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Deutsche Welle : „Wir sind dort, wo unabhängige Berichterstattung fehlt“

Der DW-Intendant Peter Limbourg.

Dass die Deutsche Welle mehr Geld brauchte, ist bei der Bundesregierung und im Bundestag offenbar angekommen. In den Jahren zuvor sank der Etat, zuletzt hat er sich merklich erhöht.

Das ist angekommen. Als ich anfing, lagen wir bei einer Grundförderung von 272 Millionen Euro im Jahr, jetzt kommen wir auf einen Etat von 326, im nächsten Jahr 350 Millionen Euro. Das ist im Verhältnis aber nun auch nicht so wahnsinnig viel, wenn Sie etwa auf die Etats in Frankreich oder Großbritannien schauen. Wir müssen einen Investitionsstau, etwa in unsere technische Infrastruktur, aufholen. Aber wir haben eine Perspektive, weiter zu wachsen. Was wichtig ist, weil unsere Aufgaben auch wachsen in einer Medienwelt, die von globalen Konflikten und Krisen, Terror, Propaganda und dem Wirken von Autokraten geprägt ist. Das Geld für die Deutsche Welle ist gut angelegt.

Über Jahrzehnte war bei der Deutschen Welle die Grundsatzfrage: Ist es die deutsche Stimme in der Welt, oder ist es auch eine Stimme für die Deutschen in aller Welt, also quasi ein Auslands-Heimatsender. Die Frage hat sich inzwischen erledigt, oder?

Diese Frage ist entschieden. Unser Sender ist die deutsche Stimme in der Welt. Selbstverständlich versorgt unser deutsches Programm auch Deutsche im Ausland. Das steht aber nicht im Zentrum unseres Auftrags. Mehr als 95 Prozent unserer Nutzer sprechen nicht Deutsch, informieren sich aber bei uns über Deutschland und Europa und sie wollen wissen, was wir aus ihrer Region berichten. Das bedingt, dass wir in vielen Sprachen senden, von Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch bis hin zu Kisuaheli und Urdu. Englisch ist mit Deutsch die Hauptproduktionssprache, aber Arabisch und die afrikanischen Sprachen sind für uns ebenfalls von großer Bedeutung. Denken Sie nur an die Informationsleistung, die wir in den verschiedenen Ländern zum Thema Migration erbringen können. Das schlägt sich nieder. Wir haben die Nutzung der Programme in den letzten Jahren um sechzig Prozent gesteigert.

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Wie groß ist das Publikum, das Sie erreichen, denn tatsächlich?

Vor fünf Jahren hatten wir 101 Millionen Nutzer pro Woche – damit meine ich nicht die technische Reichweite, sondern die reale Reichweite. Wir sind mittlerweile bei 162 Millionen Nutzern pro Woche.

Sie sind da ziemlich ehrgeizig. In Ihrer Aufgabenplanung steht, Sie wollten bis 2021 210 Millionen Nutzer haben. Kommt bei solchen Plänen Ihre Herkunft vom Privatfernsehen durch?

Ich würde das nicht komplett abstreiten. Ich bin damit groß geworden, dass man mit Programmen erfolgreich sein, also das Publikum erreichen muss. Für die Deutsche Welle geht es um Relevanz und Wirkung, aber die erzielen wir nur, wenn wir auch eine gewisse Reichweite haben.

Sie setzen dabei vor allem auf das Internet.

Wir müssen uns bemühen, im Haus Silos abzubauen, also die Trennung zwischen Fernsehen, Radio und Netz. Die Digitalisierung ist für uns von enormer Bedeutung, gerade um junge Menschen zu erreichen. Die digitale Welt ist für uns keine Nische. Das führt dazu, dass wir viele neue Formate haben, mit denen wir zum Beispiel auf Youtube sehr erfolgreich sind. Wir machen Facebook-Radio live in Afrika.

Sie konzentrieren sich auf bestimmte Weltregionen – Asien, Afghanistan, Arabien, Afrika, Süd- und Lateinamerika, Russland, Ukraine, Türkei.

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