalten worden seien, als „erschütternden Verrat“ an den Gründungsprinzipien. „Kabinettsminister, so ziemlich jede Titelseite, Talk-Radiosender, das Schlachthaus der sozialen Netzwerke, der künftige König Großbritanniens und sein Bruder stehen alle gegen die BBC in einer Reihe.“ Das sei für eine auf öffentliche Zuneigung und Respekt angewiesene Organisation ein „schrecklicher“ Zustand, sagte Amol Rajon.

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