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Deutscher Fernsehpreis : Das müssen die Zuschauer sehen!

Barbara Schöneberger moderierte nicht nur, sondern wurde auch selbst ausgezeichnet. Bild: dpa

Beim Deutschen Fernsehpreis bleibt die Branche unter sich, übertragen wird die Gala von den Sendern nicht mehr. Das ist ein Jammer, weil Barbara Schöneberger wahnsinnig witzig moderiert. Sie bekommt dafür einen Preis. Auch sonst treffen viele Auszeichnungen die Richtigen.

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          Wäre Barbara Schöneberger ein Mann, sie hätte im deutschen Fernsehen keine Chance. Und nicht nur dort bekäme sie Probleme. Denn was sie an schrägen Bemerkungen im Laufe eines Abends vom Stapel lässt – da käme bei fünf Euro pro Gag mit Anzüglichkeitsgarantie in die Machokasse ein hübsches Sümmchen zusammen. Allerdings versteht sich Barbara Schöneberger auf die Kunst, sich zunächst und vor allem über sich selbst lustig zu machen. Sie ist schlagfertig, sie hat das richtige Timing und Ausdauer. Was bei einer Vier-Stunden-Veranstaltung wie der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am Mittwochabend auf den Rheinterrassen in Düsseldorf nicht ganz unwichtig ist. Doch vom ersten Auftritt an, bei dem Barbara Schöneberger neben einem Nachbau des „Stars Wars“-Androiden R2-D2 steht und sich als R2-Doppel-D vorstellt, zeigt sie, warum die Leute sie mögen und sie längst einen Preis verdient hat. Den bekommt sie dann auch, ohne dass jemand Einspruch erhöbe - als beste Unterhaltungsmoderatorin.

          Reportage aus dem „Nazidorf“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Und auch sonst darf man sagen, dass die Jury des Deutschen Fernsehpreises sich die Richtigen ausgeguckt und den Mut bewiesen hat, nicht immer einfach die üblichen Verdächtigen oder Arrivierten auszuzeichnen. So gewann die Vox-Serie „Club der roten Bänder“ einen Preis, so wurde Jonas Nay für seine Rollen in „Deutschland 83“ und „Tannbach“ als bester Schauspieler geehrt, so ging eine Ehrung in der Informationskategorie an den Journalisten Michel Abdollahi, der eine Reportage über das „Nazidorf“ Jamel gedreht hat und so bekam der bislang zu Unrecht nicht mit Preisen überhäufte Regisseur Lars Becker auch eine Trophäe ab.

          Filmemacher Hubertus Koch war in seiner Dankesrede umwerfend ehrlich.
          Filmemacher Hubertus Koch war in seiner Dankesrede umwerfend ehrlich. : Bild: dpa

          Auch dass der Amateur-Filmer Hubertus Koch den mit 15.000 Euro dotierten Förderpreis erhielt ist bemerkenswert. Er hatte aus privater Initiative und auf eigenes Risiko einen Film über den Krieg in Syrien gedreht, „Süchtig nach Jihad“, der im Internet Furore machte. Ein Medienprofi ist er nicht, die Überzeugungskraft seines Films schmälert das nicht. Dass er nicht zur Branche gehört, die ihn da feiert, zeigt sich in Düsseldorf deutlich. Der Preis für ihn, sagt Koch, das sei schon „irgendwie gestört, aber – hätte schlechter laufen können“. Schlechter kommt bei ihm dann das Fernsehen an sich weg, dass ihn aufregt, weil es angesichts der drängenden Probleme der Welt die Leute mit allerlei Belanglosem unterhält. Da bekomme er „das Kotzen“, sagt Koch.

          Hannelore Krafts Laudatio ist bizarr

          Das ist einer der bizarren Momente an diesem Abend. Ein weiterer ist die Laudatio, welche die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf den Ehrenpreisträger Günter Wallraff stellt. Brav liest sie einen Wikipedia-artigen Text über den Enthüllungsjournalisten herunter, bei dem man spätestens an der Stelle unwillkürlich zuckt, an der Hannelore Kraft betont, Wallraff habe stets dafür gesorgt, „dass Dinge nicht unter den Tisch gekehrt werden“. Knapp zwei Wochen nach den zunächst von Polizei und Politik beschwiegenen Angriffen auf Frauen in Köln, mutet das, um es vorsichtig zu sagen, doch etwas seltsam an. Wallraff, sagt Hannelore Kraft noch, sei „ein ungemein streitbarer Genosse“. Damit wäre die politische Umarmungsvereinnahmung perfekt. Die dürfte aber dazu beitragen, dass Wallraff die Anerkennung, die er heute erfährt, langsam etwas suspekt ist. Da ihn nun sogar die „Bild“-Zeitung zum Gewinner des Tages erklärt habe, müsse er sich wohl fragen, was er falsch gemacht habe, sagt Wallraff.

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