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Deutsche Welle : „Wir sind dort, wo unabhängige Berichterstattung fehlt“

Mit dem Format „Shababtalk“ zu Gast in Sudan: Moderator Jaafar Abdul Karim befragt seine Gäste zum Thema Frauenrechte. Bild: Deutsche Welle

Der Auslandssender „Deutsche Welle“ wurde von der Politik lange stiefmütterlich behandelt. Das hat sich radikal geändert. Im Interview spricht Intendant Peter Limbourg darüber, wie gefährlich die Arbeit der Redakteure im Ausland sein kann.

          Sie sind gerade als Intendant der Deutschen Welle wiedergewählt worden. Der Rundfunkrat hat Sie einstimmig in Ihrem Amt bis 2025 bestätigt. Eine solche Einmütigkeit stimmt fast schon bedenklich.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ich fühle mein Team und mich durch dieses Votum in unserer Arbeit bestätigt. Und ich kann Sie beruhigen – es gab auch zwei Enthaltungen. Aber es ist schon eine schöne Wertschätzung, ohne Gegenstimme eine geheime Wahl zu bestehen.

          Was Ihr Sender macht, den im eigenen Land ja die wenigsten sehen, haben wir jüngst am Beispiel der Talkshow „Shababtalk“ gesehen: Ihr Moderator Jaafar Abdul Karim war mit der Sendung in Sudan zu Gast. Es ging um Frauenrechte, anschließend gab es Morddrohungen gegen den Moderator und gegen Ihren Partnersender. Was unternehmen Sie, damit Ihrem Moderator und seinen Gästen – die Frauen, die mutig das Wort ergriffen haben –, kein Haar gekrümmt wird?

          Wir wägen immer die Risiken ab und halten unsere Gäste über alles informiert. Auch nach der Ausstrahlung bleiben wir weiter in Kontakt mit ihnen, um reagieren zu können, falls das nötig werden sollte. Wir haben in der DW ein Sicherheitsmanagement etabliert, das sich um unsere eigenen Leute, die in gefährlichen Gegenden unterwegs sind, rund um die Uhr kümmert. Wir tun auch gemeinsam mit Jaafar Abdul Karim was nötig und möglich ist, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Es ist eine bedauernswerte Tatsache geworden, dass Journalismus in vielen Teilen der Welt ein gefährlicher Job sein kann.

          Sie hatten intern gerade einen prominenten Fall, der auch mit der arabischen Welt zu tun hat und sich mit dem Stichwort „MeToo“ verbindet. Da ging es um Vorwürfe sexueller Belästigung gegen einen bei Ihnen beschäftigten Moderator, mit dem Sie die Zusammenarbeit beendet haben. Was unternehmen Sie, um so etwas aufzuklären und zu unterbinden?

          Ich bin in den letzten Monaten gemeinsam mit unserer Verwaltungsdirektorin Barbara Massing durch fast alle Abteilungen gegangen und habe direkt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert, was in solchen Fällen getan werden kann und an wen sie sich wenden können. Es gibt zum Beispiel externe Anwältinnen, an die man sich, auch zunächst anonym, richten kann. Wir wollen keine Kultur der anonymen Bezichtigung schaffen, sondern eine, in der Vorwürfe ernst genommen werden und in der man sich nicht davor fürchtet, sich zu äußern. Ich habe einen entsprechenden Brief an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschrieben und wir haben Informationsflyer in allen Sendesprachen verteilt.

          Und der besagte Fall?

          Der Fall, den Sie ansprechen, ist im Zuge dieser vielen Gespräche, es waren mehr als dreißig Termine, an uns herangetragen worden. Die Vorwürfe erschienen glaubwürdig und stichhaltig und wir haben entsprechend gehandelt. Mehr kann ich zu Personen oder welche Redaktion betroffen war, aus juristischen Gründen nicht sagen.

          Als Sie vor fünf Jahren erstmals zum Intendanten der Deutschen Welle gewählt wurden, was für einen Sender haben Sie vorgefunden?

          Das war ein Sender mit vielen guten, motivierten Leuten, dem es aber an einer klaren Strategie mangelte und der auch in der Struktur etwas diffus war. Das war ein Sender, der versuchte, viele Aufträge zu erfüllen und dies schwerlich bewerkstelligen konnte, weil er unterfinanziert war. Das waren die drei Herausforderungen, die wir gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen angepackt haben. Und jetzt sind wir auf einem guten Weg.

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