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Debatte um Tiananmen-Massaker : Deutsche Welle kündigt chinesischer Bloggerin

Das „Tor des himmlischen Friedens“ an der Nordseite des Tiananmen-Platzes Bild: AP

Wer ist verantwortlich für das Massaker auf dem Tiananmen? Die Deutsche Welle kündigt der chinesischen Bloggerin Yutong. Sie wirft dem Sender vor, regimetreuen Stimmen zu großen Raum zu bieten.

          Auf der Website der Deutschen Welle (DW) streiten sich seit Wochen der deutsche Kolumnist Frank Sieren und der chinesische Journalist Chang Ping über das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens; die chinesische DW-Bloggerin Su Yutong wirft dem Auslandssender via Twitter vor, in unangemessener Weise den offiziellen Standpunkt der chinesischen Parteiführung zu verbreiten; der Sender beendet die Zusammenarbeit mit ihr, und in den sozialen Netzwerken mehren sich die Vorwürfe, die DW beschränke die Meinungsfreiheit. In der China-Redaktion der Deutschen Welle geht es derzeit alles andere als friedlich zu.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Ausgangspunkt für den öffentlich ausgetragenen Eklat war die Frage, wer für die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Tiananmen-Platz verantwortlich war. Der in Deutschland lebende Regimekritiker Chang Ping schreibt, dass allein die damalige Regierung des Landes die Verantwortung trage. Frank Sieren hingegen, der seit zwanzig Jahren in Peking lebt und dort eine Film-Produktionsgesellschaft betreibt, sagt: Chang Ping übertreibe, die Ereignisse sollten nicht „einseitig überzeichnet“ werden, und das Jahr 1989 stelle insgesamt einen „Ausrutscher in der neuen chinesischen Geschichte“ dar.

          „Pluralismus der Meinungen“

          Die Bloggerin Su Yutong – auch sie lebt in Deutschland – reagierte mit einem offenen Brief an den DW-Intendanten Peter Limbourg. „Auch wenn Herr Sieren das Gegenteil versichert, können seine Formulierungen nur als Relativierung und Beschönigung der Geschehnisse von 1989 (...) verstanden werden. Sein Beitrag reiht sich ein in viele andere von der DW veröffentlichte, in denen er gleichfalls den offiziellen Standpunkt der Regierung weitgehend übernimmt.“ Su Yutong twitterte außerdem eine Fotomontage, die Sieren auf einem der Panzer zeigt, die auf dem Tiananmen-Platz gegen Demonstranten eingesetzt wurden.

          Der Sender verwahrt sich gegen den Vorwurf, die am Mittwoch bekanntgegebene Trennung von Su Yutong sei politisch motiviert. Die Bloggerin habe Interna veröffentlicht und in unangemessener Weise gegen den Sender agitiert. Über die inhaltliche Ausrichtung der Berichterstattung sagte der DW-Sprecher Johannes Hoffmann der F.A.Z.: „Unser Ziel ist auch auf unserer chinesischen Website ein Pluralismus der Meinungen. Dazu gehören auch Standpunkte, an denen man sich reibt. Bei uns haben natürlich auch die Positionen von Dissidenten ihren Platz, aber nicht ausschließlich.“

          Vor sechs Jahren hatte in der China-Redaktion der DW schon einmal eine Mitarbeiterin ihren Posten verloren. Damals war die Redakteurin Zhang Danhong betroffen. Ihr wurde allerdings zu große Parteinähe vorgeworfen.

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