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DW-Intendant Peter Limbourg : Ich will nur allen zeigen, was auf dem Spiel steht

Erklärt, was er bezwecken will: Der Deutsche-Welle-Intendant Peter Limbourg Bild: dpa

Das englische Nachrichtenangebot wird ausgeweitet, das deutsche eingeschrumpft. Verkürzt die Deutsche Welle die deutsche Sprache? Der Intendant Peter Limbourg macht eine andere Gleichung auf. Ein Gespräch.

          Sie sorgen mit der Drohung für Wirbel, das deutsche, spanische und arabische Fernsehprogramm der Deutschen Welle müsse in bisheriger Form eingestellt werden, wenn die Deutsche Welle nicht mehr Geld bekommt. Ist das wirklich so?

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Für mich ist das keine Drohung. Ich zeige auf, was realistisch ist, wenn sich unsere Finanzierung nicht verbessert. Wir sind im Dialog mit der Politik. Ich möchte verdeutlichen, was auf dem Spiel steht. Wir wollen nicht, dass diese Szenarien eintreten. Wir wollen sie verhindern. Aber jeder muss wissen, was bei uns auf dem Spiel steht.

          Im kommenden April starten Sie mit „DW News“. Das sieht schon komisch aus: Englisch kommt, Deutsch und andere Sprachen gehen – im Fernsehangebot der Deutschen Welle.

          Das ist kein neues Programm, sondern die Ausweitung des bestehenden englischen Nachrichtenangebots. Es heißt dann „DW News“, bleibt aber der englische Kanal der Deutschen Welle. Wir setzen nicht nur auf Englisch, wir wollen Englisch stärken. Wir haben dreißig Sprachen im Angebot und die wollen wir gerne alle erhalten. Das Deutsche wollen wir nicht aufgeben. Man muss in Zeiten des digitalen Wandels aber auch darüber sprechen, wie man Menschen am effektivsten erreicht. Sie können ja im Ausland, wenn Sie wollen, Ihre Lieblingsprogramme aus Deutschland meist auf verschiedenen Wegen empfangen.

          Das heißt, klassisches Fernsehen ist gar nicht mehr so wichtig, weil Sie die meisten Nutzer über das Internet erreichen?

          Wir erreichen mehr als neunzig Prozent unseres Publikums über die Fremdsprachenangebote. Sehr viele Nutzer unserer deutschen Angebote erreichen wir im Internet. Dort bieten wir zum Beispiel auch Sprachkurse an. Von daher hat die Bedeutung des linearen deutschsprachigen Fernsehprogramms abgenommen. Die Frage, ob man es macht, ist eine kulturelle, eine politische Frage. Die muss man beantworten. Ich bin dafür, dass wir es machen. Aber man muss wissen: Die Hauptaufgabe der Deutschen Welle ist es, Menschen in ihren Sprachen zu erreichen. Das ist, vor allem außerhalb Europas, in den seltensten Fällen Deutsch.

          Haben Sie die Reaktionen auf Ihr, sagen wir mal – Gedankenspiel – unterschätzt? Der Protest ist groß. Es gibt eine Liste von inzwischen 180 Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft, die Ihre Idee kritisieren.

          Ich habe das nicht unterschätzt. Mir war klar, dass ein solches – wie Sie es nennen – Gedankenspiel, Reaktionen auslöst. Ich finde es sehr bemerkenswert und freue mich darüber, wie viele Kulturschaffende und andere Menschen sich mit der Deutschen Welle beschäftigen. Für die Deutsche Welle ist es wichtig, dass sich die Menschen hierzulande für die Aufgaben ihres Auslandssenders interessieren.

          Also ist das eine Versuchsanordnung, ein Wink mit dem Zaunpfahl für den Deutschen Bundestag, der sich gestern mit den Plänen für die Zukunft der Deutschen Welle befasst hat?

          Das ist keine Versuchsanordnung. Das ist ein Beitrag zur Diskussion, zur Klarheit. Wir haben als Geschäftsleitung eine Verantwortung und sehen für die Jahre ab 2016 eine große Deckungslücke. Man muss einfach sagen: Dadurch, dass wir seit 1998 so radikal heruntergespart worden sind und wir gleichzeitig so viele Aufgaben übernehmen müssen und die Erwartungen an uns so hoch sind, muss für eine strukturell gute Finanzierung gesorgt werden. Wir haben jedes Jahr Kostensteigerungen, allein durch Tariferhöhungen, die nicht ausgeglichen werden. Es hat uns insofern sehr geholfen, dass der Deutsche Bundestag uns für 2014 und 2015 zusätzliche Projektmittel bewilligt hat. Die Finanzausstattung muss aber dauerhaft verlässlich verbessert werden.

          Wie hoch müsste der Etat der Deutschen Welle denn sein, damit Sie zufrieden sind? 272 Millionen Euro sind es im Augenblick, aufgrund von Sondermitteln im nächsten Jahr 294 Millionen Euro.

          Es geht hauptsächlich darum, dass die jährlichen Kosten- und Tarifsteigerungen ausgeglichen werden. Ich möchte Ihnen keine exakte Zahl nennen, weil jedes Jahr andere Steigerungen anfallen. Ich möchte verhindern, dass wir bei jeder Tarifsteigerung, die in einem solchen öffentlich-rechtlichen Haus ganz natürlich ist, jedes Mal ins Programm einschneiden müssen. Wir kommen in eine Schieflage. Ich bin daher Staatsministerin Monika Grütters, dem Parlament und unseren Gremien sehr dankbar für ihre große Unterstützung, in dieser Frage zu einer guten Lösung zu kommen. Es geht schließlich um die Grundsatzfrage, wie konkurrenzfähig Deutschlands Auslandsrundfunk sein soll – gerade in Zeiten, in denen viele andere Staaten massiv in ihre Auslandsmedien investieren.

          Die Deutsche Welle ist das mediale Aushängeschild der Bundesrepublik. Was Sie machen, ist von großer medienpolitischer Bedeutung. Zuletzt sind Sie kritisiert worden wegen der Projekte, die Sie mit dem chinesischen Staatsfernsehen CCTV vorhaben. Der Vorwurf lautet: Sie kommen dem chinesischen Staatsfernsehen, der chinesischen Sicht der Dinge, zu weit entgegen.

          Wir kommen dem chinesischen Staatsfernsehen oder der chinesischen Regierung inhaltlich überhaupt nicht entgegen – im Gegenteil. Wer unser chinesisches Angebot, die Themen und Beiträge einmal aufruft, der sieht: Wir bleiben sehr kritisch gegenüber der chinesischen Regierung. Ich bin aber zugleich ein Freund des Dialogs, auch mit Partnern, die schwierig sind. Was wir vorhaben, ist eine Kooperation im Kulturbereich, ein gemeinsames Projekt beim Beethovenfest Bonn, bei einer Tour des Bundesjugendorchesters mit einer chinesischen Komponistin. Wir halten das für einen guten, ersten Schritt, um auszuloten, wie eine Zusammenarbeit möglich ist. Wir sind nicht der einzige deutsche Sender, der so etwas vorhat. Andere Sender haben schon sehr viel engere Kooperationen mit CCTV, auch bei sensiblen Themen.

          Mit der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ haben Sie sich aber überworfen. Die wirft Ihnen vor, dass die Kooperation mit dem chinesischen Staatsfernsehen zu weit geht.

          Ich habe mich mit niemandem von „Reporter ohne Grenzen“ überworfen. Die RoG-Geschäftsführung hat uns bisher nicht erklären können, warum ich aus dem Kuratorium von „Reporter ohne Grenzen“ ausscheiden sollte, während andere, die mit CCTV weitaus engere Beziehungen haben, das nicht tun sollen. Ein Überwerfen mit „Reporter ohne Grenzen“ sehe ich überhaupt nicht. Wir haben weiterhin ein gemeinsames Anliegen und werden weiter, wo es geht, eng mit der Organisation zusammenarbeiten und sie fördern.

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