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Deutscher Fernsehpreis : Das müssen die Zuschauer sehen!

Der „Ehrenpreis der Stifter“ ging an Enthüllungsjournalist Günter Wallraff.
Der „Ehrenpreis der Stifter“ ging an Enthüllungsjournalist Günter Wallraff. : Bild: dpa

Die Stifter des Deutschen Fernsehpreises – die Sender RTL, Sat.1, WDR und ZDF -, haben indes kaum etwas falsch gemacht. Mit der Entscheidung, die Preisverleihung nicht mehr zu übertragen – sehen wir von der Zusammenfassung in einer halben Stunde auf dem Minisender ARD Festival ab, worüber Barbara Schöneberger auch fortwährend Witze reißt -, bekommt das Ganze eine wohltuende Lockerheit. Für die sorgt nicht zuletzt, dass an diesem Abend Bertolt Brechts Losung „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ in leicht abgewandelter Form gilt: Erst gibt es etwas zu essen, dann gibt es die Preise. Und danach konnten Preisträger und Gäste, so sie denn wollten, Barbara Schönebergers Empfehlung folgen, sich doch gepflegt und komplett „zuzulöten“.

Die Senderchefs spielen „Star Wars“

Wir fragen uns auch, ob der ziemlich witzige Film-Trailer zu diesem Abend entstanden wäre, wenn die beteiligten Darsteller gewusst hätten, dass sie damit ins Fernsehen kommen: In „Klar wars“ Episode sieben über das „Fernsehen der Macht“ sehen wir nämlich Frank Hoffmann und Kaspar Pflüger, die Geschäftsführer von RTL und Sat.1, auf der „dunklen Seite“ des Fernsehens im Kampf gegen die Yedi-Ritter, auf deren Seite der WDR-Intendant Tom Buhrow und sein ZDF-Kollege Thomas Bellut stehen. Besonders Bellut, dessen Gesicht auf die Figur des Yoda montiert wurde, weiß in diesem Kurzfilm zu überzeugen, dem man eigentlich nur ein möglichst großes Publikum wünschen kann – denn hier nimmt sich das deutschen Fernsehen einmal schön selbst auf die Schippe, wie es nicht alle Tage vorkommt.

Alle Tage freilich gibt es auch Vorhersehbares – dass Joko und Klaas für ihr „Duell um die Welt“ einen Preis bekommen; dass Jan Böhmermann einen erhält und dies ebenso für selbstverständlich verdient hält wie das sich seiner Bedeutung für das Abendland gewissen Kabarett-Duo der ZDF-Sendung „Die Anstalt“; dass Sandra Maischberger einen Preis zugesprochen bekommt; dass sich der ARD-Doping-Rechercheur Hajo Seppelt über eine Ehrung freuen darf.

Gruppenbild der Preisträger am Mittwochabend in Düsseldorf.
Gruppenbild der Preisträger am Mittwochabend in Düsseldorf. : Bild: dpa

Und fürs nächste Jahr, fürs nächste Mal, sagt Barbara Schöneberger, nachdem sie noch reichlich Witze auf ihre eigenen Kosten gerissen hat, etwa über die Tatsache, dass man sie an diesem Abend von vorne und von hinten sehe, wofür einiges an Vorbereitung notwendig gewesen sei, schließlich, legen sie dann vielleicht sogar eine Kassette ein, um das Ganze so richtig fürs Fernsehen aufzuzeichnen.

Verdient wäre es, doch kommen wird es dazu nicht – über die frühere Form der Preisverleihung und die anschließende Ausstrahlung im Fernsehen, die ein echter Quotenkiller war, hatten sich die Preisstifter schließlich heillos zerstritten. Danach war der Deutsche Fernsehpreis erst einmal tot. Jetzt ist er wieder da, als Treffen, bei dem die Branche unter sich bleibt und sich selbst feiert. Bisweilen hat sie ja sogar auch Grund dazu.

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Die Preise

Information und Sport

Beste Information: „An der Grenze“

Die Information hat die Jury dem großen Thema der Flüchtlingskrise gewidmet: Der Fernsehpreis geht an „An der Grenze – 24 Stunden an den Brennpunkten der Flüchtlingskrise“ (N24/Welt).

Beste Persönliche Leistung Information: Michel Abdollahi

Unter den TV-Journalisten bzw. -Journalistinnen, die mit Engagement und Haltung überzeugt haben, entschied sich die Jury für Michel Abdollahi und seine Straßenaktionen im Kulturjournal sowie seine Reportage „Im Nazidorf" (NDR).

Bestes Infotainment / Beste Talksendung: „Menschen bei Maischberger“

Beste Dokumentation / Reportage: „Asternweg - Eine Straße ohne Ausweg“ (Vox)

Bester Sportjournalismus: Hajo Seppelt für „Geheimsache Doping“

 

Unterhaltung

Beste Comedy / Kabarett: „Die Anstalt“ (ZDF)

Beste Unterhaltung Primetime: „Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt“ (Pro Sieben)

Beste Moderation Unterhaltung: Barbara Schöneberger (RTL, „Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle“)

Beste Unterhaltung Late Night: „NEO MAGAZIN Royale“ (ZDF)

Bestes Factual Entertainment: „Die Höhle der Löwen“ (Vox)

 

Fiktion

Bester Fernsehfilm: „Nackt unter Wölfen“ (ARD)

Beste Serie: „Club der roten Bänder“ (Vox)

Beste Schauspielerin: Ina Weisse für „Ich will dich“ und „Ein großer Aufbruch“

Bester Schauspieler: Jonas Nay für „Deutschland 83“ und „Tannbach“

Beste Regie: Lars Becker für „Zum Sterben zu früh“ (ZDF)

Bestes Buch: Magnus Vattrodt für „Ein großer Aufbruch“ und „Das Zeugenhaus“

Beste Kamera: Ngo The Chau für „Zum Sterben zu früh“ (ZDF)

Bester Schnitt: Ulf Albert für „Altersglühen“ (ARD)

Beste Musik: Stefan Will und Marco Dreckkötter für „Mordkommission BERLIN 1“ (Sat.1)

Beste Ausstattung: Max Wohlkönig, Matthias Müsse und Tilman Lasch für „Mordkommission BERLIN 1“ (Sat.1)

„Förderpreis“ für Filmemacher Hubertus Koch

„Ehrenpreis der Stifter" für Günter Wallraff

 

Statistik:

Das ZDF erhält insgesamt 7 Preise, die ARD kommt auf 6 Preise, VOX erhält 3 Preise, RTL und SAT.1 erhalten je 2 Preise und je ein Preis geht an ProSieben und N24. Jeweils über 2 Auszeichnungen können sich die Produktionen „Ein großer Aufbruch“, „Zum Sterben zu früh“ und „Mordkommission BERLIN 1“ freuen. Bei den Produktionsfirmen liegen Network Movie mit 4, Wiedemann & Berg mit 3 sowie UFA Fiction mit 2 Nennungen vorn.

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