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Deutsche Welle zu Serbien : Wie man einen Krieg umschreibt

Die Sendezentrale der Deutschen Welle in Bonn. Bild: dpa

Das serbische Programm der Deutschen Welle erinnert an den Beginn des Kosovo-Krieges vor zwanzig Jahren. Wie? Indem es Korrespondenten deutscher Zeitungen Kriegslüsternheit unterstellt.

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          Am Sonntag jährt sich der Beginn dessen, was als Kosovo-Krieg in die Geschichte einging, zum zwanzigsten Mal. Die Bombardierung Jugoslawiens (genauer: Serbiens und Montenegros) währte gut zehn Wochen, vom 24. März bis zum 9. Juni 1999. Am Ende waren große Teile der serbischen Infrastruktur zerstört, und wie in jedem Krieg waren auch Zivilisten getötet worden. Im April 1999, als bei einem Nato-Angriff auf einen Personenzug sechs Menschen ihr Leben verloren, kam es erstmals zu einem „Kollateralschaden“, wie die versehentliche Tötung von Zivilisten in den Verlautbarungen der westlichen Allianz zynisch genannt wurde.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Das Ergebnis des Krieges war eindeutig. Serbiens Truppen mussten aus dem Kosovo abziehen. Seit 2008 ist das Kosovo ein unabhängiger Staat, wenn auch nur von einem Teil der Staatengemeinschaft anerkannt. Nicht beendet ist die Schlacht um politische Einordnung des ersten Angriffskrieges in der Geschichte der Nato. Auch die Deutsche Welle hat anlässlich des Jahrestags einen Beitrag dazu geleistet.

          Unter der Überschrift „Wie Bomben gedruckt wurden“ heißt es dazu im Einstieg: „Vor 20 Jahren zogen die Deutschen in den ersten Krieg seit Hitler – in die Bombardierung Jugoslawiens. Begleitet wurden sie dort(hin) von kriegslüsternen Zeitungskommentatoren.“ Das ist wahrlich bemerkenswert. Denn lässt sich die Überschrift viel anders verstehen als so, dass vor zwanzig Jahren „kriegslüsterne Zeitungskommentatoren“ einen Krieg herbeigeschrieben haben? Auch der einleitende Bezug zu Hitler ist zumindest seltsam, insinuiert er doch eine Kontinuität von 1945 zu 1999. Glaubt man das wirklich in Bonn?

          Und wer sind eigentlich die lüsternen Kommentatoren, die 1999 nach Bomben lechzten? Im Text werden acht Namen genannt: Matthias Rüb, damals Balkankorrespondent dieser Zeitung, Norbert Mappes-Niediek (der mit einem Text aus der „Zeit“ zitiert wird), Stephan Israel („Frankfurter Rundschau“), Andrej Ivanji („taz“), Walter Mayr („Spiegel“), Cyrill Stieger („Neue Zürcher Zeitung“) sowie Peter Münch und Josef Joffe („Süddeutsche Zeitung“). Was nicht genannt wird, sind die im Einstieg avisierten kriegslüsternen Kommentare.

          Das ist kein Wunder, denn die genannten Journalisten haben 1999 analysiert, berichtet, beschrieben, gewiss auch mal geirrt. Kriegshetze aber haben sie nicht betrieben. An keiner Stelle führt die Deutsche Welle Passagen an, die sich in diesem Sinne qualifizieren ließen. Es sei denn, man wollte im Jahre 1999 gemachte Feststellungen, dass der serbische Gewaltherrscher Slobodan Milošević wohl nur mit Gewalt zu besiegen sei, dass also nach den Kriegen in Bosnien und Kroatien, nach der Zerstörung Vukovars, dem Srebrenica-Massaker sowie anderen Verbrechen weitere Verhandlungen nicht mehr helfen werden, „kriegslüstern“ nennen. Vom Deutschland-Korrespondenten des serbischen Staatssenders RTS ist die „großartige journalistische Arbeit“ der Deutschen Welle jedenfalls prompt gelobt worden. Das ist freilich kein Wunder, wenn man weiß, dass RTS ganz auf der Linie des serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić liegt, der 1999 Miloševićs „Informationsminister“ war.

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