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Deutscher Fernsehpreis : Die Lachnummer endet mit Schrecken

Oliver Pocher und Cindy von Marzahn moderierten den Deutschen Fernsehpreis im vergangenen Jahr: Es war der Tiefpunkt Bild: dpa

Den Deutsche Fernsehpreis gibt es nur noch einmal. Dann ist er Geschichte. Damit endet eine von Skandalen geprägte Dekade. Doch was kommt jetzt? Die Beteiligten sollten das ganze System in Frage stellen.

          Der Deutsche Fernsehpreis hat schon für viel Aufregung gesorgt, jetzt ist er passé. Am 3. Oktober dieses Jahres wird er zum letzten Mal verliehen. Das wurde FAZ.NET auf Anfrage von den Sprechern der beteiligten Sender bestätigt. ARD, Pro Sieben Sat.1, RTL und ZDF haben den Gesellschaftsvertrag, den sie zur Ausrichtung des Deutschen Fernsehpreises geschlossen haben, gekündigt. Mit dem Deutschen Fernsehpreis ist es aus, doch gebe es die Absicht, sich über einen gemeinsam verliehenen neuen Preis für die Branche zu verständigen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Man sei sich „einig, dass es weiterhin eine Form geben soll, in der hervorragende Leistungen für das Fernsehen gewürdigt werden können. Wie dies in Zukunft erfolgen kann, wird das Thema gemeinsamer Beratungen sein,“ teilte das ZDF auf Anfrage von FAZ.NET mit. Man wolle „die Zeitspanne bis zur Preisverleihung 2014 nutzen, um Alternativen zum bisherigen Konzept des Deutschen Fernsehpreises zu entwickeln und zu bewerten.“ Im „Fall der Fortsetzung werde „eine Beibehaltung des Standortes Köln angestrebt.“

          Reich-Ranicki nahm den Preis nicht an

          Heftige Kritik begleitete den Deutschen Fernsehpreis seit Beginn seines Bestehens im Jahr 1999. Legendär ist der Wutausbruch von Marcel Reich-Ranicki, des einstigen Literaturchefs der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, als er 2008 den Ehrenpreis der Stifter verliehen bekommen sollte – er nahm ihn nicht an. Dass die Preisverleihung eine unwürdige Veranstaltung gewesen sei, befand seinerzeit auch Elke Heidenreich in der F.A.Z.

          Marcel Reich-Ranicki lehnte den Fernsehpreis im Jahr 2008 ab

          Doch war dies nicht die einzige Gelegenheit, bei welcher der Deutsche Fernsehpreis kritisiert wurde. Jahr um Jahr wurden die Kategorien verändert, die Privatsender waren sauer, weil sie fast keine Preise bekamen, die Öffentlich-Rechtlichen, weil Genres ausgezeichnet wurden, die bei ihnen gar nicht als preiswürdig gelten. In der Branche schließlich gab es Widerstand, als der Deutsche Fernsehpreis nicht mehr für die einzelnen Gewerke – Regie, Kamera, Schnitt, Kostüme  – ausgelobt wurde, sondern nur noch für Filme, Teams und Schauspieler. 2010 entstand die Idee, einen alternativen Fernsehpreis zu vergeben, die Akademie für Fernsehen richtete ihn im vergangenen Jahr erstmals aus.

          Peinlich für jeden

          Als die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises im vergangenen Oktober dann auch noch zum Fiasko wurde – Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher moderierten den von Pro Sieben Sat.1 turnusgemäß ausgerichteten Abend weg wie eine Resteversteigerung im Ramschladen, war den Sender klar: So kann es nicht weitergehen.

          „Wir haben es geschafft, einen Preis zu vergeben, den weder die Branche noch das Publikum will,“ sagt einer der Beteiligten. Bei den Sendern wurde klar, dass sie eine riesengroße Lachnummer veranstalteten – peinlich für alle Beteiligten, peinlich als Darstellung des deutschen Fernsehens insgesamt.

          Im November setzten sich die Sender zusammen. Es war eine dem vernehmen nach stürmische Debatte, deren Ergebnis lautete: Wir kündigen (jetzt bis zum Februar) den Vertrag und reden über etwas Neues. Es müsse alles anders werden, hört man von den Beteiligten. Doch wie das aussehen soll, das steht noch in den Sternen – auch ob der neue Preis unbedingt in Köln verliehen werden muss, was für die dort beheimateten Sender RTL und WDR und für die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen eine Standortfrage von größter Bedeutung ist - für Pro Sieben Sat.1 und das ZDF aber nicht.

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