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Freedom of Speech Award : Deutsche Welle ehrt Journalisten in der Corona-Krise

  • Aktualisiert am

Der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg Bild: dpa

Mit ihrem Freiheitspreis zeichnet die Deutsche Welle Journalisten aus, die in besonderer Weise für die Pressefreiheit einstehen. In diesem Jahr geht die Ehrung nicht an eine bestimmte Person. Das hat seinen Grund.

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          Normalerweise ehrt die Deutsche Welle mit ihrem Freiheitspreis „Freedom of Speech Award“ bestimmte Journalisten. In diesem Jahr hält der deutsche Auslandssender es anders. Er widmet den Preis, der zum heutigen Tag der Pressefreiheit vergeben wird, allen Journalisten weltweit, die wegen ihrer Berichterstattung über die Corona-Pandemie unter Druck gesetzt und verfolgt werden.

          „Wir zeichnen alle unsere Kolleginnen und Kollegen aus, die in diesen schwierigen Zeiten mit Gewalt daran gehindert werden, ihre Arbeit zu tun“, sagte der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, in Berlin. „Die Deutsche Welle fordert, dass alle Journalisten weltweit, die wegen ihrer Berichterstattung über die Corona-Krise verhaftet wurden, unverzüglich freigelassen werden.“

          Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und ehemalige Präsidentin Chiles, Michelle Bachelet, ist die diesjährige Laudatorin. In der Corona-Krise“, sagte sie in einer Videobotschaft, brauchten die Menschen mehr denn je „einen freien Informationsfluss“ und Zugang zu Informationen. Regierungen brauchten Informationen, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, die Öffentlichkeit brauche genaue Informationen über die Pandemie und müsse „in die Entscheidungen, die in unserem Namen getroffen werden, einbezogen werden“. Dies erhöhe „das Verständnis der Menschen für die Maßnahmen, die ergriffen werden, und verstärkt deren Einhaltung.“ In diesem Zusammenhang sei es „schockierend, dass Journalisten wegen ihrer Berichterstattung über die Pandemie angegriffen, bedroht, verhaftet, wegen falscher Verbrechen angeklagt werden und sogar verschwinden. Das sind Angriffe auf die Medienfreiheit und Angriffe auf das Recht der Öffentlichkeit, informiert zu werden.“

          Den Freiheitspreis Freedom of Speech Award vergibt die Deutsche Welle seit 2015. Die bisherigen Preisträger sind der Blogger Raif Badawi (2015), der seit fast acht Jahren in Saudi-Arabien inhaftiert ist, Sedat Ergin (2016), ehemaliger Chefredakteur der türkischen Zeitung „Hürriyet“, die White House Correspondents' Association in den Vereinigten Staaten (2017), der iranische Politikwissenschaftler Sadegh Zibakalam (2018) sowie die mexikanische Investigativjournalistin und Autorin Anabel Hérnandez (2019).

          Auf die Frage, wie sich die Situation für die Mitarbeiter der Deutschen Welle weltweit derzeit darstelle, nannte der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur als Beispiele: „In Ghana wurde ein Journalist, der für die Deutsche Welle berichtet hat, durch eine Sicherheitskraft verprügelt.“ Er erwähnte auch einen Fall aus Uganda, wo ein Moderator für 24 Stunden in ein Gefängnis gekommen sei.

          „Wir wollen da ein deutliches Zeichen setzen, dass trotz der Verantwortung, die Journalisten haben, und trotz dieses Virus wir auf die Pressefreiheit beharren müssen, denn die ist auch ein Mittel, um Leben zu retten. Denn wenn Regierungen alles falsch machen, dann muss auch die Presse in der Lage sein, das zu beleuchten und Bürger zu informieren“, sagte Limbourg.

          Unlängst hatte die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) die Situation in vielen Ländern angeprangert. Populistische und autoritäre Machthaber missbrauchten die Corona-Pandemie für eine weitere Einschränkung der Pressefreiheit. So wirft ROG etwa China massive Verletzungen der Pressefreiheit vor. In der Corona-Krise habe die ganze Welt „die Auswirkungen der fast totalen chinesischen Nachrichtenkontrolle“ zu spüren bekommen, schrieb „Reporter ohne Grenzen“. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind in China mehrere Bürgerjournalisten verschwunden.

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