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PR-Rat rügt Wikipedia : Da fehlt es an Transparenz

Wikipedia Deutschland wird vom Deutschen Rat für Public Relations gerügt. Bild: picture-alliance/dpa/Jens Büttner

Der Deutsche Rat für Public Relations rügt Wikipedia Deutschland. Dem Online-Lexikon mangele es an Transparenz, Absender seien nicht ausreichend gekennzeichnet, lautet der Befund.

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          Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) hat eine Rüge gegen Wikipedia Deutschland ausgesprochen. Das Selbstkontrollorgan der PR-Branche hält fest, dass es der Online-Enzyklopädie an Transparenz und Absenderkennzeichnung mangele: „Für den Leser“ sei „nicht auf den ersten Blick erkennbar, ob die Beiträge von den Autoren auf Eigeninitiative oder im Auftrag von Dienstleistern erstellt wurden“. Dies widerspreche dem Transparenzgebot des Deutschen Kommunikationskodexes und dem Gebot zur Absendertransparenz der Online-Richtlinie des DRPR.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Vorausgegangen ist der Rüge ein langer Diskussionsprozess. Der PR-Rat hatte Wikipedia vor knapp einem Jahr gemahnt und eine Rüge angekündigt, sollten die Richtlinien „zur Kennzeichnung bezahlter Autorentätigkeit“ nicht bis zu diesem Frühjahr geändert werden. Der Public-Relations-Rat verlangt „Absendertransparenz im direkten Kontext und a priori“. Wikipedia hingegen setze auf die „Freiheit“ der Autoren. Erst im Nachhinein finde eine Kontrolle durch die Community statt. In Sachen Absenderkennung werde auf Autorenprofile, Diskussionsseiten oder die Zusammenfassung der Änderungen eines Beitrags verwiesen. Nach dem Dafürhalten des PR-Rats muss der Absender „in unmittelbarer Nähe eines Beitrags im Internet, idealerweise auf den ersten Blick erkennbar“ sein.

          In der Online-Richtlinie des Public-Relations-Rats heißt es dazu: „Unternehmen bieten immer häufiger in Zusammenhang mit ihren Produkten und darüber hinaus Content nicht nur auf der eigenen Homepage, sondern auf unterschiedlichen, oft themenbezogenen Webseiten an. Es reicht hier nicht, dass der Absender über ein Corporate Design oder eine Nennung im Impressum zu erkennen ist, sondern dieser muss immer auf der ersten Seite ohne weiteres Scrollen auffällig erkennbar sein. Sind Gruppen oder Initiativen der Absender, so muss dies ebenfalls auf der ersten Seite erkennbar sein.“

          Im Beschluss des PR-Rats kann man nachlesen, dass sich der Justitiar der Wikimedia Foundation, Jacob Rogers, einer Diskussion über Transparenz-Standards gegenüber offen zeigte. Zwar dürfe bei Wikipedia jemand veröffentlichen, der von dritter Seite dafür bezahlt werde, doch habe er akkurat, neutral im Ton und mit Quellenangaben zu arbeiten. Werbung und Marketing seien nicht erlaubt, mangelhafte Darstellungen würden markiert und von der Community entfernt. Wer sich dem verweigere, werde geblockt und schließlich ganz ausgeschlossen. Dass dieses Prozedere den Anforderungen des Public-Relations-Rats nicht genügt, wurde in der deutschen Wikipedia-Community zwar diskutiert, zu einer Einigung kam es aber nicht.

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