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TV-Serie „Ein starkes Team“ : Nicht nur Köche haben ein Hühnchen zu rupfen

  • -Aktualisiert am

Hier geht es nicht um Currywurst: Thomas Heinze (links) und Florian Martens schmecken ab. Bild: ZDF und Katrin Knoke

Haute Cuisine mit Folgen: Jemand will einen Sterne-Koch vergiften, doch bei der Verkostung erwischt es den Assistenten. Die 68. Folge des „Starken Teams“ folgt bewährten Krimi-Rezepten, und das ist nicht schlecht.

          Die netteste Geschichte, die man sich von Immo Haferkamp erzählt, einem Gourmetkoch, dessen Restaurant zu den berühmten der Hauptstadt gehört, handelt von einem Perlhuhn und einer Frau. Das Perlhuhn lag tot auf einem Teller in Frankreich. Die Frau biss hungrig hinein. Und weil die Glücksgefühle, die sich beim Verspeisen des Fleisches einstellten, ungeheuerlich waren, hielt sie niemanden für einen besseren Koch als den Franzosen, der es ihr servierte.

          Den eifersüchtigen Haferkamp, der frisch in die Dame verliebt war, spornte das an - er unternahm 106 Tierfleischversuche am heimischen Herd. Dann gelang ihm ein Rezept, das Daniela den französischen Hühnervogel vergessen ließ, und es band die Schöne an ihn. In dem Restaurant, dem ein just zur Rezept-Vollendung anwesender Kritiker einen Stern verlieh, gibt es Perlhuhn und Perlhuhn-Geschichten für 98,50 Euro pro Portion.

          Dem Vorkoster bekommt es nicht

          Ein Ereignis, mit dem die neue Folge des ZDF-Krimis „Ein starkes Team“ einsetzt, lässt das Kundeninteresse nun spürbar zurückgehen. Bei den Aufzeichnungen zu einer Kochsendung, die Haferkamp wohl auch dem Perlhuhn verdankt, brach ein Praktikant zusammen, den Haferkamp, vom geplanten Ablauf abweichend, ums Vorkosten bat. Wie sich herausstellt, zählte die Blausäure in der angerichteten Fischsoße nicht zum Rezept.

          Noch ist mit dem Menü alles in Ordnung, aber dann: Lisa Martinek (links), Thomas Heinze und Jytte-Merle Böhrnsen.

          Haferkamp ist bestürzt. Den Kommissaren, die ihn nach dem Tod des Praktikanten befragen, wirft er trotzdem ein hartschalenmäßiges „Lieber seine Mutter weint als meine“ entgegen. Ganz Küchendespot (Thomas Heinze schüttelt die Rolle galant aus dem Ärmel), ist die Kocherei ihm ein endloser Krieg. Mitleid zeigt man da nicht, es lenkt doch nur ab.

          Dem Krimi bekommt das. Niemand würde sich wundern, käme der Giftmischer, der Haferkamp nach dem Leben trachtet, aus den Reihen der sieben Mitarbeiter, die er nach cholerischen Anfällen entließ. Derart Böses ist allerdings auch Ehefrauen zuzutrauen, die dem Sous-Chef des Lokals nahestehen, Redakteurinnen sowieso, und die Spendensammler, die für die Opfer eines Erdbebens in Bochum sammeln und in der 68. Folge des Dauerbrenners „Ein starkes Team“ in Garagenhöfen herumlümmeln, haben sicher auch ein Perlhuhn zu rupfen. Das Drehbuch, das sich, wie so oft, der unter dem Pseudonym Leo P. Ard arbeitende Drehbuchautor Jürgen Pomorin ausgedacht hat, schert sich hier nicht um Gegenwartsthemen. Zeichen der Zeit finden sich allein in den rechtlosen Zuständen, die hinter den Kulissen des Restaurants herrschen wie ehedem, während die Betuchten Wein zu 45,80 Euro pro Glas ordern, tiefenentspannt.

          Um die Wurst geht es kaum

          Aber auch ein ordentlicher Krimi mit Tatort-Begehung am Anfang, Verhören in der Mitte, Wettlauf am Ende und verwirrend eingeflochtener Parallelhandlung um eine Verwirrte mit gewickeltem Ärmchen muss ja gelegentlich sein, sonst vergisst man, welche Rezepte früher für gute Filme so galten. Und „Vergiftet“ bedient durchaus die Erwartungen eines Samstagabend-Publikums, das der seit 1994 laufenden Reihe auch nach dem frühen Tod der Schauspielerin Maja Maranow 2016 die Stange hält. Die ersten Episoden, in denen Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) an der Seite Otto Garbers (Florian Martens) ermittelt, erreichten mit rund sieben, sechseinhalb und fünf Millionen Zuschauern beachtliche Quoten.

          Für das „Starke Team“ geht es daher kaum um die Wurst - es sei denn, selbstverständlich, um die Currywurst, die Pudelmützenträger Otto Garber, ein Mann, der selbst Haferkamp sympathisch ist, jedem Schwabenfutter an Kumpel Sputniks neuem vegetarischen Imbiss und erst recht Perlhühnchen vorzieht. Die Frage, wie man mit Bewirtungsbelegen in Höhe von 460 Euro umgeht, müssen sich andere stellen.

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