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ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler : Von unserem Angebot kann Netflix nur träumen

Netflix und Amazon tun so, als hätten sie Fernsehen neu erfunden und zeigten Filme und Serien, die die Welt noch nicht gesehen hat, besser als alles, was die traditionellen Sender in petto haben, interessanter und besser produziert.

Es steckt einfach viel Geld drin, das bedeutet aber noch nicht gleich gutes Programm. Amazon sagt: Wir machen Fernsehen, um die Kunden länger auf unserer Plattform zu halten, damit sie am Ende mehr einkaufen. Das ist Mittel zum Zweck. Dabei kommt ab und zu auch Gutes heraus, was uns anspornt. Für uns als ZDF kommt es darauf an, gutes deutsches und europäisches Programm zu gestalten, das in den Erzählformen, Figurenbeschreibungen und in der Dramaturgie weltweit mithalten kann. Von „Morgen hör ich auf“ soll es eine zweite Staffel geben, ebenso setzen wir „Ku’damm 56“ und „Tannbach – Schicksal eines Dorfes“ fort. Dazu kommt eine Reihe von neuen Programmen. Ich nenne einmal allen voran: „Berlin 74 – Same Sky“, eine spannende Spionagegeschichte aus dem Kalten Krieg mit Ben Becker, Sofia Helin, Tom Schilling, modernem Look, internationaler Vermarktung, sehr sehenswert.

Und warum soll „Berlin 74“ im ZDF besser funktionieren als das beim Publikum ziemlich durchgefallene „Deutschland 83“ bei RTL?

Auch wenn ich den Tag vor dem Abend lobe: Ich habe alle Folgen der Serie bereits gesehen und kann nur sagen: Das ist ein packendes Programm.

Rüsten Sie auch bei ZDFneo auf? Ich dachte, der Sender geht angesichts des neuen „Jungen Angebots“, das ARD und ZDF gemeinsam gestalten, auf Sparflamme.

Im Gegenteil. Es gibt erste Synergien zwischen dem „Jungen Angebot“ und ZDFneo. Wir kaufen gemeinsam internationale Serien an, die bei ZDFneo laufen und dann beim „Jungen Angebot“ ins Netz gestellt werden, als da wären: „Outcast“, „Wayward Pines“ und „Fargo“. Mit diesen Serien richten wir uns an ein Publikum im Alter von Mitte zwanzig bis Mitte dreißig, hier gibt es also eine Überschneidung. Alle anderen Programme von uns für das junge Angebot richten sich ausschließlich an Jugendliche und junge Erwachsene: Info-, Wissenschafts-und Comedyprogramme.

Habe ich richtig verstanden: Sie produzieren eigens neu für ZDFneo?

Wir bauen das fiktionale Programm für die Zielgruppe der Dreißig- bis Fünfzigjährigen weiter aus. Das erste große Projekt heißt „Tempel“ – eine Serie, die in Berlin spielt und sich mit dem befasst, was man Gentrifizierung nennt: Ein junger Mann, gespielt von Ken Duken, kämpft mit seiner Familie – seine Frau sitzt im Rollstuhl – darum, nicht aus dem Haus vertrieben zu werden. Er hat auch beruflich Schwierigkeiten und gleitet zurück in ein mafiöses Boxermilieu, in dem er sich einst herumgetrieben hat. Das ist in jeder Hinsicht fürs Hauptprogramm tauglich, aber eben nur für ZDFneo gemacht. Das fiktionale Programmprofil von ZDFneo werden wir deutlich verstärken: mit eigenen Dramaserien, Krimis und Sitcoms. Das ist der Plan für die nächsten drei Jahre. Das bedeutet, dass ein Batzen Geld in Richtung dieses Programms wandert. Europäische Koproduktionen kommen auch, die Serien „Tabula rasa“ und „Chaussée d’Amour“, die mit belgischen Partnern entstanden sind.

Die Stammzuschauer des ZDF werden bangen, dass im Hauptprogramm weniger los ist.

Das geht nun einmal nicht ohne Umverteilung, da unsere Beitragseinnahmen gedeckelt sind. Aber auch in unserem Hauptprogramm laufen neue, moderne Serien, etwa „Das Pubertier“ nach dem Buch von Jan Weiler oder die Geschichte einer jungen Journalistin, die sich in den siebziger Jahren in ihrem Job gegen die Männerwelt durchsetzt. Und im Frühjahr kommt die Verfilmung von Ursula Krechels Roman „Landgericht“.

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