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Der ZDF-Montagsfilm : Rennen, retten, flüchten

  • -Aktualisiert am

Finn Zehender (Hinnerk Schönemann) ermittelt in „Mörderische Jagd“. Bild: dpa

Ein Krimiknallfeuerwerk: Mit „Mörderische Jagd“ zeigt das Zweite einen weiteren Fall für Privatdetektiv Finn Zehender. Der Film setzt auf Verfolgungsjagden, verfolgende Musik - und falsche Zitate.

          Sicher, diskret und preiswert - so wirbt Privatdetektiv Finn Zehender (Hinnerk Schönemann) für seine Dienste. Nichts davon stimmt. Sicher: Wer sich diesem so begriffsstutzigen Vertreter seines Standes anvertraut, kann sicher sein, bald in akute Lebensgefahr zu geraten. Diskret: In den entscheidenden Situationen verplappert sich Zehender garantiert, besonders wenn er in den Lauf einer Waffe schaut. Preiswert: Wer mit Zehender zu tun hat, bezahlt nicht selten mit seinem Leben. Oder zumindest mit seinem gesunden Menschenverstand.

          Zum dritten Mal schicken Markus Imboden (Regie), Holger Karsten Schmidt (Buch) und Peter von Haller (Kamera) Schönemann in der Krimigroteske „Mörderische Jagd“ auf das platte Land, um in einen rasend absurden Fall verwickelt zu werden. Wobei rasend wörtlich zu nehmen ist, der Film ist reich an Verfolgungsjagden. Auch ein Hausboot taugt als Fluchtmittel.

          Popkulturelle Zitate

          Der „Fall“ ist mit großen Löchern und absichtlich willkürlich konstruiert. Der Verfassungsschutz (als strenge Beamtin: Inga Busch) bewacht den Schweizer Flüchtling Urs Jäger (Stephan Bürgi) im Haus am Meer; der hat angeblich eine hochbrisante Steuersünderliste. Hinter der ist ein spanischer Großkrimineller namens Diego Vargas her. Für die - warum auch immer - mit dem Fall betraute Staatsanwältin Agnes Sonntag (Katja Danowski) ist Zehender die erste Wahl, um Jägers Kinder Mathilda und Moritz (Joanna Ferkic und Dennis Chmelensky) aus der Schusslinie zu bringen. Zweite, vielmehr letzte Wahl ist die Wahrscheinlichkeit. Dass schiefgehen muss, was schiefgehen kann, ist hier Programm.

          Es gibt situationsbedingte, schwer sprachverliebte Komik, Running Gags und ein verschrobenes Gangsterpärchen, das sich über das Maß der göttlichen Rechtfertigung seines Gewalteinsatzes nicht einigt. Beide tragen schwarze Anzüge, weiße Hemden und Sonnenbrillen und sind unschwer als „Pulp Fiction“-Zitat zu erkennen. Mit dem popkulturellen Zitieren haben es Schmidt und Imboden überhaupt. Manche Zitate sind Insiderwitze, andere Selbstzitate (der prügelnde Weihnachtsmann und Thomas Thieme als einfältiger Ex-Polizist), manche machen richtig Spaß. Die Musik ist bemerkenswert. Zu Privatdetektiv Zehenders Entspanntheit passt der Easy-Listening-Jazz, der aus den Autoboxen rinnt, wie die Faust aufs Auge.

          Und der Gottesfimmel, den der Killer Maier (Roeland Wiesnekker) unter Beweis stellt, ist auch nicht ohne. Allerdings zeigt sich, dass das Überprüfen von Zitaten nicht nur bei Doktorarbeiten Sinn hat. Psalm 7, Vers 13f. (die Stelle mit den Schwertern und den tödlichen Waffen und der Grube, die einer gräbt) gibt der Gangster so falsch wie sinnentstellend wieder. Zwar nicht gerade ein Fall für ein „Holgerkarstenschmidtplag“, aber wenn schon postbildungsbeflissen, dann bitte richtig.

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