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Deutsche Welle : Die Welt zu Gast beim Sender

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Die Weltkarte hängt zwar im Internationalen Handelszentrum Berlin, aber passt auch zur Deutschen Welle: Die Lichter strahlen von Deutschland aus. Bild: Jens Gyarmaty

Die Deutsche Welle ist der Auslandsrundfunk der Bundesrepublik. Die Zeiten, in denen sie nur im Ausland empfangbar war, sind aber vorbei. Sie hat einen Auftrag, den es heute auch im Inland zu erfüllen gilt.

          Deutschland leistet sich in Gestalt der Rundfunkanstalt „Deutsche Welle“ – wie andere Länder auch – einen sogenannten Auslandsrundfunk. Dem deutschen Rundfunkrecht liegt bis heute die Vorstellung zugrunde, dass man Inlands- und Auslandsrundfunk klar trennen könne und die Abgrenzung zwischen dem von ARD-Landesrundfunkanstalten und ZDF betriebenen Inlandsrundfunk und dem von der Deutschen Welle (DW) wahrgenommenen Auslandsrundfunk nach dem sogenannten Territorialprinzip zu erfolgen habe. Das kam bis 2004 auch in der gesetzlichen Aufgabenumschreibung der DW zum Ausdruck, „den Rundfunkteilnehmern im Ausland ein umfassendes Bild des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland“ zu vermitteln.

          Diese Territorialperspektive war bei näherem Hinsehen zugleich eine Exportperspektive, da es darum ging, von Deutschland aus ins Ausland auszustrahlen und ein „travelling of information and ideas“ zu bewirken. Zielgruppe der DW-Angebote in dreißig Sprachen sind dabei insbesondere jene Menschen im Ausland, die der deutschen Sprache nicht oder nur unzureichend mächtig sind.

          Austausch der Kulturen

          Dass eine solche territoriale Exportperspektive unter den Bedingungen einer kommunikativ näher zusammenrückenden Welt zu eng war, wurde dem Bund als für den Auslandsrundfunk zuständigen Gesetzgeber zunehmend klar, so dass er sich veranlasst sah, den Funktionsauftrag bei der Novelle des DW-Gesetzes im Jahre 2005 neu zu umschreiben: „Die Angebote der Deutschen Welle sollen Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich machen. Sie sollen deutschen und anderen Sichtweisen zu wesentlichen Themen vor allem der Politik, Kultur und Wirtschaft sowohl in Europa wie in anderen Kontinenten ein Forum geben mit dem Ziel, das Verständnis und den Austausch der Kulturen und Völker zu fördern. Die Deutsche Welle fördert dabei insbesondere die deutsche Sprache.“

          Es geht also, so kann man es auf den Punkt bringen, nicht mehr um Export, sondern darum, das Verständnis und den Austausch der Kulturen und Völker zu fördern, also um kommunikatives Sich-Begegnen, um Interaktion statt um einseitiges Einwirken in ein nach wie vor „fern“ gedachtes Ausland. Inzwischen ist die Welt aber nicht stehengeblieben, sondern Deutschland sieht sich – wie andere Länder auch – den Prozessen der Globalisierung und einer massenhaften transnationalen Migration ausgesetzt, eine Entwicklung, die nicht ohne Rückwirkung auf Auftrag und Funktion des Auslandsrundfunks bleiben kann und dazu zwingt, das Territorialprinzip als Abgrenzungskriterium zwischen Inlands- und Auslandsrundfunk auf den Prüfstand zu stellen. Der Grund ist ebenso einfach wie einleuchtend: Das Territorialprinzip denkt in klaren Grenzen, Globalisierung und transnationale Migration dagegen sind von ihrer Funktionslogik her grenzrelativierend und grenzüberschreitend.

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