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ZDF verfilmt Ken Follett : Säulenheilige sind sie alle nicht

Eine Liebe mit Hindernissen: Maisie (Laura de Boer) ist in Hugh Pilaster (Dominic Thorburn) verliebt Bild: dpa

Tragendes Element ist die Ausstattung: Das ZDF verfilmt Ken Folletts „Die Pfeiler der Macht“ – und plaziert sie in einem opulenten Zweiteiler zwischen „Downton Abbey“ und „Rosamunde Pilcher“.

          So sieht das also aus, wenn das ZDF sich an einer Sonderausgabe von „Downton Abbey“ versucht: London im Jahr 1866, dunkle Gassen in der verdreckten Großstadt und erbarmungswürdige Gestalten in heruntergekommenen Behausungen gegen gediegenes Ambiente in den Herrschaftshäusern, Promenaden in prächtigen Kostümen im Park; schwere Schicksale, Drama, Tragik und Tod, große Gefühle.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das schaut ein wenig aus wie „Oliver Twist“ oder die Geschichte des Mr. Scrooge und ist ein Fest für Dramaturgen, Ausstatter, für die Kamera und die digitale Bildbearbeitung, die Kulissen schafft, die tatsächlich nach good old England aussehen. Fehlt nur noch eine Liebesgeschichte à la Jane Austen, fertig ist Rosamunde Pilcher in historisiert. Wobei die Vorlage in diesem Fall von dem britischen Schriftsteller Ken Follett stammt. Seinen 1994 erschienenen Roman „Die Pfeiler der Macht“ hat das ZDF als Zweiteiler verfilmt.

          Bis man das gesamte Personal, das in zweimal neunzig Minuten aufläuft, beisammenhat, dauert es allerdings seine Zeit. Denn die Familie des Bankhauses, von dessen Auf- und Niedergang in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in dem von der wirtschaftlichen Depression geschüttelten England der Schriftsteller Ken Follett in seinem sechshundert Seiten starken Roman erzählt, ist umfangreich. Da gibt es Hugh Pilaster (Dominic Thorburn), den Helden der Geschichte, dessen Vater sich gerade erschossen hat und der nun quasi als nicht von jedem freundlich begrüßtes Findelkind in die Dynastie aufgenommen wird. Die führt der alte Seth Pilaster (Rolf Hoppe) mit methodistischer Strenge. Sein Sohn Joseph (Thorsten Merten) führt die Geschäfte redlich, aber ohne Esprit. Über den wiederum verfügt der andere Sohn Samuel (Axel Milberg), der jedoch als Homosexueller denunziert und verstoßen wird. Josephs Frau Augusta Pilaster

          Opulentes Kostümfernsehen mit großer Besetzung

          Sie arrangiert alles, damit ihr Sohn Edward (Daniel Sträßer) das Bankhaus übernimmt, wozu der versnobte und faule Lebemann eigentlich ganz und gar nicht befähigt ist. Seine kleine Schwester Clara (Maria Dragus) hingegen hat etwas auf dem Kasten, rebelliert gegen das strenge Regime und wird schließlich mit Hugh - von Augusta und Edward ausgespielt - nach Amerika gehen. Bei seiner Rückkehr kann Hugh dann der Sippe seine Frau Nora (Yvonne Catterfeld) vorstellen. Von Beginn an und immer noch und immer weiter verliebt ist Hugh allerdings in Maisie Robinson (Laura de Boer), die aus ärmsten Verhältnissen stammt und ihre Geschwister vor dem Hungertod bewahren muss, bis sie schließlich - obwohl sie Hugh liebt - dessen Freund Solly Greenbourne (Albrecht Abraham Schuch) heiratet, den reichsten Mann Londons. Wie sich die unglückliche Liebesgeschichte fortsetzt, kann man sich denken.

          Alle auf einem Haufen: „Die Pfeiler der Macht“ dreht sich um die Londoner Bankiersfamilie Pilaster

          Dies ist nur die Kurzvorstellung der wichtigsten Personen des Pilaster-Clans, dessen Name einem angesichts des Roman- und Filmtitels als Kalauer dünkt. Aber hier dreht sich eben alles um „Pfeiler“ und um die Architektur - die der Familie, der Bank und die der englischen Klassengesellschaft mit den oberen Zehntausend aus dem Industrie- und Handelsadel und der verarmten Masse der Arbeiterschaft. Die Breite der Sittengemälde, die Ken Follett in seinen Historien-Büchern ausmalt, macht für seine Leser wohl den Reiz der Lektüre aus. Im Film muss das notwendigerweise anders gestaltet werden. Die eine oder andere Figur von Follett taucht nicht auf, der einen oder anderen ergeht es nicht so wie im Roman, und schließlich blicken wir nach dem Drehbuch von Annette Simon weniger auf das große Ganze, auf das England und das verdreckte London des Jahres 1866, mit dem die Geschichte beginnt, sondern vor allem auf die Liebesgeschichte: Maisie und Hugh und Solly, eine Frau zwischen zwei Männern. Kommt uns diese Konstellation aus dem Fernsehen nicht irgendwie bekannt vor?

          Der Regisseur Christian Schwochow hat schon einige großartige Stücke hingelegt (zuletzt „Bornholmer Straße“) und auch bewiesen, dass er große Vorlagen bewältigen kann (Uwe Tellkamps „Der Turm“). Aber mit „Die Pfeiler der Macht“ musste er wohl auf Nummer sicher gehen, um dem ZDF einen Zweiteiler zu bescheren, der auch ins Vorweihnachtsprogramm gepasst hätte: opulentes Kostümfernsehen mit großer Besetzung (aus der Jeanette Hain als Oberintrigantin heraussticht), ab und an Dialogwitz und schließlich eine seifenopernartige Lovestory. Ein paar Längen hat das Ganze allerdings auch.

          Die Pfeiler der Macht läuft heute und Mittwoch, jeweils um 20.15 Uhr, im ZDF.

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