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Deutsche Welle in China : Sendet jetzt zusammen, was zusammengehört?

Unabhängigkeit als höchstes Gut? Logo der Deutschen Welle in Bonn Bild: picture alliance / Rolf Kosecki

Lifestyle, Kultur und Wirtschaft: Die Deutsche Welle kooperiert neuerdings mit dem chinesischen Staatsfernsehen. Das wirft eine Menge Fragen auf.

          Man möchte meinen, da träfen gegensätzliche Welten aufeinander. So scheint es aber nicht zu sein. Die Pressemitteilung der Deutschen Welle klingt eher nach Routine, nach einem ganz normalen Geschäftsabschluss: „Deutsche Welle: Kooperationen mit chinesischen Sendern vereinbart“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das heißt konkret: Mit dem chinesischen Staatsfernsehen China Central Television (CCTV) wurde „die Zusammenarbeit in verschiedenen Projekten vereinbart, die kulturelle Brücken zwischen beiden Ländern schlagen. Beide Seiten prüfen mögliche Koproduktionen im Bereich Musik und Wirtschaft.“ Der Kultursender SHTV kaufe mehr als hundert Stunden Programm, das die Deutsche Welle produziert hat, ein Kulturmagazin des Senders wird von den Chinesen in „einer adaptierten Ausgabe“ gesendet, und es gibt eine chinesische Fassung eines Lifestyle-Magazins der Deutschen Welle. Kultur, Lifestyle, Wirtschaft, Deutschland und China - das scheint prima zusammenzupassen.

          Leidet die journalistische Kultur?

          Bei einer so lapidar mitgeteilten Kooperation stellt sich im Fall der Deutschen Welle (DW) allerdings die Grundsatzfrage. Der Auslandssender der Bundesrepublik Deutschland, finanziert mit 280 Millionen Euro pro Jahr aus Bundesmitteln, hat schließlich die Aufgabe, „Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat“ verständlich zu machen. Er soll „deutschen und anderen Sichtweisen zu wesentlichen Themen vor allem der Politik, Kultur und Wirtschaft sowohl in Europa wie in anderen Kontinenten ein Forum geben mit dem Ziel, das Verständnis und den Austausch der Kulturen und Völker zu fördern“.

          Kulturförderung ist gut - solange man die eigene journalistische Kultur bewahrt. Und diese steht mit Blick auf die China-Berichterstattung seit Jahren in der Kritik. Der chinesischen Regierung und den chinesischen Staatsmedien - mit denen die Deutsche Welle nun kooperiert - ist sie zu kritisch. Was niemanden verwundert. Chinesischen Oppositionellen, gerade jenen, die nach Deutschland ins Exil gegangen sind, ist sie zu wachsweich.

          Schwamm drüber, die Wirtschaft ist wichtiger

          Inhaltlich schlug sich das zuletzt in einem Disput nieder, den man auf der Website der Deutschen Welle nachlesen kann. Da rieb sich der chinesische Publizist Chang Ping an einem Text des DW-Korrespondenten Frank Sieren zum Massaker vom 4. Juni 1989 auf dem Tiananmen-Platz. Sieren schrieb bei der Deutschen Welle, ebenso wie im „Handelsblatt“, das ihn als Kolumnisten führt, es sei niemandem geholfen, wenn im Westen die Ereignisse „einseitig überzeichnet werden“. Es sei ein „asymmetrischer Gedenktag“, schrieb Sieren im „Handelsblatt“ - viel Beachtung im Westen, wenig in China. „Das Urteil des Westens ist gefällt. Dass Bewährung das Strafmaß mindert und Sippenhaft verboten ist, beides Tugenden unseres Rechtsverständnisses, spielt in diesem Fall keine Rolle.“

          Für die Deutsche Welle textete Sieren ähnlich, die Ereignisse von 1989 erscheinen bei ihm als „Ausrutscher in der neuen chinesischen Geschichte“. Chang Ping, ein Prominenter der chinesischen Dissidentenszene, setzt auf kompromisslose Aufklärung: „Die Menschen wollen die Wahrheit. Nicht, weil sie nicht wissen, ,was passiert ist‘, sondern weil sie gegen die Verfälschung der Geschichte sind und die Erinnerung nicht verblassen lassen wollen.“ Sieren setzt auf ein Einerseits-Andererseits und hat Verständnis dafür, dass die Chinesen nicht permanent mit den Ereignissen von 1989 konfrontiert werden wollten: „Das Vergessen ist auch eine Freiheit der Menschen, die man ihnen nicht nehmen darf. Ebenso wie man das Erinnern nicht verbieten kann, darf man auch das Vergessen nicht verbieten.“

          Der futuristische Neubau des chinesischen Staatsfernsehen CCTV in Peking.

          So ganz trennscharf ist das bei Sieren nicht, vor allem mit Blick darauf, dass es bei der kritischen Debatte über die Verhältnisse in China und - zum Beispiel - über das Massaker von 1989 nicht um „die“ Chinesen, sondern um die Regierung und die herrschende Partei gehen muss. Liest man Frank Sierens Beiträge genauer, offenbart sich eine Haltung, die vielleicht zu einer sogenannten Wirtschaftszeitung passt, die sich der deutsche Auslandsrundfunk aber nicht leisten darf: das Prinzip Schwamm drüber und immer schön an die Wirtschaftsbeziehungen denken.

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